mini|Die Eheleute Daniel Funke (links) und Jens Spahn, im Jahr 2020 Die Leihmutterschaftsaffäre um Jens Spahn bezeichnet die politische Kontroverse um die Vaterschaft von Jens Spahn und seinem Ehemann Daniel Funke. Sie machten ihre Vaterschaft im Juli 2026 bekannt und offenbarten, dass sie durch eine Leihmutterschaft erfolgt war. In Deutschland sind die Vermittlung und Befruchtung von Leihmüttern verboten und die damit einhergehenden vertraglichen Abreden nichtig. Spahn und Funke haben daher das Kind in den Vereinigten Staaten austragen lassen.

Weite Teile der CDU/CSU lehnen Leihmutterschaften vehement ab: Noch im Februar 2026 hat die CDU sich auf einem Parteitag für die Beibehaltung des Verbots ausgesprochen. Kritiker warfen Spahn darüber hinaus eine Doppelmoral vor, weil er sich als Politiker gegen Leihmutterschaften ausgesprochen hatte.

Als Folge der Kritik trat Spahn am 18. Juli 2026 als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück. Das Bekanntwerden der Vaterschaft führte zu Diskussionen über Spahns Glaubwürdigkeit, zum Führungsstil von Kanzler Merz, aber auch über Leihmutterschaften an sich. Außerdem löste der Rücktritt eine Kabinettsumbildung aus.

Bekanntgabe der Leihmutterschaft und erste Reaktionen Am 15. Juli 2026 berichtete Bild exklusiv, dass Spahn und Funke durch eine Leihmutterschaft Eltern geworden seien. Am selben Tag schrieb Funke auf Instagram: „We Are Family“. Das Paar habe Freunde und Wegbegleiter bereits vorher informiert; die Leihmutter solle Teil des erweiterten Familienumfelds bleiben.

Zunächst erhielt das Elternpaar Glückwünsche aus der Politik, etwa von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) oder von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte am Donnerstagabend in einer Pressekonferenz mit dem algerischen Präsidenten kurz, er habe Spahn gratuliert. Spahn erklärte seinerseits, er habe Merz in der vorletzten Woche vor der öffentlichen Bekanntgabe über seinen Nachwuchs informiert.

Hubert Hüppe, der Bundesvorsitzende der Senioren-Union, kritisierte, bei einer Leihmutterschaft werde die Frau ausgebeutet, dies sei in Deutschland richtigerweise verboten. Es sei nicht gut, wenn sich Politiker mit Macht und Geld darüber hinwegsetzen. Der Landesvorsitzende der CDU Mecklenburg-Vorpommerns, Daniel Peters, und die Schatzmeisterin der Frauen-Union, Marion Rosin, forderten Spahns Rücktritt.

Parteiübergreifend, aber auch außerhalb der Parteien wurde Spahn Doppelmoral vorgeworfen: Er habe als Politiker dazu beigetragen, dass andere Menschen in Deutschland ihren Kinderwunsch nicht erfüllen dürfen, während er selbst im Ausland mit viel Geld das Verbot umgangen habe.

Rechtslage in Deutschland

mini|450px|Rechtliche Lage zur Leihmutterschaft weltweit:

In Deutschland ist es strafbar, wenn eine künstliche Befruchtung für eine Leihmutterschaft durchgeführt oder ein Embryo in die Leihmutter eingepflanzt wird ( Abs. 1 Nr. 7 Embryonenschutzgesetz). Strafbar ist auch die Vermittlung von Leihmüttern (, Adoptionsvermittlungsgesetz).Claudia Campbell: Das Verbot der Leihmutterschaft. In: NJW-Spezial 2018, S. 196–197 (hier 196). Strafbar werden nach den deutschen Gesetzen aber weder die Leihmutter noch die Person, die das Kind auf Dauer bei sich aufnehmen will (§ 1 Abs. 3 Nr. 2 Embryonenschutzgesetz, § 14b Abs. 3 Adoptionsvermittlungsgesetz). Spahn und Funke haben sich daher nicht strafbar gemacht.

Da Funke der genetische Vater des Kindes ist, konnte er die Elternschaft nachträglich in Deutschland anerkennen lassen. Es ist nicht bekannt, in welchem Bundesstaat der Vereinigten Staaten oder über welche Organisation die Elternschaft von Spahn und Funke ermöglicht wurde. In den Vereinigten Staaten kostet eine Leihmutterschaft zwischen 100.000 und 250.000 Dollar.

Haltung Jens Spahns und der CDU zur Leihmutterschaft mini|Jens Spahn im Jahr 2015

Spahn hatte in vergangenen Jahren mehrmals unterschiedliche Standpunkte zum Thema geäußert. Im Jahr 2015 war er gesundheitspolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion und sagte in einem Interview mit dem Männermagazin GQ:

Auch im November 2025 sprach Spahn über seinen Kinderwunsch. Nachdem er in einer Fernsehsendung auf das Thema Familienplanung angesprochen worden war, entgegnete er: Er könne sich vorstellen, mit seinem Ehemann Kinder zu haben. Die Voraussetzungen seien bei ihm und seinem Mann „noch etwas schwieriger“.

Im Jahr 2020 war Spahn Bundesgesundheitsminister und damit für das Embryonenschutzgesetz zuständig. Die FDP-Fraktion fragte damals nach einer Änderung. Das Ministerium antwortete, dass die Regelung ihren Sinn in der Wahrung des Kindeswohls habe.

Im Februar 2026 beschloss die CDU auf ihrem Bundesparteitag in Stuttgart:

Spahn war auf diesem Parteitag anwesend. „Privat hatte er da längst entschieden, gemeinsam mit seinem Ehemann Daniel Funke ein Baby zu bekommen“, so Sabine Kinkartz von der Deutschen Welle. Spahn sagte später, er bereue es im Nachhinein, dass er sich nicht zum Beispiel schon im Februar auf dem Parteitag geäußert habe, als ein Antrag gegen Leihmutterschaften angenommen wurde. Er sei damals noch nicht so weit gewesen. Karin Christmann vom Tagesspiegel meint, der Parteitag sei der „späteste noch geeignete Moment“ gewesen, die Sache transparent zu machen.

Spahn habe wissen müssen, dass ein Kind bei einem Spitzenpolitiker ein mediales Thema wird, und er habe ein Jahr Zeit für eine kontrollierte Kommunikation gehabt. Nach dem Parteitag wäre seine Wiederwahl in der Fraktion im Mai eine Gelegenheit gewesen. Er hätte dann zumindest besser da gestanden. „Stattdessen ist er sehenden Auges mit einem Zug auf eine Wand zugerast und hat gar nichts gemacht, bis das Kind da war“, so der Kommunikationstrainer Tom Buschardt.

Nachdem Spahn Vater geworden war, hieß es aus seinem Umfeld, dass er keine Änderung der deutschen Rechtslage wolle. Aus seinem Privatleben leite er keine politischen Forderungen ab. In einem Podcast mit Paul Ronzheimer sagte Spahn am 17. Juli, er habe lange mit sich gerungen und dann als Christ erkannt, dass „das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben. Und dass das manchmal kein Schwarz und Weiß hat und keine einfachen Entscheidungen“.

Rücktritt Der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hatte von der Leihmutterschaft spät erfahren. Erst nach der Kritik von verschiedenen Seiten kündigte Merz an, das CDU-Präsidium werde am Montag, den 20. Juli 2026, auf seiner Sitzung über Spahn sprechen, ohne Spahn. Spahn selbst sagte, man werde im September (nach der Sommerpause) in der Fraktion über die Angelegenheit sprechen. Wie es weitergehe, werde die Fraktion entscheiden.

Im Podcast Machtwechsel rekonstruierten Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander die Schritte bis zum Rücktritt. Vor zehn Jahren hätte es so eine Dynamik in der Sommerpause noch nicht gegeben. Jetzt aber seien die führenden Politiker über WhatsApp-Gruppen vernetzt, so dass eine Welle der Empörung sich hochschaukeln konnte. Auch das engere Umfeld von Spahn habe über die Vaterschaft erst durch die Bild-Zeitung erfahren.

Am Freitag, dem 17. Juli 2026, gab es abends eine außerordentliche Online-Sitzung der Frauen-Union. Darin verwies Annette Widmann-Mauz auf die Parteibeschlüsse zur Leihmutterschaft. Keine der Frauen-Union-Landesvorsitzenden habe Spahn unterstützt. Die Runde habe keinen Rücktritt gefordert, sei aber davon ausgegangen, dass Merz wisse, was zu tun sei. Dieser habe dann die CDU-Landesvorsitzenden sowie den CSU-Vorsitzenden Markus Söder angerufen. Söder habe ursprünglich noch Verständnis für Spahn gehabt, dann aber eine Empörungswelle in der CSU erlebt. Merz habe Spahn angerufen und gesagt, die Spielräume für ihn seien nicht mehr da. Spahn habe sich eine Stunde Bedenkzeit erbeten.

Am Samstag, dem 18. Juli 2026, war morgens ein Offener Brief des CDU-Stadtverbands Brilon, des Ortsverbands von Kanzler Friedrich Merz, erschienen, in dem Jens Spahn zum Rücktritt aufgefordert wurde. Buschardt wies darauf hin, dass dieser Stadtverband wohl kaum ohne Absprache mit Merz einen solchen Brief veröffentlicht.

Am 18. Juli 2026 mittags trat Spahn von seinem Amt als Fraktionsvorsitzender zurück, wie er in einer Erklärung an die Fraktionsmitglieder schrieb.n-tv: Jens Spahn tritt als Unionsfraktionschef zurück, 18. Juli 2026, abgerufen am 18. Juli 2026 Es sei ihm „in den letzten Tagen“ bewusst geworden, dass sein persönliches Glück mit seinem politischen Amt nicht vereinbar sei. Das habe er nicht erwartet. Er beklagte sich ferner über eine Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung. Man müsse menschlich im Ton bleiben. Rosenfeld und Alexander betonten, dass Spahn nicht um Entschuldigung gebeten habe, sein Bundestagsmandat behalte und auch nicht das Ende seiner politischen Karriere verkündet habe.

Im August 2026 machte Spahn bekannt, dass er nicht mehr für den Vorsitz des CDU-Bezirksverbandes Münsterland kandidieren werde.Spahn gibt Parteiposten auf, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. August 2026, S. 4. Allerdings wurde er Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestag. Am 28. September 2026 machte er bekannt, dass er diese Mitgliedschaft beenden werde. Er hatte an einer Sitzung nicht teilgenommen und war kurz darauf auf Fotos im Sardinienurlaub zu sehen. Andere Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion haben dies intern kritisiert. Spahn zufolge habe die Politisierung seiner Person seinen Schritt nötig gemacht.

Reaktionen auf den Rücktritt Bundeskanzler Merz nannte den Rücktritt des Unionsfraktionsvorsitzenden „richtig und unvermeidlich“ und bezog sich auf die Glaubwürdigkeit in der Politik. Im ZDF-Sommerinterview am Sonntag, den 19. Juli beklagte Merz, dass Spahn Fraktion und Partei sehr spät informiert habe. Seiner Vermutung nach habe die Empörung der Menschen „wahrscheinlich auch etwas mit seiner Person zu tun“.

Dem CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann zufolge verdiene der Rücktritt Respekt; er werde vorläufig die Amtsgeschäfte der Fraktion führen. Von Respekt sprachen auch der CSU-Vorsitzende Markus Söder und Matthias Miersch, der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Der CDU-Stadtverband Steinfurt (NRW), der in Spahns Wahlkreis liegt, nannte Spahns Vorgehen politisch „maximal unglücklich“ und den Rücktritt absolut „notwendig“.

Vertreter von AfD, Grünen, Linken und FDP meinten, nach den vorherigen Skandalen Spahns sei der Rücktritt überfällig gewesen. Wolfgang Kubicki, der FDP-Bundesvorsitzende, bedauerte, dass Spahn nicht seine Haltung zur Leihmutterschaft geändert habe.

Auch internationale Medien berichteten über den Rücktritt und stellten ihn als Konflikt zwischen persönlicher Familiengründung und der familienpolitischen Position der CDU dar. Nach einem „schwindelerregenden Ende“ eines Skandals, der über Nacht entstanden sei, sei einer der mächtigsten Menschen Deutschlands zurückgetreten und eine schwelende nationale Debatte über Leihmutterschaft sei neu entfacht worden, so die New York Times.

68 Prozent der Befragten sagten in einem Politikerranking, das zwischen Freitag, dem 18. Juli 2026, und Montag, dem 20. Juli 2026, stattfand, dass Spahn der CDU mit seiner Vaterschaft geschadet habe. 69 Prozent hielten Spahn für unglaubwürdig oder eher unglaubwürdig. Nur 10 Prozent hatten eine positive Meinung von ihm. In einer YouGov-Umfrage vom 21. Juli fanden 80 Prozent den Rücktritt richtig, nur 8 Prozent falsch. 38 Prozent wollten das Verbot der Leihmutterschaft beibehalten, 26 Prozent wollten es lockern. 15 Prozent wollten das Verbot abschaffen, und 20 Prozent der Befragten waren unentschlossen.

Rolle des Kanzlers und Nachfolge mini|hochkant|Friedrich Merz, seit 2022 CDU-Vorsitzender und seit 2025 Bundeskanzler