mini|Fortunio Liceti, Holzschnitt von Giovanni Battista Coriolano Fortunio Liceti (; * 3. Oktober 1577 in Rapallo; † 17. Mai 1657 in Padua) war ein italienischer Philosoph, Arzt und Wissenschaftler, Schüler und Nachfolger von Cesare Cremonini.

Leben Fortunio Liceti wurde am 3. Oktober 1577 als Sohn des Arztes Giuseppe Liceti und von Maria Fini in Rapallo geboren. Er soll als Frühgeburt in einem von seinem Vater konstruierten primitiven Brutkasten überlebt haben, weshalb er Fortunio (der Glückliche) genannt wurde. Nach ersten Studien unter der Anleitung seines Vaters in Genua studierte er von 1595 bis 1599 Philosophie und Medizin an der Universität Bologna, unter anderem bei Giovanni Costeo und Federico Pendasio, nach denen er später seinen erstgeborenen Sohn Giovanni Federico benannte.

Aufgrund der tödlichen Krankheit seines Vaters kehrte Liceti im Oktober 1599 nach Genua zurück, wo er am 23. März 1600 den Doktorgrad in Philosophie und Medizin erhielt. Er bezeichnete sich selbst trotz seiner Geburt in Rapallo als einen Genuesen. Im selben Jahr wurde er zum Lektor für Logik an der Universität Pisa ernannt, 1605 wechselte er auf den Lehrstuhl für außerordentliche Philosophie. Ab 1609 lehrte er Philosophie in Padua. Schließlich ging er 1637 nach Bologna zurück, wo er bis 1645 den Lehrstuhl für ordentliche Philosophie innehatte. Am 28. September 1645 wurde er nach Padua zurückgerufen und ihm wurde der damals bedeutendste medizinische Lehrstuhl für theoretische Medizin übertragen.

Liceti starb am 17. Mai 1657 in Padua und wurde in der Kirche Sant’Agostino bestattet. Nach dem Abriss der Kirche 1819 blieb nur noch die Grabplatte mit dem von Liceti selbst verfassten Epitaph erhalten, sie befindet sich heute im Stadtmuseum von Padua.

Werk Liceti ist der letzte bedeutende aristotelische Philosoph von Padua. Sein umfangreiches Werk umfasst sämtliche Bereiche der Naturphilosophie. Er stellte zu jedem behandelten Thema sorgfältig die verschiedenen Interpretationslinien der aristotelischen Tradition dar, nutzte den überlieferten begrifflichen Rahmen aber auch, um eigenständige und innovative Theorien zu entwickeln.

Hinsichtlich der Spontanzeugung analysierte Liceti den Begriff der Substanzform spontan entstandener Lebewesen. Diese betrachtete er als materielle Strukturen, die in unbelebten Dingen bereits in rudimentärer Weise vorhanden seien und durch Vervollständigung aus anderen bereits vorhandenen materiellen Strukturen hervorgingen. Damit verstand er die Substanzformen im Gegensatz zur allgemein vorherrschenden Meinung als materiell und zusammengesetzt.

In der Seelenlehre, nach der die Seele aus drei Teilen besteht, nämlich der vegetativen (für Lebensfunktionen zuständigen), der sensitiven (für Sinneswahrnehmungen zuständigen) und der intellektiven (für die Vernunft zuständigen) Seele, vertrat er eigene und neue Ansichten. Seiner Meinung nach waren die vegetative und sensitive Seele materiell und sterblich, die intellektive hingegen immateriell, unsterblich, unteilbar, aber dennoch ausgedehnt, nämlich koextensiv (d. h. mitausgedehnt) zu den anderen Seelenteilen. Anders als Aristoteles nahm er neben dem männlichen auch einen weiblichen Samen an und sah darin den Weg der vegetativen Seele.

Sehr bekannt ist Licetis Werk über Missbildungen „De monstrorum causis, natura et differentiis“, das zuerst 1616 und 1634 in einer erweiterten Ausgabe mit Illustrationen von Giovanni Battista Bissoni erschien. Während man derartige Missbildungen zu seiner Zeit für göttliche Strafen hielt, etwa weil die Frau einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sei, gibt Liceti eine systematische Aufstellung der bekannten (und teilweise auch fiktionalen) Missbildungen und diskutiert natürliche Ursachen wie etwa ein schwacher Samen oder ein beengter Uterus. Insbesondere durch die Verbreitung der zweiten Ausgabe brachte Liceti das Thema der Missbildungen, das bislang in Legenden und Aberglauben beheimatet war, in einen wissenschaftlichen Diskurs.

In der Astronomie verteidigte er ein geozentrisches Weltbild. Nach dem Auftreten des Kometen des Jahres 1618 veröffentlichte er eine Reihe von Schriften, die die aristotelische Ansicht verteidigte, wonach ein Komet eine Erscheinung der oberen Himmelsatmosphäre sei, und es kam zu Streitschriften mit Giovanni Camillo Gloriosi, der zu der Zeit als Nachfolger von Galileo Galilei ebenfalls in Padua lehrte. Eine weitere, aber weit freundlicher verlaufende, astronomische Auseinandersetzung lieferte er sich von 1640 bis 1642 mit Galilei über die Frage, woher das Licht des schwach aschgrau erscheinenden, dunklen Teils des Mondes jenseits der hell leuchtenden Mondsichel stamme. Während Galilei die heute gültige Ansicht vertrat, es handele sich um das von der Erde auf den Mond reflektierte Sonnenlicht, war Liceti der Meinung, der Mond bewahre etwas Licht aus den Phasen der Sonnenbeleuchtung und gebe dies allmählich wieder ab, wie es auch bei den von Vincentio Casciorolo entdeckten Bologneser Leuchtsteinen beobachtet werden kann (diese Steine zeigen Phosphoreszenz).

Liceti korrespondierte mit zahlreichen Wissenschaftlern seiner Zeit, darunter Leone Allacci, Angelico Aprosio, Jean Chapelain, Cassiano Dal Pozzo, Johannes Wesling, Thomas Bartholin, Marco Aurelio Severino, Giovanni Battista Hodierna, Gabriel Naudé, Guy Patin, Nicolas-Claude Fabri de Peiresc, Pierre Gassendi, Nikolaes Heinsius und Athanasius Kircher. Eine besonders umfangreiche Korrespondenz führte er mit Galileo Galilei, mit dem er fast ein Jahr lang zeitgleich an der Universität von Padua gelehrt hatte; man weiß von dreiunddreißig Briefen von Liceti und zwölf von Galilei. mini|Eine Illustration siamesischer Zwillinge aus De Monstrorum ... mini|Fortuni Liceti: De regulari motu minimaque parallaxi cometarum caelestium disputationes mini|Fortunio Liceti: Hieroglyphica, sive antiqua schemata gemmarum anularium Die folgende chronologische Übersicht über Licetis Bücher nennt, wenn sinnvoll, den behandelten Themenkreis und zeigt so Licetis Vielseitigkeit:

Ehrungen Am 10. April 1619 wurde Liceti in die Akademie der Ricovrati von Padua, die heutige Galilei-Akademie der Wissenschaften und Künste, aufgenommen. Die Stadt Padua ließ 1777 im Prato della Valle eine Marmorstatue Licetis errichten, gefertigt von Francesco Rizzi. Im Jahre 1935 benannte die Internationale Astronomische Union den Mondkrater Licetus offiziell nach Fortunio Liceti. Die 1972 gegründete weiterführende Schule Istituto Istruzione Superiore Sttle “Fortunio Liceti” in Rapallo ist nach Liceti benannt.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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