mini|Bichl, Benediktbeuern und Fichtsee von oben mini|Rathaus von Bichl Bichl ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern.
Geografie Bichl liegt in der Region Oberland. Es existiert nur die Gemarkung Bichl.
Zur Gemeinde gehören neben dem Kirchdorf Bichl die Gemeindeteile Hofstätt (Weiler) und Schögger am Rain (Einöde).
Geschichte Bis zur Gemeindegründung 1048 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Bichl bezieht sich auf den Hügel (bairisch: Bühel, vgl. Kitzbühel und viele andere Ortsnamen im bairischen Sprachraum), auf dem die Dorfkirche St. Georg steht (erbaut 1751–1753 von Johann Michael Fischer). Frühere Formen des Ortsnamens sind „Puhil“, „Puhila“ und „Bühel“. Schon früh war Bichl durch einen keltischen Saumpfad, der 1492 zur Römerstraße ausgebaut wurde, bis nach Italien verbunden. Der Ort war Amtssitz und gehörte zum Kloster Benediktbeuern im Kurfürstentum Bayern. 1634 erlagen fast alle Bewohner der Pestepidemie. Viele Höfe waren daraufhin jahrelang unbewohnt. Später entstanden entlang des Dorfbachs mehrere Mühlen, Sägewerke, eine Hammerschmiede sowie Zement- und Ziegelöfen. Das ehemalige Reichsstift Benediktbeuern erlangte 1790 noch einmal den Blutbann, so dass seine Besitzungen Teil einer Herrschaft wurden. 1803 gelangte der Ort endgültig im Zuge der Säkularisation zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
19. und 20. Jahrhundert 1898 wurde Bichl an die Kochelseebahn angeschlossen, auch deshalb verlor die Flößerei auf der Loisach ihre vormals große Bedeutung.
Im Jahr 1941 wurden in der Gemeinde Bichl 100 Kriegsgefangene bei der Erweiterung des Bahngeländes und 70 Jüdinnen, die aus dem Ghetto Litzmannstadt in das KZ Dachau überstellt wurden, in der Flachsfabrik der Gemeinde zu Arbeiten gezwungen.Dirk Riedel: Bichl. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. C.H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52962-3, S. 298 ().
Am 22. Februar 1945 wurde der Bichler Bahnhof Ziel eines Bombenangriffs. Elf alliierte Flugzeuge attackierten nachmittags mit etwa 70 bis 80 Bomben einen Munitionstransport aus Geretsried. Drei Gebäude wurden dabei zerstört, diverse weitere beschädigt. Laut Ortschronist starben 23 Personen, der offizielle Bericht zählt 21 Tote, einen Vermissten sowie sieben Verwundete.Johanna Pfund: Bichl im Nationalsozialismus. In: Gemeinde Bichl (Hrsg.): …im Wandel der Zeit. Chronik der Gemeinde Bichl. 2012, S. 35–45.
Verwaltungsgemeinschaft Die Gemeinde ist seit 1978 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern.Bichl und seine Geschichte. In: bichl.de. Abgerufen am 13. Juni 2016.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1840 415 1871 436 1900 552 1925 686 1939 868 1946 1347 1950 1327 1961 1296 1970 1370 1987 1544 1991 1649 1995 1840 2000 1958 2005 2073 2010 2141 2015 2187 Quelle: Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952., Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns ... von 1840 bis 1987. Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2026 Helmut Oppel (UBB). Von 2008 bis 2026 war Benedikt Pössenbacher (Unabhängige Bichler Bürger) Erster Bürgermeister, dieser war Nachfolger von Josef Schmid (Freie Wähler). Bis zum Jahr 2002 hatte Franz Pfund (Unabhängige Bichler Bürger) dieses Amt inne.
Gemeinderat Bei den Kommunalwahlen 2014, 2020 und am 8. März 2026 lag nur jeweils ein Wahlvorschlag vor; 2020 umfasste die Liste 24 Bewerber, 2026 waren es 22. Die jeweils 14 Bewerber mit den höchsten Stimmenzahlen erhielten die Gemeinderats-Mandate zugeteilt. Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.
Weitere Wahlen In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse von Bundes-, Landtags- und Europawahlen in Bichl dargestellt. JahrWahlWbt. CSU AfD Grüne SPDFW FDP Linke BSW Sonst.2025Bundestagswahl89,237,716,516,09,55,35,34,42,62,72024Europawahl73,138,49,016,06,210,53,71,43,711,12023Landtagswahl81,034,810,518,25,720,63,51,0—5,7
Wappen
Gemeindefinanzen Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2013 1.524.000 Euro, davon waren (netto) 225.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Kuratiekirche St. Georg Baudenkmäler
Kuratiekirche St. Georg mini|Gasthof zum grünen Hut (2005) – heute Dorfplatz Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab am 30. Juni 2019 nach der amtlichen Statistik insgesamt 358 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Von der Wohnbevölkerung standen 943 Personen in einer versicherungspflichtigen Tätigkeit. Die Zahl der Auspendler überwog damit um 585 Berufstätige. Die 17 landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschafteten eine Fläche von 575 Hektar (Stand 2016).
Verkehr Der Bahnhof Bichl liegt an der Kochelseebahn, die Verbindungen nach München ermöglicht, und an der Bundesstraße 11, die von Krün Richtung Norden in die Landeshauptstadt führt.
Von 1898 bis 1959 war Bichl die Endhaltestelle der vom Bahnhof München Süd kommenden Isartalbahn.
Bildung Es gibt einen Kindergarten mit Kinderkrippe. Am 1. März 2020 waren von den 111 genehmigten Plätzen 95 belegt, davon 23 mit Kindern unter drei Jahren.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter von Bichl Johann Benedikt Ettl (1678–1751), Baumeister und Architekt Georg Merz (1793–1867), Optiker und Astronom
Mit Bichl verbunden Max Littmann (1862–1931), Architekt, entwarf die Villa „Ansitz Bocksberg“ als seinen Wohnsitz in Bichl Curt Thesing (1879–1956), Biologe, Autor und Übersetzer, ab 1922 wohnhaft in Bichl, 1946 kurzzeitig Bürgermeister Max Hagemann (1883–1968), Präsident des Bundeskriminalamtes, gestorben in Bichl Johannes von Guenther (1886–1973), Übersetzer, Verleger und Schriftsteller, 1923–1927 wohnhaft in Bichl Willi Löffler (1915–2000), Komponist, Verleger und Dirigent, von 1968 bis zu seinem Tod wohnhaft in Bichl Andreas Patrzek (* 1957), Autor und Kommunikationsberater, betreibt in Bichl sein Institut für Gesprächsführung und Fragetechnik
Literatur
Weblinks
Homepage
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Kategorie:Ersterwähnung 1048 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)