mini|Erste Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder 1974 in Erfurt Die Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder war eine seit 1974 alle vier Jahre in Erfurt stattfindende Kunstausstellung der DDR, die nach der deutschen Wiedervereinigung als Configura weitergeführt wurde.

Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder Die erste Quadriennale wurde 1974 vom Ministerium für Kultur und dem Verband Bildender Künstler der DDR in Erfurt ins Leben gerufen, um zeitgenössisches Kunsthandwerk und dekorative Künste der sozialistischen Bruderländer zu präsentieren. Sie etablierte sich schnell als führende Fachausstellung, wobei zunächst der „Gebrauchswert“ der Exponate gegenüber der „Ästhetik“ ein größerer Stellenwert beigemessen wurde.Rose-Maria Gropp: Requiem in der Höhle des Löwen, FAZ vom 15. Juli 1991 Andererseits waren, inspiriert besonders von künstlerischen Einflüssen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein,Christine Keich: Eine Rückschau auf die Kunst der DDR in: Galerie am Fischmarkt (Hrsg.): Configura 1 – Kunst in Europa, Selbstverlag, Erfurt 1991 S. 293 ff. auch schon Tendenzen zu erkennen, traditionelle Abgrenzungen zu überwinden, was in späteren Quadriennalen verstärkt wurde und sich bei der Configura 1 zum Kernthema entwickelte. Im Vierjahres-Rhythmus fokussierte sich die Schau auf angewandte Kunst, Design und Kunsthandwerk aus Bereichen wie Keramik, Glas, Porzellan, Holz und Textil. Begleitet wurde sie mit der Verleihung von diversen Kunstpreisen und Sonderausstellungen.

Vorbereitet wurden die Ausstellungen jeweils von einem Internationalen Komitee mit namhaften Künstlern, Kunstwissenschaftlern und Kulturfunktionären aus der UdSSR, Polen, der CSSR, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, der Mongolischen Volksrepublik, Kuba und der DDR. Die Ausstellungen fanden in Hallen auf dem Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA, heute EGA) statt und hatten einen Leistungs- und Wettbewerbscharakter, wozu auch die nationale Trennung der Ausstellungsobjekte als jeweils geschlossener nationaler Beitrag beitrug.Renate Goldmann: Configura 1, Thüringer Tageblatt vom 20. April 1991 Bereits bei der zweiten Ausstellung 1978 besuchten 420.000 Besucher die Schau von rund 1900 Arbeiten der 500 Künstler aus zehn Ländern. Eine internationale Jury von Vertretern aller ausstellenden Länder wählte in Erfurt jeweils die Preisträger aus.

Die Ausstellungen unterschieden sich insofern von anderen Kunstausstellungen des Ostblocks und speziell der DDR, als die Quadriennale mit ihrer Schwerpunktsetzung auf das Kunsthandwerk ideologisch weniger fixiert war, und sich die Künstler in dieser Nische freier entfalten konntenElke Eich: Unbändige Lust am Eigenwillen, Die Rheinpfalz vom 13. Juli 1991: Ein „Refugium der alten Einheitsgesellschaft, das einen Hauch von Individualität zuließ, ohne die künstlerischer Auseinandersetzung mit der politischen Wirklichkeit zu riskieren.“Johann Michael Möller: Thüringisch – Hoffnung für die Kultur, FAZ vom 15. Juli 1991 Bei der DEFA entstand 1976 über die erste Ausgabe der Quadriennale der Dokumentarfilm Gedanken zur Quadriennale unter der Regie von Richard Cohn-Vossen.

Configura

Configura 1 Turnusgemäß hätte 1990 die Quadriennale wieder stattfinden sollen. Entsprechende Vorarbeiten waren auch schon getätigt worden. Die deutsche Wiedervereinigung ließ dies nicht mehr zu. Nicht nur, dass sich die bisherigen Träger in Auflösung befanden, auch das bisherige ideologisch geprägte Konzept konnte und sollte nun völlig umgestaltet werden. Gleichwohl gelang es schon im Sommer 1991 an gleicher Stelle auf der IGA in Erfurt in sieben Ausstellungshallen und nunmehr unter Beteiligung auch des Westens mit der Configura 1, eine Nachfolgeausstellung zu präsentieren, der 1995 eine zweite Auflage folgte.

Der Name Configura ist ein Kunstwort: configo = ich füge zusammen, als Hinweis, dass es die bisherigen Grenzziehungen zwischen Kunst und Handwerk zu überwinden galt.Uwe Schierz: Überschreiten von Grenzen und Zusammenfügen der Dinge, Thüringer Allgemeine vom 3. Juli 1991

Zwar wurde der Grundgedanke der Quadriennale fortgeführtAndre Horstmann: Die Erotik der Kaffekanne, Neue Zeit vom 5. Juli 1991 und mit der IGA blieb auch der Ausstellungsort zunächst gleich, aber die Konzeption änderte sich: Es wurde nunmehr eine europäische Triennale angestrebt und Teilnehmer aus dem westlichen Ausland waren eingeladen worden. Zudem wurden auch die festen nationale Bindung aufgehoben, um ein einheitliches Niveau zu gewährleistenDirk Schwarze: Kunsthandwerk als Kunst, Hessisch-Niedersächsische Allgemeine vom 14. Juni 1991 und den Schwerpunkt auf die künstlerischen Einzelleistungen zu legen. Trotz geringer Vorbereitungszeit, massiver finanzieller Probleme und Unsicherheit quasi bis zur letzten Minute, gelang es, 270 Künstler aus 22 Ländern mit 450 Arbeiten in den 7 Ausstellungshallen zu präsentieren.

Die Resonanz der Ausstellung blieb mit nur 52.279 BesuchernGalerie am Fischmarkt (Hrsg.): Configura 1 - Fotos, Presse, Statistik, Druckerei Bernecker, Melsungen 1991 S. 91 und einem zwar durchweg sehr positiven aber international begrenztem Medienecho hinter den Erwartungen zurück. So berichtete das ZDF als einziger überregionaler Fernsehsender erst am 29. Juli 1991, also wenige Tage vor Ende der Ausstellung. Der angestrebte „gleiche künstlerische Anspruch wie die Documenta“ blieb zunächst theoretischer Natur.

Configura 2 mini|Begleithefte zur Configura 2 in Erfurt 1995 Richtete man die Configura 1 noch am „Schnittpunkt von freier und angewandter Kunst“Rolf Kober: Erfurt zeigt Kunst in und aus Europa Berliner Morgenpost vom 11. Juli 1991 aus, so war davon bei der Configura 2 mit dem programmatischen Zusatz: „Dialog der Kulturen“ nur noch wenig zu spüren. Die Kuratoren wählten über 100 Künstler aus Ägypten, China, Brasilien, Griechenland, Indien, Mexiko, Nigeria, Russland und aus den Vereinigten Staaten aus, die sich in ihren Arbeiten mit existentiellen Themen auseinandersetzen. Themenbereiche, wie „Der gedeckte Tisch“, „Magie der Dinge“ oder „Das Bild vom Menschen“, sollten verdeutlichen, dass die Fragen, so einfach und so universell sie seien, an jedem Ort anders beantwortet werden. Die Ausstellung wurde vom ursprünglichen Parkgelände (EGA) in die Innenstadt verlegt: Angermuseum, Galerie am Fischmarkt, Kulturhof „Zum Güldenen Krönbacken“, Barfüßerkirche und Felsenkeller. Die Konzeption war nicht mehr so stringent, wie man dies nach der Configura 1 noch erhofft hatte. Rose-Maria Gropp 1991 in der FAZ: „Man sollte den Vergleich (mit der Documenta) nicht überstrapazieren. Die Configura kann ihr eigenes Gesicht weiter formen.“ Auch Beatrix Nobis hatte vorausschauend schon 1991 befürchtet: „Die Chance, sich wie einst das Bauhaus oder die Ulmer Hochschule, mit durchdachter Formsprache dem Bewusstsein der Menschen anzuempfehlen, wird vorerst zugunsten hochtrabender Visionen vertan.“Beatrix Nobis: Fliegender Wechsel aufs Veriko, Süddeutsche Zeitung vom 13. Juli 1991

Auswahl ausstellender Künstler in den Quadriennalen des Kunsthandwerks und der Configura (Beschränkung auf jene mit eigenem deutschen Wikipedia-Eintrag): Farnese de Andrade, Lüder Baier, Hartmut Bechmann, Edith Beckmann, Christine Beier, Christina Brade, Hans Brockhage, Wilhelm Brückner, Peter Fiedler, Gerhild Freese, Rudolf Hantschel, Wilfried Heider, Renate Heintze, Jörg-Tilmann Hinz, Johann-Peter Hinz, Regina Junge, Monika Kaden, Volker Knauf, Hubert Koch, Cornelia Leidolph, Friedemann Lenk, Waltraud Lippold, Ute Lohse, Astrid Lucke, Gerd Lucke, Alexei Alexandrowitsch Maximow, Irmtraud Ohme, Harald Otto, Renate Precht, Volkhard Precht, Hartmut Renner, Reginald Richter, Karin Riebensahm, Marielies Riebesel, Christian Roehl, Albin Schaedel, Wolfgang Schlüter, Rainer Schumann, Walter Schwarz, Manfred Stenzel, Dimitris Tzamouranis, Monika Winkler, Ulli Wittich-Großkurth Literatur (Auswahl)

Herbert Schönemann, Siegfried Kraft, Heinz Hirschmann: 1. Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder, DEWAG, Erfurt 1974 Ministerium für Kultur und Verband Bildender Künstler der DDR (Hrsg.): II. Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder Selbstverlag, Erfurt 1978 Ministerium für Kultur und Verband Bildender Künstler der DDR (Hrsg.): III Quadriennale des Kunsthandwerks Sozialistischer Länder, Selbstverlag Erfurt 1982 Bornmann: IV. Quadriennale des Kunsthandwerks Sozialistischer Länder. 14. Juni – 20. Juli 1986. iga Erfurt Halle 1–6. Galerie am Fischmarkt, Erfurt 1986 Configura Projekt (Hrsg.), Heide Böhm (Red.): Configura 2 – Band 2 – Die Frage – 40 Antworten, Erfurt 1995 Configura Projekt (Hrsg.), Klaus Honnef (Red.): Configura 2 – Band 3 – Crash der Kulturen, Erfurt 1995 Configura Projekt (Hrsg.), Peter Möller, Heide Böhm (Red.): Configura 2 – Band 4 – Dialog der Kulturen, Texte und Bilder zur Ausstellung Erfurt 1995

Einzelnachweise

Kategorie:Kunstausstellung in Deutschland Kategorie:Veranstaltung in Erfurt Kategorie:Veranstaltung (Zeitgenössische Kunst) Kategorie:Kunsthandwerk