Goetz-Eberhard Sobek (* 13. Juli 1926 in Oberschreiberhau; † 11. Juni 2026 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Werbefotograf.
Leben und Werk Sobek wurde 1926 im niederschlesischen Oberschreiberhau (Szklarska Poręba Górna) geboren und wuchs in Breslau auf. Nach seiner Einberufung zur Kriegsmarine 1944 und anschließender Kriegsgefangenschaft gelangte er Ende 1945 nach Westdeutschland. Von 1948 bis 1951 studierte er sechs Semester an der Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München. Anschließend arbeitete er je ein Jahr als Assistent im Münchner Atelier Dreyer sowie im Studio Laux in Frankfurt am Main. Am 1. Januar 1962 machte er sich selbstständig und gründete das Foto-Studio Goetz E. Sobek in der Frankfurter Niddastraße.
Zuvor war Sobek ab Mitte der 1950er-Jahre zunächst in der Architekturfotografie tätig, wobei er insbesondere Kirchenneubauten in Frankfurt dokumentierte, sowie in der Industriefotografie, etwa für Publikationen und Kalender des Baustoff-Handelskonzerns Raab Karcher. In den folgenden Jahrzehnten wandte er sich verstärkt der expandierenden Werbebranche zu. Zu seinen Hauptkunden gehörten Automobilhersteller (Opel, Mercedes-Benz, Fiat), die Tabakindustrie (Reyno, Overstolz) sowie Unternehmen der Konsumgüter-, Mode- und Pharmaindustrie (darunter Ellen Betrix, Hettlage, Fabrice und Adumbran). Zudem war er für die Farbwerke Hoechst und das Deutsche Lackinstitut tätig.
Neben Auftragsarbeiten schuf Sobek freie und experimentelle Fotografien, um neue Gestaltungsmittel zu erproben. Diese Arbeiten wurden in Fachpublikationen wie FotomagazinFritz Meisnitzer: Zum Beispiel Zoom. In: fotoMagazin, Februar 1972, S. 20–22 oder Color Foto rezipiert. 1969 erhielt er anlässlich der Vierten Jahresschau des Art Directors Club of New York das „Certificate of Merit“. Im Folgejahr erschien seine Aufnahme Zoom-Mädchen im Wald, ein Porträt seiner Frau, auf dem Cover der Publikation Das Deutsche Lichtbild 1970, was seine Position unter den führenden deutschen Fotografen der Zeit festigte.
Bekanntheit erlangte Sobek Anfang der 1960er-Jahre unter anderem durch eine Testimonial-Serie für die Zigarettenmarke Overstolz, bei der Porträts von Prominenten und Nicht-Prominenten mit deren Aussagen zum Rauchverhalten kombiniert wurden. Während diese Kampagne nach wenigen Jahren nicht mehr der gängigen Werbepraxis entsprach, entwickelte sich seine fast zeitgleich begonnene Kampagne für die Marke Reyno zu einem langfristigen konzeptionellen Vorbild. Sobek veränderte bei dieser Serie die Farbabstimmung zugunsten der intendierten Werbeaussage: Dominierende kühle Blau- und Grüntöne sollten Frische, Wasser und Schatten suggerieren, passend zum Slogan „Reyno erfrischt mit jedem Zug“. Diese Bildstrategie wich von der damals üblichen Praxis ab, in der Farbfotografie möglichst „natürliche“ Farben wiederzugeben.
Ein ähnliches Farbkonzept nutzte Sobek für die US-amerikanische Mercedes-Benz-Kampagne „The new Ambassador“ zur Einführung des Mercedes-Benz 600 (W 100), die ab 1963 über vier Jahre unter anderem im Magazin Life lief. Die ins Blaue verschobene Farbgebung sollte dabei die Exklusivität und Distanz des Fahrzeugmodells unterstreichen.
Stil Im Werk Sobeks lassen sich die großen gesellschaftlichen Umbrüche der 1950er bis 1980er Jahre ablesen, ebenso der Wandel der visuellen Kommunikation. Sobeks „Arbeitsweise wirkt mühelos, routiniert, ohne mechanisch zu sein. Die spielerische Leichtigkeit, mit der er seine Modelle dirigiert, die ideenreiche Regieführung und die Belichtung genau im richtigen Moment – wenn die Pose sitzt, die Farben harmonieren und das Licht stimmt –, das zeigt den erfahrenen Könner“. Weiter resümiert die Zeitung, Sobeks Anzeigen vereinten „auf eindrucksvolle Art die wichtigsten Komponenten moderner Werbung: Das Produkt vermittelt emotionale Wirkungen, die die geheimen Wünsche des Konsumenten treffen. […] Ob es bei Reyno der Hauch zweisamen Glücklichseins voller Romantik, bei Overstolz das Gefühl, ein harter und erfolgreicher Mann zu sein oder bei Mercedes-Benz ganz einfach das Image eines Mannes ist, der es sich leisten kann, Mercedes zu fahren“. Sobeks Reklamearbeiten erweisen sich mit ihrem „Griff nach dem Unterbewussten“ als quasi mustergültige Beispiele für die von Konsumkritiker Vance Packard 1957 als „geheime Verführer“ bezeichneten Werbestrategien der Wirtschaftswunderzeit.Goetz-E. Sobek. Der manipulierte Konsument, in: Rolleigrafie, wohl 1968, S. 20–23, S. 29
In zahlreichen Kampagnen nutzte Sobek experimentelle Verfahren. Neben Zoomeffekten, Schwarzlichtblitz und Rückprojektionen setzte er Bewegungsunschärfe ein – einerseits zur Darstellung von Geschwindigkeit in der Automobilwerbung, andererseits zur Visualisierung von psychischen Zuständen in einer Anzeigenserie für das Beruhigungsmittel Adumbran.
Sobeks Arbeiten für die Kalender von Fiat und Castrol, die in ihrer Ästhetik dem Pirelli-Kalender ähnelten, trugen in den 1970er- und 1980er-Jahren zur Etablierung der erotischen Fotografie in der Werbung bei. Neben der Automobilbranche gestaltete er auch Anzeigen, Broschüren und Kataloge für die Pelzindustrie (darunter Ralf Zeidler, Iris-Pelze und Erhard Grave) und publizierte in Branchenzeitschriften wie Pelzwirtschaft, Pelz international sowie Pelz und Design.
Aktuelle Bestände Der fotografische Nachlass von Goetz-Eberhard Sobek wurde 2020 in die Deutsche Fotothek übernommen. Enthalten sind rund 800 Prints, 5.300 Diapositive in den Formaten 6 × 6, 9 × 12 und 13 × 18 cm, sowie 500 Negative, außerdem zahlreiche Druckbelege und Publikationen.
Auszeichnungen und Mitgliedschaften 1989: Foto Design Award, Düsseldorf 1988: Certificate of Excellence, International Art Competition, New York 1984: Certificato di Merito, Confederazione Internazionale dell’Ordine degli Artisti, Calvatore 1984: Aufnahme in die Confederazione Internazionale dell’Ordine degli Artisti, Calvatore 1981: Diploma di Merito, Universita delle Arti, Salsomaggiore Terme 1980: Medaglia d’Oro, Academia Italia delle Arti e del Lavoro, Salsomaggiore Terme, 1980 1969: Certificate of Merit, Art Director’s Club of New York
Publikationen FIAT-Kalender 1986, 1987, 1988 Girls and Cars. Castrol-Kalender 1980 Color Foto, Heft 5/1977, Cover Wolf Strache (Hg.): Das Deutsche Lichtbild 1970, Stuttgart 1969, Cover Kalender Druckfarbenfabrik Gebr. Schmidt, Frankfurt. Belser-Druck Stuttgart, 1969 Raab Karcher Kalender 1956 Raab Karcher in Bild und Wort, Bremen, 1953
Weblinks Künstlerbiografie auf den Seiten der Deutschen Fotothek Über 340 Fotos auf den Seiten der Deutschen Fotothek
Literatur
Zeit Blicke. 30 Jahre Fotografie in Deutschland. 30 Jahre BFF, Bund Freischaffender Foto-Designer. Ausstellungs-Katalog des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg unter anderem herausgegeben von Manfred Schmalriede, Ostfildern-Ruit 1999, S. 33, 144–145 Fritz Meisnitzer: Experimentieren – damit die Fotografie erhalten bleibt. Über die Arbeit des Werbefotografen Goetz-Eberhard Sobek. In: fotoMagazin, Februar 1972, S. 66–69
Einzelnachweise
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