Die Louis Rosenkranz Fleischwarenfabrik war ein familiengeführtes Unternehmen der Fleischindustrie in Hagen. Der 1845 als Schlachterei gegründete Betrieb wurde über vier Generationen von der Metzgerfamilie Rosenkranz geführt und unterhielt in den 1960er Jahren neben der Fabrik bis zu 20 Verkaufsstellen im Raum Hagen. Nach 146 Jahren meldete das Unternehmen im Juli 1991 Konkurs an. Die Familie Rosenkranz zählt nach Darstellung des Hagener Heimatbunds zu den ältesten Fleischerhandwerker-Familien Deutschlands.
Geschichte
Gründung und Kaiserzeit (1845–1918) Als Gründer der Schlachterei an der Körnerstraße nahe dem Hagener Rathaus nennt die Firmenüberlieferung „Hans Louis Rosenkranz“, der den Betrieb 1845 eröffnete; daneben führte das Unternehmen in seiner Werbung auch 1837 als Traditionsjahr.Jens Bergmann, Liselotte Funcke u. a.: Wo unsere Eltern einkauften. Hagener Heimatbund, Hagen 2016, S. 36 ff. und S. 178 ff.Liselotte Funcke: Hagener Industriebetriebe. Tuche, Sensen, Federn, Stahl. Ardenku-Verlag, Hagen 2003, ISBN 3-932070-44-5, S. 56–57. Die Schlachttiere wurden zunächst in eigenen Ställen neben dem Geschäft gehalten. Nach der Eröffnung des Hagener Schlachthofs 1888 erfolgte der Transport der geschlachteten Tiere mit Pferdefuhrwerken, ab 1922 mit dem ersten firmeneigenen Lieferwagen. Unter Louis Rosenkranz II. (1847–1905) entstand um 1897/98 ein repräsentatives Geschäftshaus am Stammsitz Körnerstraße 16 (heute Mittelstraße 28). Nach dessen Tod übernahm 1905 der Enkel des Gründers, Louis Rosenkranz III. (1875–1964), das Unternehmen.
Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg (1918–1945) 1925 errichtete das Unternehmen am Stammsitz ein größeres Fabrikgebäude mit Kühlhäusern; die Söhne Karl und Hans Rosenkranz wurden Mitinhaber. In den 1920er und 1930er Jahren kamen Zweigverkaufsstellen hinzu, unter anderem 1927 an der Altenhagener Straße 82. Karl Rosenkranz wurde im November 1941 zum Hagener Kreishandwerksmeister ernannt.Karl Rosenkranz neuer Kreishandwerksmeister. In: Hagener Zeitung. Nr. 268, 15. November 1941. Bei den Luftangriffen auf Hagen 1943 und 1945 wurde die Fabrik schwer beschädigt.
Wiederaufbau und Expansion (1945–1984) In der unmittelbaren Nachkriegszeit belieferte das Unternehmen die Hagener Schulspeisung; die „Rosenkranz-Wurstbrühe“ war für viele Hagener Schulkinder die einzige warme Mahlzeit des Tages. Bis 1956 wurde der Stammsitz wieder aufgebaut; im selben Jahr erhielt das Ladenlokal im Eckhaus Badstraße/Körnerstraße eine neue große Verkaufstheke.Stadtarchiv Hagen: Fotoalbum Handel & Gewerbe in und um Hagen. Beitrag vom 13. Juli 2018 mit Foto der 1956 eingerichteten Verkaufstheke (Aufnahme um 1958). facebook.com, abgerufen am 14. Juli 2026.
Nach dem Tod von Louis Rosenkranz III. (1964) und seines Sohnes Karl führte Hans Rosenkranz das Unternehmen allein. Er verlegte die Produktion 1966/67 in ein neu errichtetes Werk an der Lenne im Stadtteil Helfe. Dort verarbeitete das Unternehmen um 1967 monatlich rund 200.000 Kilogramm Fleisch im Fließbandsystem und beschäftigte 220 Mitarbeiter in Fabrikation und Verkauf. Das Filialnetz erreichte in dieser Zeit mit rund 20 Verkaufsstellen seinen Höchststand.
Mit der Eröffnung der Hagener Markthalle an der Elberfelder Straße am 28. Juni 1984 wurde Rosenkranz deren größter Mieter: mit der Fleisch- und Wursttheke am Haupteingang, einem warmen Imbiss, einem Käsestand und einem Weinkeller. Die Mettbrötchen des Standes – täglich wurden dort mehr als 50 Kilogramm frisches Mett verkauft – waren in Hagen weithin bekannt.Jens Bergmann: Die Markthalle 1984–1999. In: Hagenbuch 2020. Ardenku-Verlag, Hagen 2020.
Niedergang und Konkurs (1984–1991) In den 1980er Jahren geriet das Unternehmen durch die Konkurrenz von Großmärkten und Discountern zunehmend unter Druck; die Zahl der Verkaufsstellen ging zurück. Nach dem Scheitern von Übernahmeverhandlungen mit der Wescho-Gruppe meldete die Fleischwarenfabrik Rosenkranz GmbH am 17. Juli 1991 Konkurs an. Betroffen waren rund 320 Beschäftigte, davon 120 im Werk Helfe, sowie 18 Filialen.Firma Rosenkranz in Konkurs. In: Westfalenpost. Nr. 166, 18. Juli 1991.Rosenkranz in Konkurs. In: Westfälische Rundschau. 18. Juli 1991. Der geschäftsführende Gesellschafter Lutz Rosenkranz hatte nach Presseberichten zuvor Privatkapital in Millionenhöhe zur Rettung des Unternehmens eingesetzt. Die Wescho-Gruppe übernahm 14 der 18 Filialen aus der Konkursmasse; 1992/93 gingen die Standorte an das Unternehmen Dornseifer über.
Inhaberfolge Zeitraum Inhaber Anmerkung 1845 bis ? „Hans Louis“ Rosenkranz (Gründergeneration) Gründung an der Körnerstraße bis 1905 Louis Rosenkranz II. (1847–1905) Neubau des Geschäftshauses 1897/98 1905–1964 Louis Rosenkranz III. (1875–1964) Fabrikneubau 1925 ab 1925 Mitinhaber Karl und Hans Rosenkranz Söhne von Louis III. 1964 bis in die 1980er Jahre Hans Rosenkranz Neubau des Lenne-Werks 1966/67 bis 1991 Lutz Rosenkranz Konkurs am 17. Juli 1991
Die Metzgerfamilie Rosenkranz Die Hagener Rosenkranz-Metzgerlinien gehen nach Darstellung des Hagener Heimatbunds auf den 1761 geborenen Johann Wilhelm Rosenkranz zurück, der in der Freiheit Wetter (Ruhr) die Metzgertradition der Familie begründete. Im Hagener Adressbuch von 1932 waren neun Metzgermeister namens Rosenkranz verzeichnet; der Heimatbund zählt die Familie deshalb „zu den ältesten Handwerkerfamilien der Bundesrepublik“. Träger des Stammbetriebs an der Körnerstraße war die Linie Louis Rosenkranz, der auch der Kreishandwerksmeister Karl Rosenkranz angehörte.
Daneben bestanden Betriebe und Bauten weiterer Familienzweige: Die Wurst- und Fleischwarenfabrik Albrecht Rosenkranz in Hagen-Vorhalle wurde 1877 von Albrecht Rosenkranz, einem Vetter von Louis Rosenkranz, an der Reichsbahnstraße 29 gegründet und bestand – zuletzt als Hersteller von Dosenwurst – ebenfalls bis 1991. In Herdecke ließ ein Metzgermeister Rosenkranz um 1900 die sogenannte Kotelett-Villa erbauen, ein großbürgerliches Wohnhaus, dessen volkstümlicher Name auf den Beruf des Bauherrn anspielt. Die denkmalgeschützte Villa brannte 2016 aus und wurde 2017 abgerissen.Feuer hat Denkmal-Villa in Herdecke völlig zerstört. In: Westfalenpost. 6. Dezember 2016 (wp.de).
Literatur Jens Bergmann, Liselotte Funcke u. a.: Wo unsere Eltern einkauften. Hagener Heimatbund, Hagen 2016. Liselotte Funcke: Hagener Industriebetriebe. Tuche, Sensen, Federn, Stahl. Ardenku-Verlag, Hagen 2003, ISBN 3-932070-44-5, S. 56–57. Jens Bergmann: Die Markthalle 1984–1999. In: Hagenbuch 2020. Ardenku-Verlag, Hagen 2020.
Einzelnachweise
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