mini|Schwörhaus Ulm, Sitz des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben Der Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben ist ein regionalgeschichtlicher und kulturwissenschaftlicher Verein mit Sitz in Ulm. Er wurde 1841 gegründet und zählt zu den ältesten Geschichts- und Altertumsvereinen Südwestdeutschlands. Zentrales Anliegen ist die Erforschung und Vermittlung der Geschichte, Kunst und Kultur Ulms und Oberschwabens. Besonders während der Vollendung des Ulmer Münsters kam dem Verein eine wichtige kulturhistorische Rolle zu.
Geschichte und Organisation Der Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben wurde am 6. März 1841 in Ulm von dem Buchhändler Philipp Ludwig Adam, dem Finanzkammerassessor (späterem Finanzrat) Friedrich Eser und Eduard Mauch, Zeichenlehrer am Ulmer Gymnasium, gegründet. Das Gründungsdatum war zugleich Geburtstag des württembergischen Kronprinzen Karl von Württemberg, der bald auch als Protektor des Vereins gewonnen werden konnte (1891 abgelöst durch Wilhelm II. von Württemberg).
Die Vereinsgründung stand im Zusammenhang mit der bürgerlichen Kulturbewegung des Vormärz und dem aufkommenden Interesse an Denkmalpflege und Regionalgeschichte. Laut Entwurf des Statuts war angestrebt, „Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben in allen Richtungen zu erforschen und die Denkmale derselben zu erhalten zu suchen“Vgl. Max Ernst: Neunzig Jahre Vereinsgeschichte. Mitteilungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben, 28, 1932, S. 3.. So war es neben historischer Forschung Hauptanliegen des Vereins, Kunstschätze der ehemaligen Reichsstadt Ulm und der umliegenden Region Oberschwaben vor dem Verfall oder Verkauf zu retten. Besonderer Schwerpunkt galt dem Erhalt und Ausbau des seit 300 Jahren baulich stagnierenden und vom Verfall bedrohten Ulmer Münsters. Dessen Vollendung wurde stark durch Konrad Dietrich Haßler betrieben, der dem Verein von 1850 bis 1868 vorstand. Insgesamt spielte der Verein, der 1846 bereits 208 Mitglieder zählte, während der Wiederaufnahme der Bauarbeiten am Münster ab 1844 eine wichtige unterstützende Rolle und begleitete diese bis zur Vollendung des Hauptturms 1890.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wandelte sich der Verein zu einem Forum für lokale und regionale Geschichts-, Forschungs- und Kulturarbeit. Sein Interesse gilt weiterhin der Pflege und dem Erhalt lokaler historischer Baudenkmäler und Zeugnisse, flankiert durch Vorträge und Publikationen.
Der als eingetragener Verein organisierte Verein hat rund 330 Mitglieder (Stand 2019). Der Vorstand ist traditionell eng mit der Leitung des Stadtarchivs Ulm im Schwörhaus Ulm verbunden, wo er auch seine Geschäftsstelle führt. Daneben werden weitere Kooperationen mit wissenschaftlichen Institutionen gepflegt, etwa dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Zudem besteht eine Partnerschaft mit dem Historischen Verein Neu-Ulm. Das Vereins-Logo zeigt eine stilisierte Darstellung der Kreuzblume des Ulmer Münsters.
Sammlungen mini|Johann Leonhard Schneider: Porträt der Anna Margaretha Wagenhuber, 1748. Seit 1878 in Vereinsbesitz, nun im Ulmer Museum.Margret Ribbert: Die Kunstsammlung des Vereins. In: Ulmer Museum (Hrsg.): Der Geschichte treuer Hüter … Die Sammlungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Vereins. Ulm 1991, S. 31/32. mini|Kepler-Kessel von 1627. Aus den Vereinsbeständen ins Ulmer Museum übergegangen.
Neben der Denkmalpflege sammelte der Verein historische Handschriften, Kunstwerke und archäologische Funde. Die Vereinsbestände wurden auch durch Schenkungen stetig erweitert, was mehrfachen Raumwechsel nach sich zog. 1908 kam die Vereinsbibliothek einschließlich Handschriften und Urkunden in die Obhut von Stadtarchiv/Stadtbibliothek (damals noch gemeinsame Dienststelle). Die Vereinsbestände in der Stadtbibliothek Ulm umfassen inzwischen über 25.000 Bände. Mit Vertrag vom 23. Juni 1923Margret Ribbert: Die Kunstsammlung des Vereins. In: Ulmer Museum (Hrsg.): Der Geschichte treuer Hüter … Die Sammlungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Vereins. Ulm 1991, S. 58. wurde die komplette Kunstsammlung des Vereins, darunter zahlreiche Ulmer Zunftobjekte und Werke der Spätgotik, unter Wahrung der Eigentumsrechte des Vereins, der Stadt Ulm überlassen und wurde so wichtiger Grundstock des wenig später eröffneten Ulmer Museums.
Publikationen 1843 begann der Verein mit der Herausgabe der „Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben“. Daraus entwickelte sich über mehrere Titeländerungen die bis heute (Stand 2026) erscheinende Zeitschrift „Ulm und Oberschwaben. Zeitschrift für Geschichte, Kunst und Kultur“, die somit zu den ältesten weitgehend kontinuierlich erscheinenden regionalgeschichtlichen Fachzeitschriften Südwestdeutschlands zählt. Seit 2007 wird sie gemeinsam mit der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur herausgegeben.
Einzelnachweise
Literatur Max Ernst: Neunzig Jahre Vereinsgeschichte. Mitteilungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben, 28, 1932, S. 3–21. Ulmer Museum (Hrsg.): Der Geschichte treuer Hüter … Die Sammlungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Vereins. Ulm 1991.
Weblinks
Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben Gedruckte Statuten, Mitgliederliste von 1842 u. a., Digitalisat, Landesarchiv Baden-Württemberg.
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