mini|Madeleine Landolt, 2009 in Prag mini|Madeleine Landolt an der Expo in Murten, 2002 Madeleine Landolt (* 1. Oktober 1945 in Schaffhausen; † 13. Juli 2026 in Prag) war eine Schweizer Politikerin (SGA Sozialistisch Grüne Alternative, heute: Alternative – die Grünen Zug). Sie war von 1986 bis 1992 Zuger Kantonsrätin.
Leben Madeleine Landolt wuchs in Steinhausen im «Hammer», einer von der Gewerkschaft SMUV gebauten Arbeitersiedlung, auf. Ihr Vater, Thomas Landolt, arbeitete als Mechaniker in der Zuger Firma Landis & Gyr. Ihre Mutter, Klara Landolt, war gelernte Keramikmalerin. Beide Eltern engagierten sich bei den religiösen Sozialisten und wurden vom Gedankengut von Leonhard Ragaz geprägt. Klara war in Steinhausen von 1983 bis 1986 Gemeinderätin (SP). Madeleine war das Älteste von vier Kindern. Ihre Geschwister heissen Beatrice, Brigit und Thomas.
Madeleine Landolt absolvierte eine Berufsausbildung zur Hochbauzeichnerin, damals ein typischer Männerberuf. Sie arbeitete viele Jahre auf ihrem Beruf. Später leitete sie bis zu ihrer Frühpensionierung das Dokumentationszentrum Doku-Zug.
Nach dem Prager Frühling 1968 verbrachte Madeleine Landolt eineinhalb Jahre in Prag. Sie lernte dort ihren tschechischen Ehemann kennen. Die beiden heirateten und kehrten 1970 gemeinsam in die Schweiz zurück. Die Ehe wurde nach wenigen Jahren geschieden.
Schon früh engagierte sich Madeleine Landolt politisch. Als Sechzehnjährige nahm sie an den Ostermärschen gegen die Atombewaffnung teil. Als Zwanzigjährige trat sie in die Partei der Arbeit (PdA) ein, trat aber nach ein paar Jahren wieder aus. 1973 wechselte sie in die Sozialdemokratische Partei (SP), welche sie zehn Jahre später wieder verliess. Madeleine Landolt war ein aktives Gewerkschaftsmitglied bei der Gewerkschaft Bau und Holz (GBH) – heute Unia. Ab 1980 war sie Delegierte im Zuger Gewerkschaftsbund. Weiter engagierte sie sich in der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA), im WWF und in der Zentralamerika Solidaritätsbewegung. Im Rahmen einer schweizerischen Friedensbrigade leistete sie 1985 einen Arbeitseinsatz als Erntehelferin in Nicaragua und 1987 war sie Teilnehmerin am internationalen Weihnachtskonvoi in El Salvador. Ebenso 1987 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der «IG für eine biologische Zuger Landwirtschaft», die sich zum Ziel gesetzt hatte, alle Bauernhöfe im Kanton Zug auf Biolandwirtschaft umzustellen.
Als Parteilose wurde Madeleine Landolt 1986 in den Zuger Kantonsrat gewählt. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Sozialistisch Grünen Alternative (SGA) in Zug. Vier Jahre später wurde sie als SGA-Kantonsrätin wiedergewählt und hatte zusätzlich das Amt als Fraktionschefin inne.
Madeleine Landolt kandidierte 1990 auf einer gemeinsamen Liste von SP und SGA für die städtische Exekutive. Gewählt wurden die beiden SP-Männer, während sie mit nur 157 Stimmen weniger die Wahl verpasste.
Obwohl meistens in der Minderheit, verzeichnete Madeleine Landolts Arbeit im Kantonsrat Erfolge oder sorgte zumindest für Aufsehen. So gelang es ihr, die Kantonsrätinnen aus allen Fraktionen hinter der Forderung nach einem kantonalen Büro für die Gleichstellung zu vereinen. Dieses wurde dann 1991 von einer Mehrheit des Zuger Kantonsrats, wenn auch nur befristet, gutgeheissen.
Öffentliche Beachtung und heftige Ablehnung von bürgerlicher Seite fand Madeleine Landolts Vorstoss vom 30. Dezember 1991. Die «Interpellation Madeleine Landolt zur kantonalen Beteiligung an der Philipp-Etter-Gedenkfeier» stellte kritische Fragen zur Laudatio des damaligen Zuger Landammanns anlässlich einer Gedenkfeier für den verstorbenen Bundesrat Philipp Etter.
Im Sommer 1992 gab Madeleine Landolt ihren Rücktritt aus dem Kantonsrat per Ende Jahr bekannt. Sie wollte sich wieder mehr der Basisarbeit zuwenden. Arbeiterrechte, Integration von Flüchtlingen, Frauenpolitik und Ökologie standen auf ihrem Programm sowie die Mitarbeit im Vorstand der SGA der Stadt Zug, zeitweise als deren Präsidentin.
Nach ihrer Pensionierung 2005 wanderte Madeleine Landolt nach Tschechien aus. Sie bezog im Prager Stadtteil Libeň eine Loftwohnung in einer umgenutzten ehemaligen Hutfabrik. Madeleine Landolt lebte bis zu ihrem Tod in Prag, wo sie sich für Roma- und für Flüchtlingskinder einsetzte und in deren Betreuung mitarbeitete.
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