Eduard Schmidt (* 1860 in Berlin; † 27. Juli 1899 in Schönebeck a. d. Elbe) war ein deutscher Diplomat und Kolonialist.
Werdegang Schmidt wuchs als Sohn eines Bierwirtes in Berlin auf. Dort war er zunächst in einem Süßwarengeschäft tätig. Ab 1881 war er Agent der Woermann-Linie in Kamerun. Er leitete spätestens ab 1884 die Woermann-Faktorei in Akwatown (heute Teil von Douala).Tristan Oestermann: Koloniale Fantasien und koloniale Geschäfte. Berliner Kolonialunternehmen in Kamerun, 1884–1914. In: Samuel Eleazar Wendt, Felix Töppel, Lilja-Ruben Vowe und Klaus Weber (Hrsg.): Berlins Weg in die Moderne. Koloniale Warenströme und Sehnsüchte, 1713–1918. transcript Verlag, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-7510-8, S. 149. Später war er deutscher Konsul in Lagos und in Kamerun.Kolonial-Abtheilung des Auswärtigen Amts (Hg.): Deutsches Kolonialblatt, X. Jg., 1899, S. 509
Am 12. Juli 1884 wurde nach Verhandlungen von Schmidt als Vertreter von Adolph Woermann mit dem afrikanischen Stammesführer der Duala, King Bell, ein Vertrag geschlossen. Dieser übertrug die Souveränität, Gesetzesgewalt und Verwaltung des Ausgangsgebietes von Kamerun an die Unternehmen C. Woermann und Jantzen & Thormählen. Der Vertrag wurde wenige Tage später vom deutschen Generalkonsul Gustav Nachtigal als Kaiserlicher Kommissar und zwölf weiteren afrikanischen Stammeshäuptlingen von Kamerun bestätigt. Schmidt unterzeichnete hierbei für Woermann. Damit wurde das Schutzgebiet Kamerun als deutsche Kolonie proklamiert.
Nach der Zerstörung von Benin City durch britische Kolonialtruppen 1897 gelangte Schmidt an 80 geraubte Kunstgegenstände aus Bronze. Er selbst gab an, die Objekte in Westafrika von einem Edo gekauft zu haben. Im März 1898 stellte Justus Brinckmann die Benin-Sammlung Schmidts im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg aus. Anschließend gelangte die Sammlung über Felix von Luschan an das Königliche Museum für Völkerkunde Berlin. 1898 erhielt Kaiser Wilhelm II. von Schmidt zwei bronzene Leoparden aus dieser Sammlung. Für seine Verdienste wurde Schmidt der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. Er starb im Juli 1899 im Alter von 39 Jahren nach längerem Leiden.
Spätestens ab den 1950er Jahren waren zwei bronzene Leoparden aus der Sammlung Schmidts im Besitz des Münchner Kunsthändlers Ludwig Bretschneider. Bretschneider verkaufte sie dem Museum für Völkerkunde München Anfang August 1952 für 18.500 DM. 1955 gab das Museum einen der Leoparden als Tauschobjekt an Bretschneider zurück.
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Diplomat Kategorie:Person (Kamerun, Kolonie) Kategorie:Manager Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Preuße Kategorie:Geboren 1860 Kategorie:Gestorben 1899 Kategorie:Mann