Das Museum Hohenasperg (Hohenasperg – Ein deutsches Gefängnis) ist ein Museum der Stadt Asperg in Baden-Württemberg. Es wurde 2010 im Arsenalbau der Festung Hohenasperg eröffnet und wird als Zweigmuseum des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg von der Stadt Asperg betrieben.
Geschichte Die ehemalige Festung dient seit Anfang des 18. Jahrhunderts als württembergisches Gefängnis. Zu den ersten prominenten Gefangenen gehörte der Hoffaktor Joseph Süß Oppenheimer, der 1738 Opfer eines Justizmordes wurde. Zu den sieben Frauen unter den Inhaftierten gehörte Marianne Pirker. Als politisches Gefängnis wurde der Hohenasperg als „Tränenberg“, „Demokratenbuckel“ oder „Hausberg der schwäbischen Intelligenz“ über die Grenzen des Herzogtums und späteren Königreichs bekannt. Auf den Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart folgten demokratische Vorkämpfer aus der Zeit des Vormärz und der Deutschen Revolution 1848/1849.Franziska Dunkel: Weithin sichtbar wegschließen – Das Gefängnis auf dem Hohenasperg. In: Schwäbische Heimat. Heft 1, 2011. S. 5–13. Von den 652 Gefangenen in 1851 waren 246 aus politischen Gründen inhaftiert.Albrecht Krause, Erich Viehöfer: Auf den Bergen der Freiheit. Der Hohenasperg und das Gericht über die Revolution. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart 1998, ISBN 3-933726-11-5. S. 56.
Die Anlage diente 1870/1871 und von 1914 bis 1918 als Kriegsgefangenenlager. Im Jahr 1883 zog die Garnison ab und der Hohenasperg wurde Zweigstelle des Zuchthauses in Ludwigsburg, die sich nach der Jahrhundertwende auf invalide und „geisteskranke“ Strafgefangene spezialisierte. Nach 1933 saßen dort Verfolgte des Nationalsozialismus ein. Die Festung diente zudem als Sammellager für Sinti und Roma. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs waren Täter des NS-Regimes inhaftiert sowie ein Internierungslager zur Entnazifizierung eingerichtet.
Die Strafanstalt wurde bis 1953 zum Zentralkrankenhaus umgebaut, das seit 1968 Justizvollzugskrankenhaus des Landes ist. Es nahm unter anderen zeitweise Günter Sonnenberg, Helmut Palmer und Peter Graf auf.
Erste Pläne, auf dem Hohenasperg ein Museum einzurichten, gab es in den 1930er Jahren. In den 1980er Jahren gab es Pläne, eine „Gedenkstätte für die freiheitlich-demokratische Bewegung“ mit einem Tagungszentrum einzurichten. Die Umnutzung der gesamten Festungsanlage scheiterte an den hohen Kosten, unter anderem für den Umzug des Vollzugskrankenhauses. Nach Schließung der Krankenpflegeschule im Mansardgeschoss des Arsenalbaus ergab sich 2008 die Möglichkeit, dort ein Museum einzurichten.
Die Dauerausstellung wurde als dezentrale Einrichtung des Hauses der Geschichte Baden-Württembergs unter der Leitung von Paula Lutum-Lenger von der Kuratorin Franziska Dunkel erarbeitet. Sie zeigt am Beispiel von 23 Biographien sowie Objekten, wie sich die Strafe des Freiheitsentzugs über drei Jahrzehnte hinweg entwickelt hat. Das Museum wurde am 16. Juli 2010 eröffnet. Ein Förderverein besteht seit 1996.foerderverein-hohenasperg.de: Museum auf dem Hohenasperg. Abgerufen am 14. Juli 2026.
Liste der dargestellten Biographien (Auswahl) Joseph Süß Oppenheimer (1698–1738), Hoffaktor des Herzogs Carl Alexander von Württemberg Marianne Pirker (1717–1782), Opernsängerin Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791), Dichter, Organist, Komponist und Journalist Friedrich List (1789–1846), Wirtschaftstheoretiker, Unternehmer, Diplomat und Eisenbahn-Pionier Georg David Hardegg (1812–1879), Kaufmann Gottlieb Rau (1816–1854), Industrieller, Publizist und Politiker Gustav Friedrich Werner (1809–1870), Cafetier und Tiergartenbesitzer Gustav Adolph Rösler (1818–1855), Lehrer, Journalist und Politiker Constantin von Waldburg-Zeil (1807–1862), Königlich Württembergischer Standesherr, Königlich Bayerischer Reichsrat, Grundherr in Baden und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Ludwig Schaller (1824–1871), Turner und Kaufmann Walter Häbich (1904–1934), Politiker Eugen Bolz (1881–1945), Politiker Klaus Mehnert (1906–1984), Journalist, Publizist und Hochschullehrer Karl Jäger (1888–1959), SS-Funktionär Günter Sonnenberg (* 1954), ehemaliges Mitglied der RAF
Siehe auch Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg
Literatur Albrecht Krause, Erich Viehöfer: Auf den Bergen der Freiheit. Der Hohenasperg und das Gericht über die Revolution. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart 1998, ISBN 3-933726-11-5. Franziska Dunkel (Hrsg.): Hohenasperg – Ein deutsches Gefängnis. Zweigmuseum des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Arsenalbau der Festung Hohenasperg. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-933726-36-0. Sabine Liebig, Dieter Grupp: Hohenasperg – Ein deutsches Gefängnis. Handreichung für Schulen Sekundarstufe I und II. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-933726-37-7.
Weblinks
Webpräsenz beim Haus der Geschichte Baden-Württemberg Webpräsenz des Fördervereins
Belege
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