Désiré Pâque (vollständiger Name: Marie-Joseph-Léon-Désiré Pâque; * 21. Mai 1867 in Lüttich; † 20. November 1939 in Bessancourt) war ein belgischer (ab 1927 französischer) Komponist, Pianist, Organist, Orchesterchef und Pädagoge.
Leben Désiré Pâque studierte als Stipendiat von 1882 bis 1889 am Königlichen Konservatorium in Lüttich, unter anderen bei Sylvain Dupuis Harmonielehre und bei Louis Donis Klavier; er erhielt erste Preise für Orgel, Klavier und Harmonielehre. Er wurde zum Professor für Musiktheorie ernannt und blieb bis 1897 in Lüttich.
1889 wurde er Assistenzlehrer für Solfège (= Tonlehre für die Gehörbildung). Während dieser Zeit begann er mit ersten Kompositionen (op. 1–6). Ab 1897 reiste er 20 Jahre lang durch Europa: er versuchte erfolglos, in Sofia ein Konservatorium zu gründen, studierte lokale Musiktraditionen und lehrte von 1900 bis 1902 Klavier und Komposition am Athener Konservatorium und leitete die Orchester-Konzerte des Instituts.
Von 1906 bis 1909 unterrichtete er Orgel in Lissabon. Er verbrachte von 1909 an vier Jahre in Hamburg, Bremen, Rostock und Berlin und wurde immer bekannter. Simrock veröffentlichte ca. zehn seiner Werke und zahlte ihm als Hauskomponisten ein jährliches Honorar.
Er war der erste Lehrer des Komponisten Luís de Freitas Branco und wurde in Lissabon zum Hofkapellmeister. Ab 1912 lebte er in Genf.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs zog er im Mai 1914 nach Paris und blieb dort, trotz eines Angebots von Simrock, nach Berlin zurückzukehren. In Frankreich lebte er von Privatunterricht und spielte die Orgel in Saint-Louis d’Antin. Im Jahr 1927 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. Er schuf bis zu seinem Tod im Jahr 1939 ca. ein Viertel seiner Werke, zog sich aber als Person immer weiter zurück.
Werk Nach anfänglich traditionelleren Werken wurde er 1909 mit der Schönbergschen Atonalität durch seinen Freund Ferruccio Busoni konfrontiert. Er entwickelte daraufhin einen eigenen Musikstil, der sich ab 1910 in der Orgelsinfonie op. 67 zeigte.
Nach eigenen Aussagen versuchte er, eine „thematische Einheit“ zu bewahren, da das „ständige Hinzufügen neuer musikalischer Elemente als Mittel zur Entwicklung eines musikalischen Werks“ nicht passend sei. Er wolle lieber Motive vervielfachen und nicht alles zerlegen, weil die Musik dadurch verfälscht werde.
Das „Trio Spilliaert“ spielte einige seiner Werke ein und würdigt den Musiker wegen seiner äußerst individuellen Musiksprache, bei dem kein einzelnes starres System erkennbar sei, sondern hochkomplexe Strukturen und intensives Temperament.
Das Werk von Désiré Pâque ist größtenteils unveröffentlicht, und es gibt nur wenige Aufnahmen. Belgische Musikwissenschaftler wünschen sich die Wiederaufnahme der Werke Pâques.
Werkliste (Auswahl) Musik für Soloinstrumente Klavier 5 Morceaux, op. 2 4 Morceaux, op. 3 Suite, op. 9 Effusions lyriques I, op. 12 (1890–1893) Scherzo, op. 15 3 Etüden, op. 29 Chants intimes, op. 36 Impromptu op. 49 Effusions lyriques II, op. 55 Effusions lyriques III, op. 56 6 Stücke, op. 59 Sonate n° 1, op. 68 Sonate n° 2, op. 69 Sonate n° 3, op. 70 Sonate n° 4, op. 78 Effusions lyriques IV, op. 79 Effusions lyriques V, op. 81 Effusions lyriques VI, op. 84 Effusions lyriques VII, op. 91 7 Préludes, op. 99 3 Préludes, op. 100 3 Préludes, op. 101 Effusions lyriques VIII, op. 104 10 Pièces atonales pour la jeunesse, op. 106 Effusions lyriques IX, op. 116 Sonate n° 5, op. 117 Effusions lyriques X, op. 123 Effusions lyriques XI, op. 133 Effusions lyriques XII, op. 142
Orgel 10 Orgelstücke, op. 57 Symphonie n° 1, op. 67 Sechs kleine Preludien, op. 77 für Orgel oder Harmonium (1912) Allegretto, op. 80 (1913) 5 Stücke, op. 88 2 Stücke, op. 112
Kammermusik Geige und Klavier Sonate n° 1, op. 7 Sonate n° 2, op. 32 Adagio sostenuto, op. 39 Sonate n° 3, op. 43 Preludium und Adagio, op. 118 Sonate n° 4, op. 126
Klaviertrios Trio n° 1, op. 46 Trio n° 2, op. 98 Trio n° 3, op. 115 Suite n° 1 für Klavier, Geige und Bratsche, op. 17 (1891) Suite n° 2 für Klavier, Geige und Bratsche, op. 20 (1892) Suite n° 3 für Klavier, Geige und Bratsche, op. 26 (1893) Suite n° 4 für Klavier, Geige und Bratsche, op. 27 (1893) Suite n° 5 für Klavier, Geige und Bratsche, op. 34 (1896)
Streichquartette Quartett n° 1, op. 23 Quartett n° 2, op. 30 Quartett n° 3, op. 37 Quartett n° 4, op. 38 Quartett n° 5, op. 44 Quartett n° 6, op. 90 Quartett n° 7, op. 96 Quartett n° 8, op. 122 Quartett n° 9, op. 138 Quartett n° 10, op. 144 Bagatellen, op. 139 Caprices-études, op. 107
Quartette mit Klavier Quartett, op. 58 Kleine Suite für Klavier, Flöte, Oboe und Klarinette, op. 40
Quintette mit Klavier Quintett, op. 35 Quintett, op. 102 Quintett, op. 141
Andere Werke Suite de deux pièces (Romance et Allegro Scherzando) für Bratsche und Klavier, op. 24 (1892); veröffentlicht als „op. 49“ Streichsextett, op. 61 Sonate für Bratsche und Klavier, op. 85 (1915) Lento cantabile für Cello und Klavier, op. 89 Sechs Stücke für zwei Geigen, op. 124 3 kurze Stücke, op. 141
Orchestermusik Orchester Chants populaires, op. 25 Sinfonie n° 1, op. 33 Sinfonie n° 2, op. 52 Sinfonie n° 3, op. 76 Sinfonie n° 4, op. 86 Sinfonie n° 5, op. 95 (mit Orgel und Chor) Sinfonie n° 6, op. 109 Sinfonie n° 7, op. 125 Sinfonie n° 8, op. 129
Klavierkonzerte Konzert für Klavier und Orchester, op. 4 Konzert für Klavier und Orchester, op. 127 Konzert für Klavier und Orchester, op. 28 Konzert für Klavier und Orchester, op. 63
Vokalmusik Weltlich Melodien 3 Melodien, op. 13 5 Volkslieder, op. 25 7 Melodien, op. 48 7 Melodien, op. 71 Lieder einer Mutter, op. 87
Chöre 3 Frühlingsgesänge, op. 50 3 Chöre ohne Worte, op. 103 2 kleine Quartette, op. 120
Bühnenwerke Vaima, op. 47 (opéra) Die Jungfrau von Orleans, op. 65 (musique de scène)
Kirchlich Requiem, op. 41 Messe brève, op. 114 Messe chromatique, op. 119 Messe brève, op. 143
Diskographie Trio Spilliaert: Desire Pâque. Klaviertrios auf CD. Klaviertrios op. 46 Nr. 1, op. 98 Nr. 2, op. 115 Nr. 3; Adagio sostenuto für Violine & Klavier op. 39. Lento cantabile für Cello & Klavier op. 89. 2021, EAN 541-2-2170-8609-1. (CD) Diane Andersen: Désiré Paque. Koch Schwann 1994, 3-1719-2 (CD). Théâtre Royal De La Monnaieré: Pâque, Quatuor À Cordes – Streichquartette (String Quartets Nos. 2, 5 and 7). Koch Schwann 1993, 3-1378-2. (CD)
Einzelnachweise
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