Der Westeuropapokal im Eishockey, in der Berichterstattung der Zeit, teilweise auch durch die veranstaltenden Verbände bezeichnet als Westeuropacup, Nordwesteuropapokal oder Lippens-Cup – benannt nach dem die Trophäe stiftenden Eishockey-Enthusiasten und früheren Kapitän der belgischen Luftwaffe Philippe Graf Lippens Hockeyarchives.info: Philippe Lippens – war ein Wettbewerb, der mit zwei Unterbrechungen in 13 Saisons zwischen 1936/37 und 1962/63 ausgetragen und durch die nationalen Verbände der teilnehmenden Mannschaften organisiert wurde. Rekordsieger des Westeuropapokals ist der HHIJC Den Haag.Hockeyweb.de: Der Westeuropapokal: Als Düsseldorf, Krefeld und Köln international ganz oben standen
Geschichte
Der Westeuropapokal wurde erstmals in der Saison 1936/37 ausgetragen, als der nationale Ligenbetrieb in den teilnehmenden Ländern auf recht wenige Vereine mit ebenfalls wenigen Eisstadien beschränkt war. Zudem waren viele Eisflächen zum damaligen Zeitpunkt noch nicht überdacht. Der Westeuropapokal stellte damit eine Möglichkeit dar, die Anzahl der Saisonspiele auf Wettkampfniveau zu erhöhen. In Europa war der Westeuropapokal der erste Wettbewerb, der einen internationalen Spielverkehr im Eishockey unter Pflichtspielbedingungen ermöglichte. Zuvor gab es natürlich bereits viele Vereinsturniere, wie den noch heute bedeutenden, 1923 erstmals ausgespielten Spengler-Cup in Davos oder den seit 1929 existierenden Tatra-Pokal im Gebiet der Hohen Tatra, der heutzutage in Poprad ausgespielt wird.
Die Wettbewerbe in den 1930er-Jahren
In den ersten beiden Saisons des Westeuropapokals kamen die Teilnehmer aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland, die jeweiligen drei Nationalverbände gaben ihre Zustimmung für den Wettbewerb. Gründerväter und erste Mitglieder der Wettkampfkommission waren Martial Van Schelle für Belgien, Werner Rittberger für Deutschland und Herbert Brück für die Niederlande. An den Gesprächen zur Gründung des Wettbewerbs war außerdem Willi Münstermann maßgeblich beteiligt, wie in der Krefelder Stadionzeitung "Der Eissport" in der Ausgabe vom 19. November 1952 nachzulesen ist.
Die ersten Sieger waren Etoile du Nord Brüssel und die Düsseldorfer EG. Doch bereits zur Saison 1938/39 legte der Reichsbund für Leibesübungen den deutschen Vereinen, nicht nur im Eishockey, nahe, auf internationalen Spielverkehr zu verzichten. So gingen in diesem Spieljahr nur Teams aus den Niederlanden und Belgien an den Start. In Folge des 1939 ausgebrochenen 2. Weltkriegs wurden danach zunächst einmal keine weiteren Wettbewerbe veranstaltet.
Die direkte Nachkriegszeit
Bereits zur Saison 1948/49 wurde der Westeuropapokal wiederbelebt. Die teilnehmenden Vereine kamen bis einschließlich zur Saison 1950/51 aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Da viele Eisstadien in Folge des Krieges schwer beschädigt und gar zerstört waren, fanden einige Spiele, hier vornehmlich in Frankreich, auf Eisflächen statt, die nicht die vorgeschriebenen Maße erreichten, sondern unter normalen Umständen viel zu klein gewesen wären. Zudem konnten in der ersten Nachkriegssaison nicht alle Teilnehmer die volle Zahl ihrer Heimspiele austragen. In der Saison 1948/49 wurden zur Kompensation einige Begegnungen sogar drei-, statt nur zweimal (also statt des üblichen Hin- und Rückspiels) ausgetragen. So ergaben sich in vielen Spielzeiten „schiefe Tabellen“, also Abschlusstabellen, in denen die teilnehmenden Teams nicht die gleiche Anzahl von Spielen bestritten hatten.
In der Saison 1950/51 nahm erstmals wieder eine Mannschaft aus Deutschland teil – allerdings kein deutscher Verein. Zu dem Feld der zehn Teams zählte eine US-Air-Force-Mannschaft, die in Garmisch stationiert war. Die Soldatenmannschaft bestritt allerdings nur vier Auswärtsspiele, ehe sie sich aus Spielermangel wieder aus dem Wettbewerb zurückzog. In der gleichen Saison trat die Düsseldorfer EG zu einem Freundschaftsspiel beim Westeuropapokal-Teilnehmer TYSC Tilburg an, was zur friedlichen Völkerverständigung durch den Sport wenige Jahre nach Kriegsende beigetragen hat.Online-Zeitungsarchiv Delpher.nl, Artikel: Ook in Nederland is het ijs gebrokenSportgeschiedenis.nl: Nederlands-Duitse verbroedering op Tilburgs ijs in 1951
In der Saison 1951/52 kehrten die Düsseldorfer EG und der Krefelder EV in den Wettbewerb zurück, während die schwierige Lage mit den Eisbahnen in Belgien und Frankreich dafür sorgte, dass von dort keine Teilnehmer gestellt werden konnten. Kurios wurde es am Saisonende. Der HHIJC Den Haag schloss den Wettbewerb punktgleich vor dem KEV als Sieger ab, da die Niederländer bei unentschiedenem direkten Vergleich das um ein Treffer bessere Torverhältnis vorweisen konnten. Allerdings kam das nur zustande, weil Den Haags Niederlage gegen Amsterdam (2:3) in einen 5:0-Sieg umgewertet wurde, da Amsterdam zu viele ausländische Spieler eingesetzt hatte. So wurde Den Haag zwar offiziell Sieger, J.A.C. Bierenbroodspot, der Vorsitzende des niederländischen Eishockey-Verbandes, übergab die Trophäe aber an den KEV, der im Folgejahr schließlich auch ganz offiziell Westeuropapokalsieger wurde.
1952/53 wurde während der Saison der heute vor allem durch Feld- und Hallenhockey bekannte Harvestehuder THC aus Hamburg nachträglich in den Wettbewerb aufgenommen, absolvierte aber nur fünf Spiele, die nicht in die Abschlusstabelle eingingen. Ein Jahr später nahm erstmals der VfL Bad Nauheim, noch ein weiteres Jahr später der Berliner Schlittschuh-Club erstmals teil, der aber aufgrund von Problemen mit dem Hallenbetreiber nur zwei seiner sechs Saisonspiele bestreiten konnte.
Die vorerst letzte Austragung des Westeuropapokals gab es 1955/56. Nachdem mehrere Spiele nicht ausgetragen werden konnten, stand letztlich der von 1954 bis 1957 existierende EHC Düsseldorf an der Spitze, knapp vor der kanadischen Soldatenmannschaft Royal Canadian Air Force Flyers aus Zweibrücken. Der EHC Düsseldorf wurde im gleichen Jahr mit praktisch der identischen Mannschaft Deutscher Eishockey-Meister der Junioren.
Wiederbelebung 1961 und Ende des Wettbewerbs
Zur Saison 1961/62 gab es den Versuch, den Westeuropapokal neu zu beleben. Insgesamt zehn Mannschaften spielten in zwei Leistungsgruppen. Dazu gab es offizielle Freundschaftsspiele als Teil des Westeuropapokals gegen Mannschaften, die außer Konkurrenz spielten. So gab es zum ersten und einzigen Mal zwei Sieger in einer Saison: den HHIJC Den Haag und den Kölner EK. Doch bereits 1962/63 nahmen nur noch vier Mannschaften teil, davon drei aus Deutschland, sodass der Westeuropapokal eingestellt wurde.
1965 rief die IIHF schließlich den regulären Eishockey-Europapokal ins Leben.
Siegerliste
Einzelnachweise
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