Volker Döring (* 16. August 1952 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Fotograf, der durch seine sozialdokumentarische Fotografie bekannt wurde.
Leben Er studierte an der Humboldt-Universität Berlin und arbeitete ab 1975 als Lehrer für Mathematik und Physik in Berlin-Prenzlauer Berg, zuletzt an der Hermann-Matern-Oberschule. Eine Promotion über philosophische Probleme der Mathematik wurde ihm vom Ministerium für Staatssicherheit verwehrt. 1984 begann er, als freiberuflicher Fotograf zu arbeiten und schloss 1987 eine entsprechende Berufsausbildung ab.
Wirken Seine Auftraggeber waren Theater und Kultureinrichtungen, pädagogische Zeitschriften und Musikzeitschriften. In seinem ersten freien Langzeitprojekt setzte er sich mit seiner beruflichen Vergangenheit, dem Thema DDR-Schule, auseinander. Mit seinen Aufnahmen dokumentierte er Kinder, Jugendliche und Lehrer im Unterricht, in der Pionierorganisation und der FDJ, bei der vormilitärischen Ausbildung, im Alltag, bei Aufmärschen und Rockkonzerten.
Im Herbst 1989 dokumentierte er die Großdemonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November, die Gründungsveranstaltung des Neuen Forums Prenzlauer Berg in der Gethsemanekirche am 10. November und Treffen von DDR-Kulturschaffenden mit Staatsfunktionären.
Neben seiner Arbeit für Werbeagenturen, Verlage und öffentliche Auftraggeber widmete er sich ab 1990 weiteren freien Fotoprojekten. Themen dieser Langzeitprojekte waren Projekte mit sozialen Randgruppen wie Obdachlosen, alleinreisenden minderjährigen Flüchtlingen, behinderten Menschen und jugendlichen Systemsprengern.
Von 1997 bis 2013 war er nebenberuflich Honorardozent für Fotografie beim Lette Verein Berlin. 2015 reduzierte er aus gesundheitlichen Gründen seine aktive fotografische Tätigkeit zugunsten der Arbeit an Publikationen und Ausstellungen. Als Retrospektive erschien 2022 der Bildband „ZeitNah. Fotografien 1979 bis 2014“ mit einem Essay des Journalisten Christoph Dieckmann und einem Text der Kunsthistorikerin Petra Schröck zu Dörings Fotografien im Kontext der ostdeutschen Autorenfotografie. Er ist im Künstlerverzeichnis der Stadt Hohen Neuendorf verzeichnet.
Mit dem Arbeiterfotografen Franz Kräft, den er seit 1984 kannte, verband ihn eine langjährige Freundschaft. Nach dessen Tod 1992 übergab er Kräfts Fotoarchiv der Robert-Havemann-Gesellschaft. In der Sammlung des dortigen Archivs der DDR-Opposition findet auch sein eigenes Archiv seinen Platz.
Werk und Rezeption In der Rezeption wird Döring wiederholt als dokumentarisch-nüchterner Chronist der DDR-Alltagsgeschichte eingeordnet, dessen Aufnahmen als historische Quellen relevant sind. So bezeichnete Bernt Roder, damaliger Leiter des Museum Pankow, Dörings Schulfotografien als „bedeutende Bildquellen des DDR-Schulalltages [...] zwischen 1984 und 1989 im ehemaligen Ostberliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg“. Die Historikerin Annette Leo hebt hervor, dass seine Schulbilder „gleichzeitig den ideologischen Anspruch und die Wirklichkeit” zeigen und so „hinter der Fassade der Normen und Rituale die Sehnsüchte der jungen Leute sichtbar” machen. Die Kunsthistorikerin Petra Schröck beschrieb ihn als „unprätentiöse[n] Beobachter und zugleich als beteiligte[n] Chronist[en]“, dessen Fotografien Brüche und Ambivalenzen des Alltags festhielten.
Der Journalist Christoph Dieckmann reihte Döring 2024 in der ZEIT in die „Kronzeugen unseres vorigen Lebens“ ein, zu denen er auch Evelyn Richter, Arno Fischer, Roger Melis, Christian Borchert, Harald Hauswald, Helga Paris und Sibylle Bergemann zählte. Auch das Berliner Stadtmagazin tip würdigte 2022 anlässlich seiner Retrospektive „ZeitNah“ sein „Bildwerk, das kaum zu unterschätzen“ sei.
Seine Fotos wurden unter anderem in SPIEGEL-Online-Fotostrecken zur Verfolgung von DDR-Punks, DDR-Randgruppen und zur DDR-Schulzeit verwendet. Der Stern veröffentlichte seine Fotografien im Artikel „Einer blieb da“ sowie als Titelbild der Stern-Beilage „Zeitgeschichte“ (das Foto entstand Ende der 1980er Jahre bei einem Rockkonzert).
Die Digitalisierung des Fotoarchivs von Volker Döring wird gefördert durch das Kulturwerk der Bildkunst. Ungefähr 100 Fotos von Döring sind in der Sammlung des Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu finden.
Seine Fotografien werden über die bpk-Bildagentur (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) vertrieben und u. a. über das Projekt German History in Documents and Images (German Historical Institute Washington) für historische Dokumentationen und Lehrmaterialien genutzt, ebenso im 32. Tätigkeitsbericht des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (2026), der ein Foto Dörings von DDR-Punks am „Beat Inn“ in Berlin-Weißensee (1988) als Bildquelle verwendet.Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: 32. Tätigkeitsbericht – Jahresbericht 2025. Drucksache 19/3375, Abgeordnetenhaus von Berlin, 23. Juni 2026, S. 51. Sein Werk ist Gegenstand aktueller kunst- und medienwissenschaftlicher Forschung.
Buchveröffentlichungen (Auswahl) Olle DDR. Eine Welt von gestern. mit J. Donath und R. Zöllner, Henschel Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-89487-162-8. A Tale of Two Germanys. mit J. M. Voss, atomium books, Wilmington (USA) 1990, ISBN 978-1-56182-017-7. Fröhlich sein und singen – Schule vor der Wende. Dietz Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-320-01915-5. Fotografen | 1988–2008. Fünf Orte, fünf Tage, ein Thema. Gemeinsam mit vier Kollegen, Verlag Ludwig, Kiel 2008, ISBN 978-3-937719-95-5. ZeitNah. Fotografien 1979 bis 2014. Lukas Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-86732-422-9.
Ausstellungen
Freie Projekte und Ausstellungen (Auswahl) 1986–1988: Die Meldung. DDR-Schule in den 1980er-Jahren. 1989 gezeigt im Berliner Haus des Lehrers am Alexanderplatz. 1993–1999: Alles ist anders – alles ist gleich – Alleinreisende minderjährige Flüchtlinge in Fürstenwalde. 1986 zunächst im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen in Potsdam, später im Stadtmuseum Berlin, Sammlung Kindheit und Jugend. 1997–1999: Wohnungslose in Fürstenwalde. Präsentiert in der dortigen Einkaufspassage. 1997–2001: Bist du mein Freund? Das Glockenspielorchester – Integration durch Musizieren. Wanderausstellung. 2001: Wie Kinder in Berlin wohnen. Stadtmuseum Berlin, Sammlung Kindheit und Jugend. 2003: Schulwege in Berlin. Stadtmuseum Berlin, Sammlung Kindheit und Jugend. 2012: Die Meldung. Kindheit und Jugend in der DDR. Museum Pankow. 2022: DDR-Bilder. Besucherzentrum der Stiftung Berliner Mauer. 2022: ZeitNah | Fotografien 1979 bis 2014. BrotfabrikGalerie, Berlin 2026: Menschenkinder – Kindermenschen. Fotografien von Kindern und Jugendlichen zwischen 1980 und 2024. Cornelsen Verlag.
Gruppenausstellungen 2008: Fotografen | 1988–2008. Fünf Orte, fünf Tage, ein Thema. Fotogalerie am Helsingforser Platz 2022: DDR – Fotos von Volker Döring aus den 1980er Jahren. Ausstellung auf dem Campus für Demokratie, Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Fotograf (20. Jahrhundert) Kategorie:Fotograf (21. Jahrhundert) Kategorie:Fotograf (Deutschland) Kategorie:Dokumentarfotograf Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1952 Kategorie:Mann