Maitreyi (Sanskrit मैत्रेयी, Maitreyī) ist eine Philosophin der altindischen Brihadaranyaka-Upanishad, eines um 700 v. Chr. entstandenen Sanskrittextes über metaphysische und ethische Fragen. Sie trat als Gesprächspartnerin Yajnavalkyas auf, welche den Zusammenhang von Reichtum, Unsterblichkeit, Selbsterkenntnis und einem wertvollen Leben zur Diskussion stellt.
Leben und Wirken Die Überlieferung bietet keine fortlaufende Lebensbeschreibung, sondern führt Maitreyi in einer häuslichen Rahmenerzählung als eine von zwei Frauen Yajnavalkyas neben Katyayani ein. Sie wird als Seherin, Philosophin oder Brahmavadini charakterisiert.
Als Yajnavalkya seinen Besitz aufteilen und sein bisheriges Leben verlassen will, fragt Maitreyi, ob selbst der Reichtum der ganzen Welt ihr Unsterblichkeit verschaffen könne. Nachdem er dies verneint, weist sie den angebotenen Besitz zurück und verlangt stattdessen das Wissen, nach dem er selbst strebt. Maitreyis Frage verlagert das Gespräch von der Verteilung materiellen Eigentums auf die Bedingung eines nicht durch Besitz begrenzten Lebens, da Reichtum zwar ein wohlhabendes Dasein, nicht aber Unsterblichkeit ermögliche. Sie eröffnet damit die Erörterung des Atman, des Selbst, und seines Verhältnisses zu Wissen und Wirklichkeit; ihre Rolle entspricht zugleich der dialogischen Lehrform der Upanishaden, die abstrakte Gedanken durch Gespräche, Fragen und Antworten entfalten. Der Text legt die ausführliche Belehrung Yajnavalkya in den Mund, doch Maitreyi setzt durch ihre Zurückweisung des Besitzes und ihr beharrliches Fragen das philosophische Problem und den Fortgang des Dialogs in Gang.
Ihre Ausgangsfrage wurde später als prägnante Formulierung der Grenzen materiellen Wohlstands und des Unterschieds zwischen Einkommen und einem als wertvoll empfundenen Leben rezipiert. Amartya Sen stellte die Episode an den Anfang seines Buches Development as Freedom und nutzte sie zur Unterscheidung zwischen materiellem Zugewinn und den tatsächlichen Freiheiten zur Führung eines selbstbestimmten Lebens. Maitreyi gilt heute in der Philosophiegeschichte als eine der häufig übergangenen nichtwestlichen Denkerinnen der Antike. Die Graphic Novel Aranyaka: Book of the Forest von Devdutt Pattanaik und Amruta Patil griff die upanishadische Figurenkonstellation 2019 neu auf und gestaltete Maitreyi als „Maitreyi the Fig“. Das 1967 gegründete Maitreyi College der Universität Delhi trägt ihren Namen und beruft sich mit ihm auf das Streben nach Wissen unabhängig von Geschlecht und sozialer Herkunft.
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