Der Zauberer Aflatun ist ein pakistanisches Märchen.Annemarie Schimmel (Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Pakistan. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 133–139, 279.

Handlung Ein junger König, dessen Vater einst dem Zauberer Aflatun, in Anerkennung seiner wundertätigen Fähigkeiten, Land gegeben hatte, erkennt den Anspruch des Zauberers darauf nicht an. Also schickt Aflatun seinen Sohn zum König, bei dem dieser aus einem Mangokern im Nu einen Mangobaum mit Früchten wachsen lässt, jedoch erkennt der König auch das Wunder nicht an und der Sohn des Zauberers wird ins Gefängnis geworfen. Aflatun bittet daraufhin um dessen Freilassung, was ihm gewährt wird, und bietet dem König an, ihm die Vollkommenheit seiner Magie zu zeigen, worauf der König eingeht.

Am nächsten Morgen treffen sie sich an einem Brunnen, in den sich Aflatun und der König hinabseilen lassen und am Boden angekommen rezitiert Aflatun einige Zaubersprüche, woraufhin sich eine Tür öffnet. Durch diese tretend, gelangen sie in eine andere Welt, in der sie eine Residenzstadt erblicken und Aflatun gibt dem König etwas Geld, um etwas zu essen zu besorgen. In der Stadt sieht der König jedoch die frisch gebadete Prinzessin beim Trocknen ihrer Haare am Fenster des Palastes, also beginnt er, sie zu begehren. Um mit ihr zusammenzukommen, unterschreibt er einen Vertrag, demzufolge der Aflatun sein Land wiederbekommen würde, wenn die Zusammenführung gelänge. Aflatun reibt ihm daraufhin eine magische Salbe in die Augen, durch die der König alles sehen kann, aber niemand ihn.

Unsichtbar gelangt der König so zur Prinzessin in den Palast, wodurch sie schwanger wird und ihrem Vater, dem Kaiser, nur erklären kann, dass stets des Nachts etwas kommt, was sie nicht sieht, und sich mit ihr vereinigt. Sofort werden Astrologen gerufen, die der Augensalbe auf die Schliche kommen und dazu raten, im Zimmer der Prinzessin rohe Zwiebeln sowie feingemahlenen Pfeffer auszulegen. Als der König dann erneut erscheint, tränen ihm die Augen, sodass die Salbe aus ihnen fließt, er sichtbar und ergriffen wird.

Aflatun erfährt davon und legt dem König ein Halsband um, wodurch er ein Hund wird. Diesen sollen die Soldaten des Kaisers erschlagen, jedoch verdoppelt er sich dadurch und jeder weitere geschlagene Hund ebenfalls, sodass die Stadt von einer Hundeplage heimgesucht wird. In der Folge wird ein Zauberer-Derwisch gerufen, der den Rat erteilt, die Prinzessin mit dem obersten der Hunde zu vermählen, um der Plage Herr zu werden. Dem Kaiser bleibt nichts anderes übrig, als den Rat zu befolgen. Als der König später aber das Halsband abnimmt und der Kaiser einen wohlgeratenen Jüngling erblickt, ist er höchst zufrieden.

Nach der Geburt seines Sohnes wandert der König eines Tages umher, wodurch er wieder auf Aflatun trifft. Dieser nimmt ihn mit in die Oberwelt, wo herauskommt, dass nur wenig mehr als eine Stunde vergangen ist. Also gibt der König Aflatun, nachdem er die Vollkommenheit seiner Magie erfahren hatte, sein Land zurück.

Hintergrund Das Märchen wurde von Ghulām Rasūl Dschatō’ī erzählt und erhielt in Annemarie Schimmels Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Pakistan (Düsseldorf / Köln 1980) den Titel Der Zauberer Aflatun. Nach Schimmel ist Aflāṭūn Plato, der in der islamischen Folklore oft als Zauberer auftrete. Nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk Literature (Kopenhagen 1955–1958, 6 Bände) wurde das Märchen dem Motiv D 2012: Die Relativität der Zeit zugeordnet.

Literatur Annemarie Schimmel (Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Pakistan. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 133–139, 279.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Pakistan) Kategorie:Märchen