Steven John Wilson (* 3. November 1967 in Kingston upon Thames, London) ist ein britischer Musiker. Wilson spielt diverse Instrumente und ist als erlernter Produzent, Tontechniker, Gitarrist und Keyboarder ausgewiesener Autodidakt.

Am besten bekannt als Gründer, Sänger, Gitarrist und Songwriter der Progressive-Rock-Band Porcupine Tree, deren Alben Deadwing (2005) und Fear of a Blank Planet (2007) vom Classic Rock Magazine zum jeweiligen Album des Jahres gekürt wurden, ist Wilson auch in vielen anderen Bands und Projekten involviert, die weit über die Genre-Grenzen des Progressive Rock hinausgehen. Unter anderem sind das Bass Communion (Ambient, Drone), Blackfield (Pop-Rock), No-Man (Art-Pop) sowie Incredible Expanding Mindfuck (Krautrock, oft abgekürzt zu I.E.M.). Außerdem pflegt er eine Solokarriere unter eigenem Namen. Das musikalische Schaffen von Wilson kann als Interstilistik mit progressiven Tendenzen verstanden werden.Attila Kornel: "Progressive-Rock und die Ablehnung des Pop am Beispiel der Rezeption von Steven Wilson", in: Marina Schwarz (Hg.): Das verdächtig Populäre in der Musik – Warum wir mögen, wofür wir uns schämen, Springer VS 2021, S. 235–251.

Als Produzent und Remixer umfassen seine Referenzen unter anderem Opeth, Orphaned Land,Steven Wilson: (abgerufen am 23. Dezember 2015) Fish, Anja Garbarek, Marillion, King Crimson, Emerson Lake & Palmer, Jethro Tull, Tangerine Dream und Paatos. Sein eigenes Label Headphone Dust verlegt Kleinstauflagen von Tonträgern.

Biografie mini|Wilson auf dem Strawberry Fayre in Cambridge (1997) Bereits mit elf Jahren begann Wilson, eigene Musik zu komponieren. Nach und nach erweiterte er sein privates Studio No Man’s Land, lernte Gitarre und Keyboard und produzierte eine Reihe von Tapes. Zunächst war die Band No-Man mit Tim Bowness sein erfolgreichstes Projekt, für das er seinen ersten Plattenvertrag erhielt. Aus einer Laune heraus entstand Porcupine Tree, eigentlich ein Soloprojekt Wilsons, für das er eine Biografie erfand, die von verlorengegangenen Tapes einer legendären Band erzählt. Diese „wieder aufgefundenen“ Tapes fielen Richard Allen – damals bei Delerium Records – in die Hände, und Wilson bekam einen zweiten Plattenvertrag. Inzwischen ist Porcupine Tree seine weitaus erfolgreichste Band. Zwischen 2010 und 2021 pausierte sie allerdings, da sich Wilson seiner Solokarriere widmete.

Soloarbeiten mini|Steven Wilson (1999) mini|Wilson mit Aviv Geffen während der Blackfield-Europatournee 2004 Coverversion Zwischen 2003 und 2010 wurde eine Serie von sechs 2-Track-CD-Singles unter eigenem Namen veröffentlicht. Dabei beinhaltet jede CD eine Coverversion und einen Steven-Wilson-Originalsong. Die Auswahl der Coversongs ist sehr unterschiedlich; die CDs beinhalten Songs von ABBA, Alanis Morissette, Donovan, Momus, Prince und The Cure. Als finale CD-Single wurde Cover Version VI in einer limitierten Box mit leeren Plätzen für die vorherigen fünf Singles veröffentlicht.

Im Mai 2014 wurden alle zwölf Titel auf einer CD als Kompilation veröffentlicht.Steven Wilson: Cover Version on CD now available to pre-order (abgerufen am 2. November 2014)

Insurgentes Im November 2008 zuerst als limitierte Deluxe-Mailorder-Version verfügbar, veröffentlichte Wilson im Februar 2009 Insurgentes, das erste Album unter seinem eigenen Namen. Es ist benannt nach der Avenida de los Insurgentes, der längsten Hauptstraße von Mexiko-Stadt. Mit dem Namen Insurgentes (dt. Rebellen, Aufständische) spielt Wilson auf seine Art und Weise Musik zu machen und auf die Gestaltung seiner Karriere an. Wilson bezeichnet es als die bisher , die er gemacht hat. Als Haupteinflüsse nennt er Post-Punk Shoegazing (à la Joy Division und The Cure). Er bezeichnet es außerdem als sehr Drone- und Noise-orientiert.innerviews.org: Innerviews: No-Man – Positive momentum (englisch) 2010 wurde der gleichnamige Film Insurgentes von Lasse Hoile veröffentlicht, der die Entstehungsgeschichte des Albums dokumentiert. Neben Wilson kommen auch Musiker wie Mikael Akerfeldt (Opeth) und Aviv Geffen (Blackfield) zu Wort.

Grace for Drowning Grace for Drowning ist der umfassende Titel zweier Soloalben, Deform to Form a Star und Like Dust I Have Cleared from My Eye, die am 26. September 2011 zusammen als Doppelalbum über das Independent-Label Kscope veröffentlicht wurden.Steven Wilson: Two single albums issued together (abgerufen am 10. Mai 2011)Steven Wilson: Grace for Drowning-Ankündigung (abgerufen am 14. Juni 2011)Steven Wilson: Grace for Drowning-Website (abgerufen am 19. Juli 2011) Der organische Klang von Grace for Drowning wurde beeinflusst von Wilsons Tätigkeit als Tontechniker, da er während der Aufnahmen klassische Alben von King Crimson oder Jethro Tull remixte, die ihn inspirierten. Das Album zeigt zudem eine Abkehr Wilsons von der am Metal orientierten Musik auf Porcupine Trees letztem Album „The Incident“ hin zu jazzigem Artrock.

Im Zuge der Veröffentlichung von Grace for Drowning startete Steven Wilson seine erste Solotour. Mit Tourdaten im Oktober und November 2011 wurde auf den Konzerten Material von Grace for Drowning und Insurgentes gespielt. Das Line-up bestand aus Marco Minnemann (Schlagzeug), Nick Beggs (Bass/Chapman Stick), Aziz Ibrahim (Gitarre), Adam Holzman (Keyboards), Theo Travis (Flöte / Saxophon) und Steven Wilson (Gesang, Gitarren, Keyboards). Als Keyboarder war ursprünglich Gary Husband eingeplant, welcher aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste.Steven Wilson: Erste Solotour: Ankündigung (abgerufen am 26. Oktober 2011)Steven Wilson: Erste Solotour: Lineup-Änderung (abgerufen am 26. Oktober 2011)Steven Wilson: (abgerufen am 23. Dezember 2015)

Im April und Mai 2012 wurde die Grace-for-Drowing-Tour mit einigen Tourdaten in Europa und Südamerika in einem zweiten Lauf fortgesetzt. Als Gitarrist wurde Aziz Ibrahim im Line-up erst durch Niko Tsonev und später durch Guthrie Govan ersetzt.

The Raven That Refused to Sing (And Other Stories) Am 1. März 2013 wurde Wilsons drittes Soloalbum The Raven That Refused to Sing (And Other Stories), das in Los Angeles zusammen mit den Mitgliedern der Steven-Wilson-Liveband im September und Oktober 2012 aufgenommen wurde, veröffentlicht. Als Toningenieur wurde Alan Parsons engagiert. Zwei Musik-Videos wurden dazu veröffentlicht, The Raven that Refused to Sing und Drive Home. Diese sind beide auf der im Oktober 2013 veröffentlichten EP Drive Home zu finden, mit der Wilson die Gelegenheit nutzte, unveröffentlichtes Material und Livemitschnitte von The Raven That Refused to Sing (And Other Stories) zu veröffentlichen.

Im März 2013 ging die Steven-Wilson-Liveband mit dem Album auf Europa-Tournee.Steven Wilson: Europa-Tourdaten für 2013 (Ankündigung) (abgerufen am 5. Dezember 2012) Bis Ende November 2013 folgten weitere Konzertdaten in Europa sowie USA/Kanada, Mexiko, Südamerika, Australien, Großbritannien und Israel – darunter einige Sommerfestivals in Deutschland (Hurricane/Southside, Loreley), Österreich (Nova Rock) und Niederlande (Bospop, De boerderij).Steven Wilson: Tourdaten (abgerufen am 7. November 2014) Aufgrund weiterer Terminverpflichtungen wurde Schlagzeuger Marco Minnemann für die US-Tourdaten durch Chad Wackerman (bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Frank Zappa in den 80ern) ersetzt.Steven Wilson: Chad Wackerman to replace Marco Minnemann on North/South American Tour (abgerufen am 7. November 2014)

Hand. Cannot. Erase. Das vierte Soloalbum Hand. Cannot. Erase. ist am 27. Februar 2015 beim Independent-Label Kscope erschienen.laut.de Zum Album fand eine ausführliche Tournee durch Europa, Nord- und Mittelamerika sowie Australien statt, die bis in das Jahr 2016 andauerte. Musikalisch wurde Wilson mit dem Album deutlich elektronischer.

Im Oktober 2015 erschien Transience, eine Zusammenstellung älterer Stücke, die zunächst nur als Vinyl-LP zu kaufen war. Erst 2016 erschien das Album auch auf CD.

Am 22. Januar 2016 erschien die EP 4 ½, welches Songs aus der Zeit von The Raven That Refused to Sing (And Other Stories) sowie Hand. Cannot. Erase. umfasst bei dem Label Kscope. Der Finale Song ist ein Porcupine Tree Cover von Don't Hate Me gesungen als Duett mit Ninet Tayeb. Der Titel ist wörtlich zu nehmen als das Album zwischen Hand. Cannot. Erase. und dem, zu dem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellten, Folgealbum.

To the Bone Im Dezember 2016 begannen die Aufnahmen zum Studioalbum To the Bone in London, wobei zuerst die Schlagzeug- und Bass-Spuren eingespielt wurden. Mitte Februar 2017 wurden die Aufnahmen abgeschlossen und am 26. Februar 2017 wurde mit dem Abmischen begonnen. Das Album erschien am 18. August 2017 beim Label Caroline International und stieg in der Folgewoche auf Platz 2 der deutschen Charts ein. Nach eigenen Angaben inspirierte sich Wilson bei dem Album an den Progressive Pop Alben seiner Kindheit. Als Beispiele nennt er: Peter Gabriels So, Kate Bushs Hounds of Love, Talk Talks Colour of Spring und Tears for Fears Seeds of Love.

Auf das Album folgte die To the Bone Tour welche im März 2019 nach 14 Monaten und 145 Konzerten in 33 Ländern beendet wurde. Hierbei wurde Wilson von Adam Holzman (Keyboards), Nick Beggs (Bass), Alex Hutchings (Gitarre), Craig Blundell (Drums) unterstützt. Am 12. September 2018 wurde ein Livealbum unter dem Namen Home Invasion: In Concert at the Royal Albert Hall angekündigt und am 2. November 2018 veröffentlicht. Das Album umfasst die Aufnahmen des letzten, von drei aufeinander folgenden, in der Royal Albert Hall stattgefundenen Konzerts im März 2018 sowie als Bonusmaterial weitere Aufnahmen während des Soundchecks.

The Future Bites Ursprünglich sollte das Studioalbum The Future Bites im Juni 2020 erscheinen. Geplant war ein umfangreicheres Konzept, das Design, Artwork, Videos und eine Tour umfasste. Wegen der COVID-19-Pandemie wurde der Veröffentlichungstermin auf den 29. Januar 2021 verschoben. Das Album wurde von David Kosten co-produziert und gemixt. Es erschien beim Label Caroline International. Am 22. März 2021 kündigte Wilson an, dass die The Future Bites Europa Tour (geplant ab September 2021) aufgrund der Unsicherheiten im Rahmen der COVID-19-Pandemie abgesagt wird. Im gleichen Zuge kündigte er an, an neuen Alben für 2022 bzw. 2023 zu arbeiten.

The Harmony Codex Am 29. September 2023 wurde das siebte Studioalbum The Harmony Codex beim Label Virgin Music herausgebracht. Er nahm das Album zuvor alleine in einem kleinen Studio in einer Garage im Norden Londons auf. Dabei bekam er Remote-Unterstützung von Freunden bzw. Langzeitpartnern wie Ninet Tayeb, Craig Blundell, und Adam Holzman sowie erstmals von Jack Dangers (Meat Beat Manifesto) und Sam Fogarino (Interpol).

The Overview Erstmals wurde das Nachfolgealbum nach The Harmony Codex am 22. Februar 2024 für Anfang 2025 angekündigt. Hierbei kündigte Wilson an, dass es zwei 20-minütige Songs werden. Das Konzeptalbum The Overview wurde am 14. März 2025 beim britischen Label Fiction Records (Teil der Universal Music Group) veröffentlicht. Kurz nach der Veröffentlichung belegte das Album Platz eins der Deutschen Rock- und Metalcharts. Das Konzept basiert auf dem Overview-Effekt und der Idee der Perspektive. Musikalisch schlug Wilson mit diesem Album wieder einen klassischeren Prog-Rock-Sound ein und war weniger elektronisch als in den Alben zuvor. Am 24. Juni 2024 gab Wilson seine erste Tour The Overview Tour 2025 seit der To the Bone Tour 2018 / 2019 für Mai bis Juni 2025 in der UK und Europa bekannt.

Weitere musikalische Projekte mini|Wilson auf dem ZMF in Freiburg (2018) Neben Porcupine Tree und seiner Solokarriere ist Wilson Teil vieler weiterer musikalischer Projekte; u. a. beschäftigt sich Steven Wilson mit elektronischer Musik und Field-Recording. Wenn man Genre-Bezeichnungen für die Projekte nennen sollte, wären es eventuell: Artrock (No-Man, Blackfield, I.E.M., Steven Wilson), Ambient/Drone (Bass Communion, Continuum, Steven Wilson), New Age (No-Man).