Johann Heinrich Gustav Lahusen (* 5. Dezember 1890 in Delmenhorst; † 27. August 1964 in Bremen) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher.

Leben Gustav Lahusen stammte aus der wohlhabenden Bremer Kaufmannsfamilie Lahusen. Er war der dritte Sohn von Johann Carl Lahusen, der die Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei in Delmenhorst von 1888 bis 1921 führte, und dessen aus England stammender Frau Armine, geb. Mathias (1867–1919). Mit seinen acht Geschwistern wuchs er in der Villa Lahusen in Delmenhorst auf. Georg Carl Lahusen, der das Unternehmen – nunmehr mit Hauptsitz in Bremen – von 1921 bis zum Konkurs 1931 leitete, war sein ältester Bruder; auch zwei weitere Brüder Heinz und Friedel Lahusen traten wenige Jahre später in den Vorstand ein. Der Komponist Christian Lahusen war sein Cousin.

mini|hochkant|Martin-Luther-Kirche, Sydney Die Familie war kirchlich eingestellt und sehr engagiert. Gustav Lahusen ging nach dem Abitur zunächst nach Großbritannien. Er lebte bei seinem Onkel mütterlicherseits Duncan Mathias in London-Putney (London Borough of Wandsworth) und studierte das akademische Jahr 1910/11 am Jesus College in Cambridge.The Cambridge University Calendar 1910/11, S. 1009. Danach studierte er Evangelische Theologie an den Universitäten Tübingen (1911), Göttingen (1912), Berlin (1913) und Marburg (1913/14). Es folgte eine Kriegsdienstzeit im Ersten Weltkrieg, zuletzt als Offizier.

Nach seinem Examen trat Lahusen in den Dienst der Evangelische Kirche im Rheinland. Als Hilfsprediger war er in Hürth-Knapsack eingesetzt, wo auch am 8. Januar 1922 seine Ordination erfolgte. Im Mai 1922 Jahr wurde er als Pastor der 2. Pfarrstelle der Aegidienkirche nach Lübeck berufen. mini|Andreas-Wilms-Haus Da kein Gemeindehaus zur Verfügung stand, erwarb er aus eigenen Mitteln eine frühere Gastwirtschaft in der Hüxtertorallee 1 und schenkte die Liegenschaft der Gemeinde.Hans-Ulrich Cassebaum: Das Ende der Bündischen Jugend und die „bündische Phase“ des Deutschen Jungvolks in der Hitler-Jugend in Lübeck. In: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte. Band 75, 1995, S. 215–290, hier S. 231 (Digitalisat). Hier entstand dann das Andreas-Wilms-Haus als Gemeindezentrum mit Wohnungen und Läden. Dessen Vollendung 1931 erlebte Lahusen allerdings nicht mehr in Lübeck, das er 1928 verließ.

Von 1928 bis 1931 wirkte er in einer Auslandspfarrstelle in Madrid und von 1932 bis 1939 in Sydney. Dort spielte er laut der Historikerin Emily Turner-Graham als Leiter der Martin-Luther-Gemeinde eine „beachtliche Rolle bei der Neuausrichtung der Identität der Deutsch-Australier“ auf Linie der nationalsozialistischen Volkstumspolitik. Lahusen kam kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zurück nach Deutschland und übernahm die zweite Pfarrstelle der evangelischen Kirchengemeinde in Bad Kreuznach.

Wegen regimekritischer Außerungen wurde Lahusen am 9. Mai 1940 von der Gestapo Koblenz vorgeladen und in Haft genommen. Im Februar 1941 wurde er vom Sondergericht Koblenz wegen Vergehen gegen das Heimtückegesetz zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten verurteilt. Er wurde danach jedoch noch bis zum 23. Mai 1941 in „Schutzhaft“ festgehalten. Die Bekennende Kirche setzte Lahusen auf ihre Fürbittliste für verfolgte und inhaftierte Pfarrer,Hans-Rainer Sandvoß: „Es wird gebeten, die Gottesdienste zu überwachen …“ Religionsgemeinschaften in Berlin zwischen Anpassung, Selbstbehauptung und Widerstand von 1933 bis 1945. Lukas-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-86732-184-6, S. 134 (mit Abb.). während er von der Leitung der Provinzialkirche keine Unterstützung erhielt.Simone Rauthe: „Scharfe Gegner“. Die Disziplinierung kirchlicher Mitarbeitender durch das Evangelische Konsistorium der Rheinprovinz und seine Finanzabteilung von 1933 bis 1945 (= Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte. Band 162). Habelt, Bonn 2003, ISBN 3-7749-3215-8, S. 263 f. Als sein Rechtsanwalt Paul Schulze zur Wiesche Gerd Mönkemeier: Paul Schulze zur Wiesche. Rechtskampf für die Bekennende Kirche, protestantische Opposition und politischer Widerstand gegen das NS-Regime 1933-1945. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2005, ISBN 3-7887-2099-9. endlich seine Freilassung erreichte, war diese mit der Ausweisung aus der Rheinprovinz, Berufsverbot als Pfarrer und Einberufung zum Kriegsdienst verbunden. Lahusen gelang es, dem Amt Ausland/Abwehr beim Oberkommando der Wehrmacht zugeteilt zu werden, und er überlebte den Krieg. Das Urteil gegen ihn wurde 1949 aufgehoben.Siehe Beschreibung und Dokumentation bei Maria Lahusen: Verurteilt wegen Heimtücke (= Beiträge zum Widerstand 1933–1945. Heft 12). 3. Auflage. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1987 (Digitalisat).

1950 kehrte Lahusen nach Norddeutschland zurück. Er war von 1950 bis 1954 Pastor an der St.-Martini-Kirche in Lesum. Zum 31. Oktober 1954 emeritiert, war er noch bis 1962 im Krankenhausdienst tätig.Lahusen, Johann Heinrich Gustav. In: Hartwig Ammann (Bearb.): Bremer Pfarrerbuch. Band 2: Die Pastoren. Biographische Angaben. Hauschild, Bremen 1996, ISBN 3-929902-96-6, S. 105.

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau und einer geschiedenen zweiten Ehe war Lahusen seit 1932 verheiratet mit Maria, geb. Edding. Ein Sohn aus dieser Ehe, Michael Lahusen (* 1933 in Sydney; † 1989 in Bremen) wurde ebenfalls Pastor in Bremen. Ein Erlebnisbericht von Maria Lahusen zur Inhaftierung ihres Mannes erschien 1987 in der Reihe Beiträge zum Widerstand 1933–1945 der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Gustav Lahusen lebte zuletzt in der Schwachhauser Heerstr. 239 in Bremen. Er wurde auf dem Friedhof Riensberg beigesetzt.Eintrag im Namensindex der Leichenbücher 1875–1975, abgerufen am 31. August 2026.

Literatur Albert Rosenkranz: Das evangelische Rheinland. Ein rheinisches Gemeinde- und Pfarrerbuch. Band 2. Presseverband der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf 1958, S. 291. Maria Lahusen: Verurteilt wegen Heimtücke (= Beiträge zum Widerstand 1933–1945. Heft 12). 3. Auflage. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1987 (Digitalisat). Lahusen, Johann Heinrich Gustav. In: Hartwig Ammann (Bearb.): Bremer Pfarrerbuch. Band 2: Die Pastoren. Biographische Angaben. Hauschild, Bremen 1996, ISBN 3-929902-96-6, S. 105.

Einzelnachweise

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