mini|Kupferstich aus den Porträts der Familie Barbarigo Numismata vivorum illustrium ex gente Barbadica. BNF Gallica Robert van Audenaerde (* 30. September 1663 in Gent; † 3. Juni 1743 ebenda), auch Auden Aerd, Auden Aert oder Oudenaerde genannt. Er hieß eigentlich van Audenaertd, wurde aber oftmals fälschlich als van Audenaerde bezeichnet.Audenaerdt (Robert van). In: Marcus van Vaernewyck: De historie van Belgis. 1. Buch, Gent 1829, S. 6–7 (niederländisch, dbnl.org). Er war ein niederländisch-flämischer Maler, Kupferstecher und Radierer. Er verbrachte den Großteil seines Schaffens im Umfeld von Carlo Maratta in Rom.

Leben Robert van Audenaerde wurde von seinem Vater, einem Sprachwissenschaftler, in Latein unterwiesen und erhielt seine erste künstlerische Ausbildung bei Frans Cuyck van Myerop, sowie bei Jan van Cleve. 1685 unternahm er eine Reise nach Italien, auf der er mehrere Städte besuchte und sich mit verschiedenen Malschulen auseinandersetzte. Schließlich ließ er sich in Rom nieder, wo seine Anwesenheit für das Jahr 1689 archivalisch sowie durch Grafiken vom Ufer des Tiber belegt ist. In Rom arbeitete er im Atelier Carlo Marattas und orientierte sich in seinem Schaffen vorwiegend an dessen Werken.

Laut einer zeitgenössischen Aufzeichnung, einem Brief des Père S. Resta, Superior der Philippiner von Rom, an Giuseppe Ghezzi, Sekretär der Accademia di San Luca, schätzte Maratta die künstlerischen Fähigkeiten Audenaerdes sehr und stellte dessen überwiegend reproduzierende grafische Arbeiten den eigenen Entwürfen gleich. Nach Marattas Tod im Jahr 1713 erhielt Audenaerde von Kardinal Giovanni Francesco Barbarigo den Auftrag, ein genealogisches Werk über dessen Vorfahren zu erstellen (Épithalame généalogique). 1723 kehrte er nach Gent zurück und setzte diese Arbeit dort fort. Im Jahr 1732 erschien in Padua eine von ihm bearbeitete Sammlung von 160 Blättern unter dem Titel Numismata virorum illustrium ex Barbadica gente. Robert van Audenaerde starb 1743 in Gent und wurde in der Kirche St. Bavo beigesetzt.

Werk

Grafisches Werk mini|Robert van Audenaerde, nach Carlo Maratta, Omnia Vincit Amor (Apollo and Daphne), 1728. National Gallery of Art, Washington D.C. Aus der römischen Zeit Audenaerdes ist ausschließlich grafisches Werk überliefert; Gemälde aus dieser Periode sind nicht bekannt. Zu seinen wichtigsten druckgrafischen Arbeiten zählen die Serie Triomphes de César (1692) nach Andrea Mantegna sowie 20 Blätter zur Raccolta di statue antiche e moderne con le spiegazioni di Paolo Alessandro Maffei (1704). Insgesamt schuf Audenaerde etwa 300 grafische Blätter, überwiegend nach Vorlagen Carlo Marattas, daneben auch nach Werken von Domenichino, Annibale Carracci, Pietro da Cortona und Andrea Mantegna. Der größte Teil seines Œuvres besteht aus Blättern, die Maratta ihm nach eigenen Zeichnungen und Gemälden ausführen ließ.

Zu seinen als qualitätvoll beschriebenen Blättern zählen laut Thieme-Becker Die Geburt der Maria und Der Tod der Maria. Als herausragend werden zudem Das Martyrium des heiligen Blasius und Die Rosenkranzverteilung bezeichnet. Seine Radierweise wird als an Marattas skizzenhafte, malerisch wirkende Manier angelehnt beschrieben; seine Kupferstiche gelten als vergleichsweise weich, jedoch kraftvoll ausgeführt. Vereinzelt orientierte er sich an der viereckigen Kreuzschraffur Cornelis Bloemaerts, die er mit vorbereitender Ätzung kombinierte.

Malerei Erst nach seiner Rückkehr nach Gent widmete sich Audenaerde verstärkt der Malerei, insbesondere Porträts, Gruppenbildern und religiösen Themen. Belegte Werke sind:

Portrait collectif des membres de la gilde de l’Assomption (1724/25) Martyre de Sainte-Catherine, Kirche St. Jacques, Gent Die Mönche der Abtei Baudeloo im Kapitelsaal mit rund 38 dargestellten Personen, Museum Gent Himmelfahrt Mariens, Kirche St. Nikolaus, Gent Christus unter den Schriftgelehrten, Petit Béguinage, Gent

Ein Gruppenbild in der Abtei Byloke in Gent (Museum der Abtei Byloke) wird ebenfalls Audenaerde zugeschrieben. Ein früher ebenfalls Audenaerde zugeschriebenes Gruppenbild der Fleischerzunft (Corporation des Bouchers) gilt inzwischen als Werk seines Lehrers Frans van Cuyck (Mierop).

Literatur

Audenaed, ou Audenaerde, ou Auden-Aert, ou Ouden-Aert (Robert van). In: E. Bénézit – Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Band 1: AA–Betto. Paris 1976, ISBN 2-7000-0149-4, S. 314 (französisch, ). Reginald Howard Wilenski: Flemish Painters 1430–1830. London 1960. Didier Bodart: Les peintres des Pays-Bas méridionaux et de la principauté de Liège à Rome au XVIIe siècle. Band 1, Brüssel/Rom 1970. Edmond de Busscher: Robert van Audenaerde. In: Biographie nationale de Belgique. Band 1, Brüssel 1866, S. 557–560. Dominique Coekelberghs: Les peintres belges à Rome de 1700 à 1830. Brüssel / Rom 1976. Maria Agnese Chiari: I disegni di Robert van Audenaerde. In: Bollettino dei Musei Civici Veneziani. Band 27, 1982, Heft 1–4, S. 69–71.

Weblinks

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Einzelnachweise

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