Als Patrouillenboot Typ 1 (, dai ichi-gō-gata shōkai tokumu-teiIn etwa übersetzbar mit Spezialpatrouillenboot Typ 1.) wurde eine Klasse von kleineren Hilfs-Patrouillenbooten beziehungsweise Vorpostenbooten der Kaiserlich Japanischen Marine aus der Endphase des Zweiten Weltkrieges bezeichnet. Der Bau dieser Schiffe begann Ende 1944, wobei anfangs bis zu 280 Boote geplant waren. Infolge der Kriegsereignisse (siehe Luftangriffe auf Japan), der Werftauslastungen und der Verknappung an Rohstoffen jedoch wurden bis Kriegsende im September 1945 nur 57 Einheiten auf Kiel gelegt und von diesen wiederum nur 27 fertiggestellt. Ein Teil der nach Kriegsende demilitarisierten Boote wurde nach 1953 zu zivilen Fischereifahrzeugen umgebaut, welche teilweise noch bis in die 1960er Jahre hinein als Fischerboote genutzt wurden.

Technische Aspekte Die Patrouillenboote des Typs 1 waren maximal 33,25 Meter lang und 6,14 Meter breit. Der Tiefgang lag in voll ausgerüstetem Zustand bei 3,25 Meter. Die Rümpfe sowie die Aufbauten der Einheiten waren aus Holz gefertigt, was einerseits der Verknappung an Stahl zuzuschreiben war, andererseits aber auch gängige Praxis zu jener Zeit in Japan war, was den Bau von Fischerbooten betraf, zumal es auch die Intention gab, die Patrouillenboote nach dem Ende der Kampfhandlungen als Fischereifahrzeuge einzusetzen. Um zumindest einen rudimentären Schutz zu gewährleisten gegenüber dem Bordwaffenbeschuss von alliierten Tieffliegern, wurden das Ruderhaus sowie der Raum mit der Dieselmaschine mit 10 mm starken Stahlplatten verkleidet. Die Besatzungsstärke lag im Normalfall bei 34 Personen.

Die Maschinenanlage bestand aus einem mit Schweröl befeuerten 4-Zylinder-Schiffsdieselmotor, der eine einzelne Welle ansteuerte. Die Maschine leistete rund 400 PS und konnte die Welle mit bis zu 500 Umdrehungen pro Minute antreiben, was den Patrouillenbooten unter günstigen Bedingungen eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 9,3 Knoten (etwa 17 km/h) ermöglichte. Der Treibstoffvorrat lag bei 26 Tonnen, womit die Boote eine Reichweite von ca. 4.000 Seemeilen besaßen (bei 8 Knoten Höchstfahrt).

Bewaffnet waren die Boote mit bis zu vier 2,5-cm-Flak in einer Zwillingslafette und zwei Einzellafetten. Eine nicht genau bekannte Anzahl an Booten erhielt zudem zwei 12-cm-Raketenwerfer zur Luftverteidigung. Daneben befanden sich zwei Abrollgestelle für Wasserbomben am Heck sowie zwischen acht und zwölf Wasserbomben an Bord. Der überwiegende Teil der Einheiten erhielt ein Sonargerät des Typs 3, darüber hinaus soll auf manchen Booten auch ein Typ-13-Luftwarnradar (zwei Meter Wellenlänge, 10 kW, Erfassung einzelner Flugzeuge bis etwa 50 Kilometer Distanz) eingebaut worden sein.

Geschichte Bereits Ende 1943 waren im Kontext des sogenannten Maru Sen Keikaku-Bauprogrammes () Pläne entworfen worden, kleine und kostengünstige Patrouillenboote in großen Stückzahlen zu bauen. Die Boote sollten vorzugsweise Patrouillendienste leisten, aber auch im Küstenschutz, bei Minenräumungen und notfalls auch in der U-Jagd eingesetzt werden können. Gleichwohl wurde der Auftrag zum Bau von 280 Booten infolge bürokratischer und rüstungspolitischer Verzögerungen, und auch da andere Bauvorhaben Vorrang genossen, erst Ende 1944 vergeben, wobei die Auftragnehmer insgesamt 16 Werften und Fabriken in ganz Japan waren, darunter Ichikawa Zōsenjo (Werft), Koyanagi Zōsenjo, Gōriki Zōsenjo, Saga Zōsenjo, Shikoku Zōsenjo, die Jinen-Stahlwerke, die Yamanishi-Stahlwerke und Tokushima Zōsenjo. Die Endausrüstung der Boote mit der Bewaffnung und den Sensoren wurde nach dem Stapellauf von den großen Marinewerften in Kure, Maizuru und Sasebo übernommen.

Das Typschiff Nr. 1 lief am 25. Januar 1945 von Stapel. Insgesamt wurden bis zur Kapitulation Japans im September 1945 57 Boote auf Kiel gelegt, von diesen wiederum wurden jedoch nur 27 vollendet.Die Rumpf- bzw. Einheitennummern wurden nicht einheitlich vergeben, so dass auch Boote mit Rumpfnummern jenseits der Nummer 100 in Dienst kamen, obgleich nie derart viele Einheiten gebaut wurden. Vor allem die sich für Japan drastisch verschlechternde Kriegslage, starke US-Luftangriffe sowie ein allgemeiner Rohstoff- und Ressourcenmangel hatten mit zur unzulänglichen Umsetzung des Bauprogramms beigetragen.

Die Patrouillenboote kamen unter anderem zwischen März und August 1945 (und auch noch nach Kriegsende) vor Kyūshū und in der Seto-Inlandsee bei der Räumung von aus der Luft gelegten US-Seeminen zum Einsatz (siehe Operation Starvation). Dabei gingen vermutlich die beiden Boote Nr. 163 (22. August 1945) und Nr. 173 (29. März 1945) nach Minentreffern verloren. Weitere Verluste während des Krieges entstanden durch Luftangriffe – so sanken die beiden noch in der Endausrüstung befindlichen Boote Nr. 177 und Nr. 178 am 4. Juli 1945 bei Bombenangriffen in Kure, ferner sank Nr. 37 am 18. Juli 1945 nahe Yokosuka bei einem Luftangriff. Einer der letzten Kriegsverluste trat ein am 12. August 1945, als Nr. 166 vor Onomichi nach einem Luftangriff verloren ging. mini|links|Das ehemalige Patrouillenboot Nr. 84, hier als Minensucher MS-19 (um 1949).

Nach Kriegsende wurden die kleinen Patrouillenboote unter US-Aufsicht zur Minenräumung eingesetzt (die japanische Marineführung hatte am 16. September 1945 auf Anweisung des Supreme Commander for the Allied Powers eine entsprechende Behörde für Minenräumungen etablieren müssen, wobei etwa 350 Fahrzeuge aller Typen und etwa 10.000 Seeleute der ehemaligen kaiserlichen Marine eingesetzt wurden),Joachim Wätzig: Die japanische Flotte. Von 1868 bis heute. Brandenburgisches Verlagshaus. Berlin 1996, S. 208. wobei ein Boot (Nr. 90) in der Nachkriegszeit infolge einer Minenexplosion verloren ging. Zwei weitere Boote (Nr. 137 und Nr. 176) sanken im April 1946 in einem schweren Orkan.

Mindestens acht Fahrzeuge (Nr. 84, Nr. 134, Nr. 135, Nr. 136, Nr. 139 sowie Nr. 152, Nr. 154 und Nr. 191) wurden im Mai 1948 in die neu aufgestellte Japan Maritime Safety Agency (die Vorgängerorganisation der heutigen japanischen Küstenwache) übernommen und blieben bei dieser bis 1952/53 im Dienst. Von diesen Booten lief am 27. Oktober 1950 Nr. 191 (unter der Kennung MS-30) im Rahmen des seinerzeit geheim gehaltenen Einsatzes von japanischen Minensuchkräften im Koreakrieg vor Wŏnsan auf Grund und sank.

Spätestens bis 1953 waren fast alle übrigen Einheiten des Typs demilitarisiert und an zivile Besitzer verkauft worden. Diese Boote wurden vorzugsweise in der Fischerei eingesetzt und blieben teils bis in die 1960er Jahre im Einsatz, allerdings ist das Einzelschicksal der Schiffe nicht mehr in jedem Fall rekonstruierbar.

Anmerkungen

Siehe auch Patrouillenboote der Kaiserlich Japanischen Marine Patrouillenboot Vorpostenboot

Literatur

Shizuo Fukui: Die Geschichte der japanischen Hilfskriegsschiffe. Band 10. Kojinsha, Yokohama 1993. (福井静夫『日本補助艦艇物語』 福井静夫著作集第10巻、光人社、1993年12月)

Einzelnachweise

Kategorie:Militärschiffsklasse (Japanisches Kaiserreich) Kategorie:Patrouillenbootsklasse Kategorie:Militärschiffsklasse für den Minenkrieg