mini|hochkant|Ellinor Tordis (1926) Ellinor Tordis (* 21. Dezember 1895 in Dresden; † 3. April 1973 in Wien) war eine deutschstämmige österreichische Tänzerin und Tanzlehrerin.
Leben und künstlerischer Werdegang Ellinor Tordis war der Künstlername von Ellinor Wachsmuth. Als einzige Tochter des Dresdner Kinderarztes Johannes Hermann Rudolf Wachsmuth (1855–1901) und dessen Ehefrau Alice, geb. Harlan (1869–1932)Standesamt Dresden II, Geburtenregister-Eintrag Nr. 3973 vom 24. Dezember 1895 für „Ellinor Wachsmuth“; eingesehen auf ancestry.de am 28. Juli 2026., wuchs sie mit drei älteren Brüdern auf, darunter der Anthroposoph Guenther Wachsmuth und der Tänzer Werner Wachsmuth (1894–1953). Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1901 engagierte ihre Mutter den Schweizer Kunsthistoriker und Schriftsteller Hans Mühlestein als Hauslehrer, der von 1907 bis 1909 in Dresden die Geschwister unterrichtete und später ihr Stiefvater wurde.
Nach einer reformpädagogischen Schulausbildung in Wickersdorf (Thüringen) studierte Tordis in München Tanz bei Alexander Sacharoff und Magda Bauer. Sie zog zu Beginn der 1920er Jahre nach Wien um, wurde Mitglied des Petz-Kainer-Balletts und trat erstmalig im Januar 1921 im Deutschen Volkstheater in Wien auf. Sie studierte weiter Tanz in Wien.
Ab 1922 trat sie mit eigenen Tanzabenden in verschiedenen Städten wie Wien, Budapest und Deutschland auf, z. B. im Rahmen des Musik- und Theaterfestes der Stadt Wien im Jahr 1924. Sie wirkte außerdem an Produktionen von Claire Bauroff mit und baute ihre eigene Tanzschule auf. Tordis war in den 1920ern an vielen Aufführungen tanzend und gestaltend aktiv, beispielsweise 1926 bei einem vielbeachteten J.-S.-Bach-Abend und bei sozialdemokratischen Feiern wie von 1928 bis 1933 bei Republikfeiern.
Ab Dezember 1927 schlossen sich mehrere Tanzschulen und Tänzerinnen wie Marga Bach oder Vilma Degischer unter ihrer Leitung zur Wiener Tanztruppe zusammen und blieben gleichzeitig als unabhängige Einrichtungen bestehen. In der Zeitschrift Kunst und Volk veröffentlichte Tordis 1929 einen Beitrag mit dem Titel Bewegungschöre.
1930 nahm sie am Tanzkongress in München teil. Nach einer Zwangspause wegen Verletzung trat sie Ende 1931 erneut auf, nun auch mit modernen Tänzen zur Musik von Ravel und Skrjabin, und wurde dafür von der Neuen Freien Presse (NFP) hoch gelobt.
1933 bis 1934 ging ihre öffentliche Präsenz bei Aufführungen wegen der angespannteren historischen Lage zurück. Tordis bot als Konsequenz vorwiegend Tanz- und Gymnastikkurse an und entwickelte Tänze nach klassischen Gemäldevorlagen. 1934 war sie Teil der Jury beim internationalen Tanzabend in Wien. 1936 wirkte Tordis für die Internationale Theaterausstellung an Barock-Ballett-Aufführungen mit und tanzte im Juli 1937 anlässlich der Pariser Weltausstellung Mozart-Ballette. Ihren letzten öffentlichen Auftritt in der Ersten Republik hatte sie im Januar 1938.
Von 1939 bis 1942 trat sie für verschiedene NS-Veranstaltungen auf. Nach 1945 konnte sie als Lehrende an die Zeit vor 1934 anknüpfen und wurde im Juni an die Akademie für Musik und darstellende Kunst berufen, wo sie in den 1950ern noch unterrichtete.
1949 trat sie noch einmal im Bewegungsdrama Schöpfungsmythos in Wien auf.
Sie starb am 3. April 1973 in Wien und wurde am 12. April auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet.
Tanzstil Tordis’ Stil der Anfangsjahre wurde als streng an der klassischen Musik orientiert wahrgenommen. Er wurde ab 1925 in Feuilletons besprochen. Man sprach von einem einfachen, edlen und reifen Tanzstil, bei dem die Harmonie des Körpers und des Bewegungsflusses übereinstimmte. Ab 1931 nahm sie moderne Tanzstücke mit in ihr Repertoire auf, was von der Presse lobend zur Kenntnis genommen wurde. Besonders hervorgehoben wurde in der Presse ihr besonderes Musikverständnis, das ihr nach dem Zweiten Weltkrieg die Lehrtätigkeit an der Akademie für Musik und darstellende Kunst sicherte. Durch ihren besonderen Stil wurde sie von anderen Tanzkünstlerinnen als Vorbild gewählt, wie z. B. von Hanna Berger.
Aufführungstermine mit Orten (Auswahl) Folgende Termine für Auftritte sind für Ellinor Tordis verzeichnet:
1921: Debüt in Wien 1922: Großer Konzertsaal in Wien 1924: Musik- und Theaterfest der Stadt Wien und Theater in der Josefstadt mit Tanzdichtung Das Licht ruft in Wien 1926: J.-S.-Bach-Abend in Wien 1928: Republikfeier (jährlich bis 1933) und Requiem für Viktor Adler in der Renaissancebühne in Wien 1930: Tanzabende mit Musik von Händel und Mozart, Wien und Internationaler Tanzkongress in München 1931: Auftritte mit moderner Musik (Ravel, Skrjabin) in Wien 1934: Aufführungen nach klassischen Gemälden in Wien 1936: Barock-Ballett-Aufführungen in Wien 1937: Aufführungen im Rahmen der Weltausstellung in Paris 1938: Aufführung im Rahmenprogramm des Balls des Frauen-Notdienstes in Wien 1939: Auftritte bei NS-Veranstaltungen (bis 1942) 1940: Auftritt in einer Matinee in der Komödie in Wien
Weblinks
Ellinor Tordis in der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
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