Marilynn B. Brewer (* 1942 in Chicago als Marilynn Bolt) ist eine US-amerikanische Sozialpsychologin und war bis zu ihrer Emeritierung Lehrstuhlinhaberin der Ohio State University.
Leben Marilynn B. Brewer studierte als erste in ihrer Familie und schloss 1963 das Bachelor of Arts Studium in Sozialwissenschaften im North Park College, Chicago, mit Auszeichnung ab. An der Northwestern University, Chicago, wurde sie im Jahr 1968 zum PhD in Psychologie promoviert.
Nach Tätigkeiten als Lehrende an der Loyola University Chicago, der University of California, Santa Barbara, der University of California, Los Angeles wurde sie Lehrstuhlinhaberin (mit Auszeichnung) der Ohio State University für Sozialpsychologie. Sie blieb bis zur Emeritierung im Jahr 2008 an dieser Universität in diesem Amt.
Brewer lebte ab 2008 in Sydney, Australien, trug in der University of New South Wales als Professorin h.c. weiter zum akademischen Leben bei und zog 2019 wieder in die Vereinigten Staaten nach Santa Barbara, Kalifornien.
Weitere Engagements Marilynn Brewer war in den 1980ern und 1990ern Präsidentin der folgenden Vereinigungen: American Psychological Society (1993 bis 1995), Western Psychological Association, Midwestern Psychological Association, Society for the Psychological Study of Social Issues (1984-85) und Society for Personality and Social Psychology (1990 bis 1991).
Sie war Redakteurin der Personality and Social Psychology Review und Mitredakteurin der Psychological Review, der Group Processes und der Intergroup Relations.
Forschungsschwerpunkte Neben ihrem Hauptgebiet gilt das Interesse von Brewer der sozialen Kognition, der Wahrnehmung und Kognition bei Individuen und Gruppen. Auch Beziehungen in Gruppen, Selbstkonzepte, Verzerrungen in der Wahrnehmung und ihre Transformation durch Umgebungen gehören zu ihren Fachgebieten.
Von Brewer in die Sozialpsychologie eingeführte Theorien mini|200x200px|Marilynn B. Brewers Theorie der optimalen Differenzierung von 1991 Auf Brewer gehen die Theorie der optimalen Differenzierung (= Optimal Distinctiveness Theory) des Individuums und die Theorie der Komplexität sozialer Identität (= Social Identity Complexity Theory) zurück.
Sie fand ihre Theorien durch Interviews und das Prüfen von Übersichtsdaten aus Ostafrika zu Beginn ihrer Laufbahn. Die Theorie der optimalen Differenzierung besagt, dass Personen in Gruppen sich widersprechende Motive von Zugehörigkeit (= Assimilation) und Unterschiedlichkeit (= Differentiation) empfinden und dass das Individuum nach einem inneren Gleichgewicht zwischen diesen beiden Polen strebt.
Die Theorie der Komplexität sozialer Identität besagt, dass Personen mit geringerer Komplexitätswahrnehmung ihrer Identität eher das Verbundenheitsgefühl, Personen mit höherer Komplexitätswahrnehmung ihrer Identität eher das Unterschiedlichkeitsgefühl zur Gruppe betonen. Dies hängt ihrer Meinung nach auch damit zusammen, dass sich Personen mit höherer Komplexitätswahrnehmung grundsätzlich sicherer fühlten und die gefühlte, stärkende Unterstützung durch die Gruppe weniger benötigten.
Positionen Brewer ist der Ansicht, dass man weg vom Fokus auf die negativen Bewertungen Anderer außerhalb der eigenen Gruppe und hin zum Fokus auf die positive Bewertung von Personen kommen solle, die man als zugehörig zur eigenen Gruppe sieht. Man solle versuchen, das entstehende, positive Gruppengefühl besonders zu stärken. Individuen innerhalb der eigenen Gruppen vertrauen sich eher gegenseitig. So könne man positivere Einschätzungen gegenüber anderen Personen (auch außerhalb der eigenen Gruppe) erzielen. Man solle versuchen, Individuen aus anderen Gruppen eher als Individuen denn als Gruppe zu sehen, was etwaige stereotype Zuschreibungen verringere und intergruppale Bewertungen auf eine interpersonale Ebene verschieben könne. Dies führe weg vom Negativen: „Woher kommt eine Person?“ und hin zum Positiveren: „Was kann jemand fachlich?“
Auszeichnungen
1995 (oder 1996Die verschiedenen Quellen geben verschiedene Jahreszahlen an.): Kurt Lewin Gedächtnispreis der Gesellschaft für psychologische Studien von der Society for the Psychological Study of Social Issues 1992 (oder 1993): Donald T. Campbell Preis für ihre Beiträge zur Sozialpsychologie von der Society for Personality and Social Psychology 2003 (oder 2004): Wissenschaftspreis von der Society of Experimental Social Psychology. 2004: Wahl zum Fellow der American Academy of Arts and Sciences 2007: Wissenschaftsbeitragspreis von der American Psychological Association 2026: Wahl zum Mitglied der National Academy of Sciences
Schriften (Auswahl)
Bücher
Social Psychology. West Group, Eagan, Minnesota 1994, ISBN 978-0-3140-2840-2. Zusammen mit Hewstone, M. (Hrsg.): Social cognition. Oxford, UK & Malden, MA: Blackwell, 2004, ISBN 978-1-4051-1070-9. Zusammen mit Hewstone, M. (Hrsg.): Self and social identity. Oxford, UK & Malden, MA: Blackwell, 2004, ISBN 978-1-4051-1069-3. Culture and Group Processes. Oxford University Press, Oxford 2013, ISBN 978-0-1999-8548-7.
Zusammen mit Crano, W. D., Lac, A.: Principles and methods of social research (4th ed.). New York: Routledge, (Zuerst 2014) 2023, ISBN 978-1-0322-2240-0.
Zeitschriftenartikel
Zusammen mit B. Ann Bettencourt, Norman Miller: Cooperation and the reduction of intergroup bias: The role of reward structure and social orientation. In: Journal of Experimental Social Psychology, 1992, S. 301–319, DOI:10.1016/0022-1031(92)90048-O. Zusammen mit Gardner, W.: Who is this "we"? Levels of collective identity and self representations. In: Journal of Personality and Social Psychology, 71, 1996, S. 83–93. The psychology of prejudice: Ingroup love or outgroup hate? In: Journal of Social Issues, 55 (3), 1999, S. 429–444. Zusammen mit Roccas, S.: Social identity complexity. Personality and Social Psychology Review, 6, 2002, S. 88–106. Zusammen mit Pierce, K.P.: Social identity complexity and outgroup tolerance. In: Personality and Social Psychology Bulletin, 31, 2005, S. 428–437.
Zusammen mit Chen, Y.: Where (who) are collectives in collectivism: Toward a conceptual clarification of individualism and collectivism. In: Psychological Review, 114, 2007, S. 133–151. The importance of being we: human nature and intergroup relations. In: American Psychology 62/8, 2007, S. 726–738, DOI:10.1037/0003-066X.62.8.728.
Effects of race and political identity on interpersonal cooperation: A secondary analysis and replication. In: Political Psychology, 47, 2026, DOI:10.1111/pops.70047.
Weblinks
Homepage der Ohio State University Zitierte Werke nach Zahlen und Jahren bei Google Scholar Zitierte Werke nach Zahlen und Jahren bei Science Direct
Einzelnachweise
Kategorie:Sozialpsychologe Kategorie:Hochschullehrer (Chicago) Kategorie:Hochschullehrer (Kalifornien) Kategorie:Hochschullehrer (New South Wales) Kategorie:Hochschullehrer (Ohio State University) Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1942 Kategorie:Frau