Die Pictured Rocks National Lakeshore ist ein Schutzgebiet unter Verwaltung des National Park Service auf der Oberen Halbinsel des US-Bundesstaates Michigan. Es erstreckt sich auf rund 69 km Länge am Südufer des Oberen Sees zwischen den Orten Munising und Grand Marais im Alger County und ist geprägt von den namensgebenden, bis zu 60 m hohen Sandsteinklippen, deren charakteristische Farbstreifen durch aus dem Fels sickerndes, mineralhaltiges Grundwasser entstehen. Sie erstrecken sich auf rund 25 km am Ufer des Sees und weisen zahlreiche Kliffhöhlen, Felsentore und Felstürme auf, die im Laufe der Jahrhunderte durch die Erosion geformt wurden. Die National Lakeshore umfasst heute eine Fläche von rund 296 km².

Neben den Felsformationen zählen die Sanddünen Grand Sable Dunes, zahlreiche Wasserfälle, Sandstrände sowie Binnenseen und Feuchtgebiete zu den prägenden Landschaftselementen der Pictured Rocks National Lakeshore. Das Klima und die Ökosysteme des Parks werden maßgeblich vom Oberen See bestimmt, der als weltgrößter Süßwassersee für kühlere Sommer, mildere Winter sowie erhöhte Niederschlags- und Nebelbildung sorgt und einen Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna mit über 900 Pflanzen- und rund 40 Säugetierarten bietet.

Die Region wird seit rund 10.000 Jahren von indigenen Völkern wie den Anishinabe bewohnt und wurde ab dem 17. Jahrhundert von europäischen Entdeckern und Pelzhändlern bereist. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert prägten die Holzwirtschaft und die gefährliche Schifffahrtsroute entlang der Shipwreck Coast die Geschichte der Region; zahlreiche Schiffswracks sind noch heute an der Küste erhalten. Nach jahrzehntelangen Bemühungen um eine Unterschutzstellung wurde die Pictured Rocks National Lakeshore am 15. Oktober 1966 als erste National Lakeshore der Vereinigten Staaten gegründet. Seit 2009 steht mit der Beaver Basin Wilderness zudem ein zentraler Teil des Parks als Wilderness Area unter besonderem Schutz. Heute zählt der Park mit jährlich knapp einer Million Besuchern zu den bedeutendsten Zielen für Wandern, Camping, Wassersport und Naturbeobachtung auf der Oberen Halbinsel Michigans. Geographie

Geographische Lage { "type": "ExternalData", "service": "geoline", "ids": "Q3382575", "properties": { "stroke": "#ff0000", "stroke-width": 2 } } Die Pictured Rocks National Lakeshore liegt vollständig im Alger County nordöstlich des Ortes Munising auf der Oberen Halbinsel Michigans. Die National Lakeshore umfasst eine Gesamtfläche von rund 296 km², erstreckt sich auf einer Länge von rund 69 km am Südufer des Oberen Sees (Lake Superior) und ist maximal 9 km breit. Die namensgebenden Sandsteinklippen erheben sich bis zu 60 m über den Oberen See, die Grand Sable Dunes sind bis zu 120 m hoch und weisen die höchste Reliefenergie des Parks auf. Die Höhenunterschiede reichen von 184 m an den Stränden des Oberen Sees bis zu rund 340 m an der Süd- bzw. Südostgrenze der National Lakeshore. Das Hauptquartier des Parks am Sand Point liegt rund 60 km von Marquette, 170 km von Sault Ste. Marie und 450 km von Michigans Hauptstadt Lansing entfernt.

Der County Highway H-58 führt in Südwest-Nordost-Richtung durch den südlichen Teil der National Lakeshore bzw. unmittelbar außerhalb der Parkgrenzen und bietet Zugang zu den meisten Sehenswürdigkeiten. In die Nähe der Küste kommt der Highway jedoch nur am Miners Castle, am Twelvemile Beach sowie an den Grand Sable Dunes. Munising ist über die Highways M-28 und M-94 erreichbar, nach Grand Marais am Ostende des Parks führt der State Highway M-77.

Unmittelbar westlich der National Lakeshore liegt, außerhalb der Parkgrenzen, die Insel Grand Island, die im Rahmen der separaten Grand Island National Recreation Area unter Schutz steht. Im Südwesten grenzt die National Lakeshore an Teile des Hiawatha National Forest.

Flüsse und Bäche mini|Der Miners River ist der längste und wasserreichste Fluss im Park. Die bräunliche Färbung entstammt den Tanninen im Wasser, die durch die Vegetation im Quellgebiet in den Fluss gelangen. Innerhalb der Pictured Rocks National Lakeshore gibt es zahlreiche Flüsse und Bäche, die aufgrund der Lage der Wasserscheide zwischen dem Oberen See und dem Michigansee meist eher kürzere Fließlängen aufweisen. Die Wasserscheide verläuft in etwa entlang der Südgrenze des Parks, wodurch die nach Norden fließenden Gewässer ein stärkeres Gefälle und schnellere Fließgeschwindigkeiten aufweisen als die deutlich längeren Zuflüsse des Michigansees. Bedingt dadurch finden sich auch zahlreiche Wasserfälle im Park, an denen die Flüsse über erosionsresistente Felsklippen hinabfallen. Die Flüsse führen während der Schneeschmelze im Frühjahr und Frühsommer das meiste Wasser und fallen in den Sommer- und Herbstmonaten teilweise vollständig trocken. Außerdem reagieren sie empfindlich auf Niederschlagsereignisse, sodass die Wasserstände nach einem Starkregen innerhalb kurzer Zeit erheblich steigen können. Bei den Flüssen im Park handelt es sich meist um Schwarzwasserflüsse, die sich durch die bräunlich-gelbe Färbung des Wassers auszeichnen. Diese entsteht durch gelöste Huminsäuren und Tannine, die der Vegetation in den Feuchtgebieten und Mooren im Quellgebiet der Flüsse entstammen.

Der größte und längste Fluss der National Lakeshore ist der Miners River, der außerhalb des Parks im Hiawatha National Forest entspringt und am Miners Beach in den Oberen See mündet. Sein mittlerer Abfluss nahe der Mündung beträgt im Juni durchschnittlich 1,3 m³/s und sinkt im Spätsommer und Herbst auf rund 0,59 m³/s. Der Hurricane River und der Mosquito River haben im Frühling und Frühsommer ähnliche Abflussmengen, die allerdings im Verlauf des Sommers stärker abnehmen. Alle weiteren Flüsse sind meist deutlich kleiner und führen weniger Wasser. Lediglich Beaver Creek und Sable Creek weisen als Abflüsse größerer Seen ein stabileres Abflussverhalten auf.

Die Wasserqualität der Flüsse und Bäche variiert zwischen den einzelnen Einzugsgebieten. Die meisten Flüsse und Bäche haben ihr Quellgebiet in der inneren Zone des Parks und den angrenzenden Nationalforsten. Die Wasserqualität dieser Quellgewässer gilt grundsätzlich als gut, jedoch können Einflüsse von außerhalb der Parkgrenzen die Qualität der Gewässer innerhalb der National Lakeshore beeinflussen.

Seen mini|Ufer des Oberen Sees am Miners Beach. Der weltweit größte Süßwassersee beeinflusst Klima, Vegetation und Küstenmorphologie innerhalb der Pictured Rocks National Lakeshore. Der Obere See ist das bestimmende Gewässer des Schutzgebiets und beeinflusst sowohl die klimatischen Bedingungen des Parks als auch die Küstenmorphologie. Der Obere See ist der größte und kälteste der Großen Seen und der weltweit flächengrößte Süßwassersee. Hohe Wellen und Änderungen des Wasserstandes sorgen für starke Erosionsraten entlang der Felsküste und für eine ständige Veränderung und Umformung der Strände. Außerdem hat er starke Auswirkungen auf die Ökosysteme innerhalb des Parks. Durch die geringe Menge an organischem Material im Wasser ist der See besonders klar. Er weist eine geringe Konzentration an Nährstoffen auf und ist somit oligotroph. Das liegt hauptsächlich daran, dass die umliegenden Wälder und Gesteinsschichten das in den See gelangende Wasser filtern und somit die Phosphatzufuhr sowie die Zufuhr biologischer Nährstoffe begrenzen. Dementsprechend ist auch das Pflanzen- und Algenwachstum im See begrenzt. Der See weist keine Gezeiten auf, allerdings lässt sich das als Seiche bezeichnete, für die Großen Seen typische Phänomen stehender Wellen beobachten. Diese entstehen, wenn an den Ufern anlaufende Wellen reflektiert werden und sich als ablaufende Gegenwellen mit den ankommenden Wellen überlagern. Ursache sind meist starke Winde und schnelle Veränderungen des atmosphärischen Drucks, die zur Anhäufung von Wasser am Seeufer führen. Solche Seiches treten meist in geringen Dimensionen auf, können aber auch die Ausmaße von Sturmfluten erreichen und den Pegel ufernaher Gewässer um rund einen Meter steigen lassen. Während die Oberflächentemperatur des Oberen Sees saisonal schwankt, bleibt die Temperatur unterhalb von 200 m einigermaßen konstant bei 4 °C. Diese Temperaturschichtung führt zur saisonalen Stratifikation des Sees. Zweimal pro Jahr jedoch erreicht die gesamte Wassersäule eine einheitliche Temperatur von 4 °C, wodurch sich das Wasser und damit auch Nährstoffe und Sauerstoff vollständig durchmischen. Dieses Merkmal macht den See dimiktisch. mini|Der 3,1 km² große Beaver Lake ist der größte Inlandsee der National Lakeshore. Er liegt im Zentrum der Beaver Basin Wilderness. Neben dem Oberen See gibt es in der National Lakeshore einige Binnenseen, die meist unter 3 km² groß sind und, mit Ausnahme von Chapel Lake und Grand Sable Lake, Tiefen von etwa 3 bis 6 Meter erreichen. Viele der Seen sind mesotroph und weisen ein moderates Pflanzenwachstum auf; sie haben Sichttiefen zwischen 2 und 5 Metern. Miners Lake und Little Chapel Lake zeigen den größten Trend zur Eutrophierung; die oligotrophsten Seen sind der Legion Lake, die Shoe Lakes und der Grand Sable Lake. Die Hydrochemie der Binnenseen unterscheidet sich stark, aber viele lassen sich als braune, alkalische Seen klassifizieren. Bei Trappers Lake, Legion Lake, Kingston Lake und den Shoe Lakes handelt es sich um abflusslose Seen, die keine Zu- und Abflüsse aufweisen. Die letzteren drei sind Toteisseen, die durch den Rückzug der Gletscher vor etwa 10.000 Jahren entstanden sind. Legion Lake und die Shoe Lakes liegen zudem auf der Wasserscheide zwischen dem Oberen See und dem Michigansee und erhalten somit nur sehr wenig Grundwasserzufuhr mit Elementen wie Calcium, Magnesium und Siliciumdioxid. Sie sind sauer mit pH-Wert von 4,8 bis 5,1 und haben hohe Sichttiefen von 5 bis 9 Metern. Trappers Lake, Beaver Lake und Little Beaver Lake liegen im Beaver Basin, das bis vor rund 5.000 Jahren eine Seitenbucht des Oberen Sees darstellte. Bei Absenkung des Seespiegels wurden sie durch Sandrücken vom See abgetrennt und blieben als Restseen zurück. Auch der nur 0,04 km² große Miners Lake liegt in einer ehemaligen Bucht des Oberen Sees, dem Miners Basin. Der langgestreckte Chapel Lake am Chapel Creek, der mit Abstand tiefste See des Parks, wurde wahrscheinlich durch ein großes Becken in einem glazialen Schmelzwasserkanal gebildet. Der südliche Teil des Sees ist etwa 43 Meter tief und geht in einen flachen, nördlichen Teil über. Der Chapel Lake ist ein meromiktischer See; die tiefste Wasserschicht vermischt sich während der Wasserzirkulation nicht mit dem oberen Seewasser. Geologie Der Name Pictured Rocks entstammt den Farbstreifen an den Felsklippen, die entstehen, wenn Grundwasser aus Rissen im Fels sickert und die Felswand hinunterläuft. Die meist vertikalen Farbstreifen werden durch verschiedene Mineralien und Elemente gebildet – Rot und Orange entstehen durch Eisen, Blau und Grün durch Kupfer, Braun und Schwarz durch Mangan und Weiß durch Limonit.

Die heutigen sedimentären Gesteine und oberflächlichen Ablagerungen im Gebiet der Pictured Rocks sind erdgeschichtlich vor allem auf zwei weit auseinanderliegende geologische Zeitabschnitte zurückzuführen – zum einen auf die Zeit vom späten Präkambrium vor rund 1,1 Milliarden Jahren bis ins frühe Ordovizium vor rund 470 Millionen Jahren sowie zum anderen auf das bis heute andauernde Zeitintervall des späten Quartärs seit rund 2 Millionen Jahren. Im Präkambrium, Kambrium und frühen Ordovizium wurden Sedimente in den flachen Meeren und küstennahen Deltas des heutigen Nord-Michigans abgelagert und bilden die heutigen Sandstein- und Konglomeratschichten, die an den Felsklippen des Seeufers freigelegt sind. Abseits davon sind diese Schichten heute durch Ablagerungen als Folge der quartären Vereisungsphasen überlagert.