Fluxus-Gruppe war eine Fernsehsendung des ZDF, die am 11. Dezember 1964 aus dem Landesstudio Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf live übertragen wurde. Im Rahmen der Sendereihe Die Drehscheibe führten die Künstler Joseph Beuys, Bazon Brock und Wolf Vostell unabhängig voneinander Aktionen durch. Die Sendung war eine frühe Zusammenarbeit von bildenden Künstlern und dem Fernsehen in Deutschland. Sie wurde nicht aufgezeichnet. Manfred Tischer dokumentierte die Aktionen fotografisch.Beuys Brock Vostell. Aktion Demonstration Partizipation 1949–1983. (Hrsg.): Peter Weibel, ZKM - Zentrum für Kunst und Medien, Hatje Cantz, Karlsruhe, 2014, ISBN 978-3-7757-3864-4. Fluxus-Gruppe Medien Kunst Netz.

Hintergrund Die Sendung geht auf das Festival der Neuen Kunst zurück. Es fand am 20. Juli 1964 im Auditorium Maximum der Aachener Hochschule, am Jahrestag des Attentats auf Hitler, zu dem die Veranstaltung thematisch Bezug aufnahm, statt. Da es abgebrochen worden war, bot ein anwesender ZDF-Redakteur an, die Aktionen im Fernsehstudio nachzuholen. Eingeladen wurden schließlich Beuys, Brock und Vostell, die das Thema „Widerstand 20. Juli“ aufgriffen. Die drei Künstler traten in den 1960er Jahren mehrfach gemeinsam auf, unter anderem 1965 beim 24-Stunden-Happening in der Galerie Parnass. Die Übertragung begann gegen 19 Uhr und dauerte etwa 30 Minuten. Die Beitragstitel der drei Künstler waren in einer von Vostell verschickten Ankündigung festgehalten: Beuys Fluxus Demonstrationen, Brock Agit Pop, Vostell Dé-coll/age-Happening. Zentrum für Kunst und Medien: Beuys Brock Vostell – Eine Einführung in die Ausstellung. Die gemeinsame Arbeit von Beuys, Brock und Vostell war auch Gegenstand der von Peter Weibel herausgegebenen Ausstellung und Publikation Beuys Brock Vostell. Aktion Demonstration Partizipation 1949–1983 im Zentrum für Kunst und Medien 2014.

Ablauf Joseph Beuys führte im Rahmen der Fluxus Demonstrationen die Aktion Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet durch. Er brachte eine Filzdecke in das Studio, in dem ein Bretterverschlag aufgestellt war, entnahm einem Karton einzelne Margarinepackungen und formte im inneren Winkel des Verschlags liegend und kriechend eine Fettecke. Er fettete die Filzdecke ein und läutete eine Glocke. Mit schokoladenversetzter Braunkreuz-Farbe schrieb er in Großbuchstaben den Satz „Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet“ auf eine quadratische Platte. Staatsgalerie Stuttgart. Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet. Baron Brock führte die Aktion Agit Pop durch, in der er den Aktionstext Das Schweigen der Väter vorlas. Wolf Vostell führte das Dé-coll/age-Happening Weisser als weiss durch. Im Studio stand ein breites Bett, auf dem ein Fernsehgerät stand und eine Schaufensterpuppe lag. Mitwirkende umkreisten es auf Fahrrädern, mit einem Fisch im Mund oder mit einem Karton über den Kopf gestülpt. Einige Mitwirkende zogen Kinderwagen. Vostell besprühte das Bett fortlaufend mit Waschmittel. Der Titel Weisser als weiss spielt auf die Werbesprache für Waschmittel an.Das Theater ist auf der Straße. Die Happenings von Wolf Vostell. Museum Morsbroich Leverkusen. Kerber Verlag, 2010, ISBN 978-3-86678-431-4.

Entstehung des Duchamp-Satzes Die Urheberschaft des Satzes „Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet“ ist umstritten. In der kunsthistorischen Literatur wird er zum Werk von Beuys geführt. Brock schildert den Vorgang dagegen so, dass Vostell den Ausruf: „Das Schweigen von Duchamp wird überbewertet“ während der Sendung ausgerufen habe und Beuys ihn daraufhin aufgegriffen habe. Auch Mercedes Vostell, die im Fernsehstudio anwesend war, berichtet, Vostell habe den Satz zuerst gerufen und Beuys ihn daraufhin aufgegriffen habe und ihn dann in Großbuchstaben auf eine quadratische Platte geschrieben habe.Mercedes Vostell: Vostell – ein Leben lang. Siebenhaar Verlag, Berlin 2012, Seite 82, ISBN 978-3-936962-88-8. Bazon Brock. Lifesendung zur Sendereihe Die Drehscheibe des ZDF am 11. Dezember 1964.

Literatur Bazon Brock: Ästhetik als Vermittlung. Arbeitsbiographie eines Generalisten. Hrsg.: Karla Fohrbeck. DuMont Kunstverlag, Köln 1977, ISBN 3-7701-0671-7. Die 60er Jahre. Kölns Weg zur Kunstmetropole. Vom Happening zum Kunstmarkt. Hrsg.: Wulf Herzogenrath und Gabriele Lueg, Kölnischer Kunstverein, 1986 (ohne ISBN). Wollt Ihr das totale Leben? Fluxus und Agit-Pop der 60er Jahre in Aachen. Neuer Aachener Kunstverein, Aachen, 1995, ISBN 3-929261-24-3. Das Theater ist auf der Straße. Die Happenings von Wolf Vostell. Museum Morsbroich, Leverkusen. Kerber Verlag, 2010, ISBN 978-3-86678-431-4. Marion Ackermann (Hrsg.): Joseph Beuys. Parallelprozesse. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Schirmer/Mosel, München 2010, ISBN 978-3-941773-03-5. Nie wieder störungsfrei! Aachen Avantgarde seit 1964. Kerber Verlag, 2011, ISBN 978-3-86678-602-8. Mercedes Vostell: Vostell – ein Leben lang. Siebenhaar Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-936962-88-8. Klaus Gereon Beuckers: Dé-coll/age und Happening. Studien zum Werk von Wolf Vostell. Ludwig, Kiel 2012, ISBN 978-3-86935-145-2. Beuys Brock Vostell. Aktion Demonstration Partizipation 1949–1983. (Hrsg.): Peter Weibel, ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Hatje Cantz, Karlsruhe, 2014, ISBN 978-3-7757-3864-4.

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Einzelnachweise

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