Solo (NYC) 2002 ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die am 24. Mai 2002 live im Ethical Cultural Center in New York City entstandenen Aufnahmen erschienen im selben Jahr auf dem Label Parallactic und wurden als Download 2013 auf Braxtons Eigenlabel New Braxton House wiederveröffentlicht.

Hintergrund Braxtons Auftritt im Ethical Cultural Center im Mai 2002 war sein erstes Solokonzert in New York seit langer Zeit. Für das Repertoire griff er auf vier seiner Bücher mit Solokompositionen zurück und fügte einige Standards wie „Body and Soul“ hinzu. Die neueste dargebotene Reihe seiner Kompositionen trägt die Katalognummer 312 (A–F).

Titelliste Anthony Braxton: Solo (NYC) 2002 (Parallactic Recordings – Parallactic 53; New Braxton House) CD 1 No. 312a 6:59 No. 191h 4:53 No. 312b 4:21 No. 312c 6:47 Tune Up (Miles Davis) 7:04 No. 312d 6:17 Peace (Ornette Coleman) 8:25 No. 312f 5:24

CD 2 Body and Soul (Johnny Green) 10:39 No. 26b 8:43 No. 26f 5:15 No. 77h 4:55 No. 312e 4:37 No. 77g 5:53 No. 191g 3:15

Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Anthony Braxton.

Rezeption Betrachte man sein Solowerk, lasse sich ein steiler Abstieg nachzeichnen, meint Brian Olewnick (Squid’s Ear). Von den erstaunlichen Höhenflügen mit For Alto von 1968 (angeblich die erste kommerzielle Aufnahme eines Solo-Saxophons überhaupt) über die Reihe hervorragender Alben der frühen 1970er-Jahre (Saxophone Improvisations Series F und Solo: Live at Moers Festival) bis hin zu den zwar unterhaltsamen, aber weniger brillanten Aufnahmen auf einer Doppel-LP von Arista (Alto Saxophone Improvisations 1979) und den nachfolgenden Veröffentlichungen bei hatArt und New Albion (19 (Solo) Compositions, 1988), wobei vielleicht das gelungene Impetus-Set (Solo (London) 1988) einen kleinen Bonus darstelle. Obwohl [zur Zeit der Besprechung] seine Ensemblekompositionen nach wie vor unerwartete Höhepunkte und Schönheit böten (Composition N. 247, 2001), beschlich den Autor das Gefühl, dass die von ihm für Altsaxophon solo entwickelte Language Music als musikalische Ausdrucksform ihren Höhepunkt weitgehend überschritten habe. mini|Anthony Braxton (1984) Die neueste Reihe Braxtons, Nr. 312 (A–F) klinge nach reinen Improvisationen (anders als frühere Reihen, in denen sich jedes Stück, obwohl improvisiert, oft mit einem recht engen, wenn auch intensiv erforschten, Klangbereich befasse). Braxton sei [aber auch] schon immer ein Meister der balladenhaften Solostücke gewesen, und auch hier, etwa in 312A und 312C, würde seine klagende Lyrik den Werken eine tiefe, anmutige Schönheit verleihen, wenngleich sie, das müsse man sagen, ein oder zwei Stufen unter einigen früheren Beispielen in diesem Bereich liege. Dieses Niveau blitze tatsächlich nur in seiner Interpretation von Ornette Colemans „Peace“ auf, wo die Melodik von einem Drängen des Ausdrucks begleitet werde, die an seine jugendlichen Erfolge erinnere. „Body and Soul“ sei etwas weniger gelungen; keineswegs „schlecht“, sondern einfach sehr typisch für Braxtons Schaffen der vorangegangenen gut 30 Jahre. Die Kompositionen 26B und 26F erschienen erstmals auf dem wunderbaren Album „Saxophone Improvisations, Series F“. Das erstgenannte Stück behalte immer noch „diese bissige und zugleich belebende Schärfe, mit der Phrasen zerkaut und gnadenlos wieder ausgespuckt werden – es könne wohl der Höhepunkt des gesamten Sets bezeichnet werden. Dennoch … es sei eher eine Wiederholung, eine Art „Best-of“, als ein erneuter Angriff auf ein noch nicht vollständig gelöstes Problem“ „26F“ entwickele sich, anders als wohl in früheren Interpretationen, zu einem seltsamen, mal trällernden, mal lärmenden Marsch, der aber keine bleibende Wirkung hinterlasse.

Wie schon beim Konzert schwankt der Rezensent [beim Beurteilen des Albums] „zwischen einer Wertschätzung, die teils auf Nostalgie, teils auf tiefem Respekt und Anerkennung für Braxtons herausragende Leistungen der Vergangenheit beruht, und dem unangenehmen Gefühl, dass er an diesem Abend in diesem Kontext eigentlich nicht viel zu sagen hatte“. In früheren Zeit gab es zahlreiche gute, faszinierende Gründe für ein Solokonzert; Braxton habe viele dieser Herausforderungen gelöst und sei im Großen und Ganzen darüber hinausgewachsen. „Ihm dabei zuzuhören, wie er auf diese Probleme zurückkommt und sie löst, hat sicherlich seinen Reiz-“ Auch seien Alben wie dieses keineswegs der schlechteste Einstieg für Neulinge in seine Klangwelt. „Aber ich vermisse die Zeit, als jede neue Braxton-Aufnahme oder jedes Konzert einen oder zwei Einblicke in bis dato unbekannte Klangwelten versprach“, so Olewnicks Resümee.

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Einzelnachweise

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