mini|Anthea M. Hartig (2022) Anthea M. Hartig (* 1964 im Pomona Valley, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Historikerin, Denkmalpflegerin und Museumsdirektorin. Seit dem 18. Februar 2019 ist sie Direktorin des National Museum of American History der Smithsonian Institution in Washington, D.C. und die erste Frau in diesem Amt. Die offizielle Amtsbezeichnung lautet Elizabeth MacMillan Director.
Zuvor war sie unter anderem Geschäftsführerin der California Historical Society und Leiterin des Western Office des National Trust for Historic Preservation. Von 2023 bis 2024 amtierte sie als Präsidentin der Organization of American Historians. Im Jahr 2026 rückte das von ihr geleitete Museum in den Mittelpunkt eines kritischen Berichts der Regierung von Donald Trump.
Herkunft und Ausbildung
Hartig entstammt einer seit mehreren Generationen in Südkalifornien ansässigen Familie und wuchs im Großraum Pomona Valley auf. Sie studierte Geschichte an der University of California, Los Angeles und zeitweise am College of William & Mary. An der University of California, Riverside erwarb sie 1989 einen Masterabschluss in Public History und wurde 2001 in amerikanischer Architekturgeschichte und Material Culture Studies promoviert.
Ihre wissenschaftliche Arbeit befasste sich unter anderem mit der südkalifornischen Zitruswirtschaft und deren Einfluss auf Landschaft, Gesellschaft und Regionalentwicklung. Ein 1995 veröffentlichter Aufsatz untersuchte die soziale Stellung der Zitrusfarmer und die von ihnen geprägte Kulturlandschaft zwischen 1890 und 1940.
Beruflicher Werdegang
Hartig arbeitete mehr als zehn Jahre in der kommunalen Denkmalpflege und Stadtplanung. Unter anderem war sie Senior Planner der Stadt Riverside und gründete ein Beratungsunternehmen für Denkmalpflege.
Von 2000 bis 2005 lehrte sie Geschichte und Kulturwissenschaften an der La Sierra University. Daneben gab sie Graduiertenkurse zur Denkmalpflege an der University of California, Riverside. Von 2001 bis 2005 war sie Vorsitzende der California State Historic Resources Commission.
2005 übernahm Hartig die Leitung des Western Office des National Trust for Historic Preservation. 2011 wurde sie Executive Director und Chief Executive Officer der California Historical Society in San Francisco. Während ihrer Amtszeit warb die Gesellschaft rund 20 Millionen US-Dollar im Rahmen einer Kapitalkampagne ein, richtete ihre erste digitale Bibliothek ein und steigerte die Besucherzahlen ihrer Ausstellungen von wenigen Tausend auf mehr als 100.000. Der jährliche Betriebshaushalt stieg nach Angaben des San Francisco Chronicle auf 5,2 Millionen US-Dollar.
National Museum of American History
Die Smithsonian Institution gab Hartigs Ernennung zur Direktorin des National Museum of American History im Dezember 2018 bekannt. Sie folgte auf John Gray und trat ihr Amt am 18. Februar 2019 an. Nach Angaben der Smithsonian Institution verantwortet sie rund 200 Beschäftigte, einen Etat von mehr als 50 Millionen US-Dollar und eine Sammlung von etwa 1,7 Millionen Objekten sowie mehr als drei Regalkilometern Archivmaterial.
Als Museumsdirektorin setzte sie Schwerpunkte in der Public History, der Zugänglichkeit historischer Sammlungen und der Darstellung der gesellschaftlichen Vielfalt der Vereinigten Staaten. In Interviews beschrieb sie Museen als öffentliche und demokratische Räume, die historische Komplexität vermitteln und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen erreichen sollten.
Von 2023 bis 2024 war Hartig Präsidentin der Organization of American Historians. Ihre im Dezember 2024 im Journal of American History veröffentlichte Präsidentinnenrede befasste sich mit der unzureichenden Repräsentation von Frauen in der Geschichtsschreibung und in historischen Sammlungen.
Politische Kontroverse 2026
Im Juli 2026 veröffentlichte das Domestic Policy Council der Regierung von Donald Trump den Bericht Saving America’s Story. Darin wurde dem National Museum of American History eine politisch einseitige und aktivistische Geschichtsvermittlung vorgeworfen. Hartig wurde in dem Bericht wiederholt persönlich kritisiert.
Die New York Times und die Washington Post berichteten, dass Historiker Hartigs fachliche Arbeit und ihren Ansatz einer vielstimmigen Darstellung amerikanischer Geschichte verteidigten. Kritiker des Regierungsberichts warfen diesem vor, Aussagen aus dem Zusammenhang zu lösen und die Arbeit des Museums politisch zu verzerren. Auch die Berkshire Conference of Women Historians und das Japanese American National Museum veröffentlichten Unterstützungserklärungen für Hartig und die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Smithsonian Institution.
Auszeichnungen und Mitgliedschaften
2011 erhielt Hartig den Preis California Preservationist of the Year der California Preservation Foundation für ihre Verdienste um die Denkmalpflege in Kalifornien. 2026 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Weblinks
Biografie bei der Smithsonian Institution Profil beim National Museum of American History
Einzelnachweise
Kategorie:Historiker Kategorie:Museumsleiter (Vereinigte Staaten) Kategorie:Denkmalpfleger Kategorie:Hochschullehrer (Riverside, Kalifornien) Kategorie:Mitarbeiter der Smithsonian Institution Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1964 Kategorie:Frau