Theeßen ist eine Ortschaft und ein Ortsteil von Möckern im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt.

Geografie Theeßen ist ein ländlich geprägter Ort. Während es zur Kreisstadt Burg (bei Magdeburg) über die Landesstraße 52 nur 14 Kilometer sind, liegt das Stadtzentrum von Möckern 19 Kilometer südlich entfernt und ist nur über untergeordnete Kreisstraßen zu erreichen. Überregional liegt Theeßen mit der nur 1,5 Kilometer südöstlich gelegenen Anschlussstelle Theeßen der Autobahn A 2 verkehrsgünstig. Der Ort liegt im Landschaftsschutzgebiet Möckern-Magdeburgerforth, umgeben von den Wäldern der Stresower Heide und des Wüstenjerichower Forstes, die nur ein kleines Areal landwirtschaftlicher Flächen um das Dorf herum freigeben. Theeßen liegt auf einer Höhe von 57 Metern, vier Kilometer südöstlich erhebt sich jedoch der 96,7 Meter hohe Große Ziegelberg. Durch den Ort fließt der Bach Bache. Die höchste Erhebung befindet sich mit einer Höhe von 80 m etwa 2,3 km südlich von Theeßen am Rande des Räckendorfer Wegs.

Die Feldflur Theeßen umfasst ein Gebiet von 22,04 km². Im Nordwesten grenzt das Gebiet an die Bache, im Nordosten an das Naturschutzgebiet Ringelsdorf sowie den 70 m hohen Großen Kiehnberg.

Die Flurgrenze verläuft von Norden in Richtung Süden an der Feldflur Küsel entlang des Hohen Felds bis zur Nieplitzer Heide. Hier findet sich auch das Quellgebiet des Silberbachs. Im Süden trifft die Grenze auf die Feldflur Hohenziatz mit dem 74 m hohen Backofenberg. Anschließend verläuft die Grenze entlang der Ihle bis kurz vor Friedensau, wo sie einen Knick macht und in Nordöstlicher Richtung durch die Stresower Heide und den Kähnerter Forst führt.

Neben dem Ortsteil Theeßen gehörte bis zur Eingemeindung am 19. Januar 2008 auch der Ortsteil Räckendorf zu Theeßen. Zur heutigen Feldflur Theeßen gehören die Wüstungen Portez, Nieplitz und Spühlkrug.

Zu Theeßen gehören zudem die Siedlungsplätze Waldsiedlung westlich von Theeßen und Birkenbusch südöstlich von Theeßen unterhalb der Autobahnabfahrt.

Geschichte

Erste urkundliche Erwähnung und Etablierung des Rittergutes Die Ortschaft Theeßen wurde im Jahr 1296 im Zusammenhang mit einer Besitzübertragung an das Kloster Jerichow erstmals urkundlich erwähnt. Im 15. Jahrhundert befand sich Theeßen im Lehnsbesitz der Adelsfamilie von Kracht. So dokumentiert das Lehnbuch des Magdeburger Erzbischofs Friedrich III. für das Jahr 1446, dass der Adlige Achim von Kracht Theeßen zusammen mit dem Rittergut Krüssau und anderen Ländereien als Lehen erhielt. Eine weitere urkundliche Bestätigung datiert auf das Jahr 1467, als Erzbischof Johann von Pfalz-Simmern das Lehen über das Dorf Theeßen an Werner von Kracht übertrug. Im frühen 16. Jahrhundert wechselte die Herrschaft, und die märkische Adelsfamilie von Arnim prägte fortan die Entwicklung des Dorfes. Lippold I. von Arnim erwarb 1507 umfangreiche Ländereien im Erzbistum Magdeburg, zu denen auch Theeßen zählte. Auf den Resten einer mittelalterlichen Wasserburg ließ die Familie das Rittergut Theeßen errichten. Dieses bestand über Jahrhunderte als rechtlich eigenständige Einrichtung neben der eigentlichen Dorfgemeinde. alt=Siedlungs- und Wüstungskarte der Kreise Jerichow I und Jerichow II von Gustav Reischel (1930)|mini|Siedlungs- und Wüstungskarte der Kreise Jerichow I und Jerichow II von Gustav Reischel (1930)

Dreißigjähriger Krieg und Preußen Die geografische Lage an der alten Heerstraße Brandenburg-Magdeburg wirkte sich auf die kleine Ortschaft sowohl positiv als auch negativ aus. Sie förderte zwar die wirtschaftliche Vernetzung, machte den Ort in Kriegszeiten jedoch zum Durchzugsgebiet für Truppen. Besonders während des Dreißigjährigen Krieges litt das Dorf stark unter Einquartierungen und Plünderungen, nachfolgende Seuchen und Hungersnöte sorgten dafür, dass sich die Bevölkerungszahl nahezu halbierte.

Nach der Säkularisation des Erzbistums Magdeburg im Jahr 1648 fiel die Landesherrschaft an Brandenburg-Preußen. Im Zuge der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Theeßen dem Landkreis Jerichow I mit Sitz in Burg zugeordnet. Das Rittergut ging später in den Besitz der Familie von Pieschel über.

Infrastrukturelle Entwicklung Ein wichtiger infrastruktureller Einschnitt für den landwirtschaftlich geprägten Ort war der Bau der Kleinbahnen des Kreises Jerichow I. Obwohl die Hauptstrecke Burg–Ziesar bereits 1896 eröffnet wurde, erhielt Theeßen erst 1914 einen eigenen Haltepunkt bei Streckenkilometer 16,8. Der Bahnbetrieb prägte das Dorf bis zur endgültigen Stilllegung der Strecke im September 1965.

In den Jahren 1933 bis 1934 wurde südlich von Theeßen der Streckenabschnitt 4 der heutigen Bundesautobahn 2 (A 2) gebaut. Dies führte in der Folgezeit zur Entstehung eines Autohofes und veränderte die verkehrsgeografische Bedeutung des Ortes nachhaltig.

Demografie und Verwaltungsreformen Im Jahr 1910 lebten in der bäuerlichen Landgemeinde Theeßen 235 Einwohner, während der von der Familie von Pieschel geführte Gutsbezirk 58 Bewohner zählte. Am 30. September 1928 wurde dieser Gutsbezirk im Zuge einer preußischen Kreisreform rechtlich mit der Landgemeinde vereinigt. Danach wuchs die Bevölkerung kontinuierlich an 1939 wurden 404 Einwohner gezählt, im Jahr 1964 waren es bereits 474. In der Zeit der DDR wurde das Gutsgebäude enteignet und fortan als Schule genutzt. Administrativ gehörte Theeßen ab der Gebietsreform von 1952 zum Kreis Burg.

Nachwendezeit und Eingemeindung Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 kam Theeßen zum neu gebildeten Landkreis Jerichower Land. Im Bereich der Infrastruktur wurde am 16. Oktober 2007 eine neue Autobahnmeisterei an der A 2 in Betrieb genommen. Zum 19. Januar 2008 endete die kommunale Selbstständigkeit Theeßens durch die Eingemeindung in die Stadt Möckern.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2008

Namensherkunft Der Name der Ortschaft Theeßen hat eine slawische Herkunft. In der Region, zu der auch Theeßen gehört, haben viele Ortsnamen slawische Wurzeln, was auf die slawische Besiedlung und Einflüsse in der Gegend zurückzuführen ist. Der Name Theeßen selbst leitet sich wahrscheinlich von einem geografischen Merkmal ab, was typisch für slawische Ortsnamen ist.

Ein weiterer Ansatz könnte die Analyse von altslawischen Wortstämmen sein, die im Namen Theeßen enthalten sein könnten. Wörter wie „tis“ (Eibe) oder „tisina“ (Ruhe, Stille) könnten als Grundlage dienen.

Der Eiben Zweig wird zudem seit 2007 im Wappen des Ortes geführt. Ortsname Jahr der Nennung Quelle der Nennung1296 Thesen13681381Lehnbuch der Erzbischöfe Albrecht III. und PeterThiezzin1381Lehnbuch der Erzbischöfe Albrecht III. und PeterThesin1382Teczin1383Tetzem1509Tessen1562Toesen1682 Karte „Circulus Saxoniae Inferiorus“ von Frederick de WitTossen1740 Karte „Geographische Charte des Herzogthums Magdenburg und Halle“ von Peter Schenk der JüngereTösen1788 Karte „Saxoniae Tractus Ducatum Magdebur Gensem cum suo Circulo Salico“ von Johann Baptist HomannDeesen1797 Karte „Neueste Generalkarte von Deutschland in XXIV Blattern“ von Franz Anton SchraemblThiesen1832 Karte „Western Germany“ von John Arrowsmith Theesen1847 Karte „Provinz Sachsen“ von Carl Flemming1850 Karte „Braunschweig“ – Entworfen und bearbeitet von Joseph Edmund Woerl gestochen unter seiner Leitung. Lithographie von Bartholomew Herder aus Freiburg im Breisgau.1854 „Die Herzogthümer Anhalt Dessau, Cöthen u. Bernburg“ von Joseph MeyerTheessen1883Die ältesten Lehnbücher der Magdeburgischen Erzbischöfe Theeßen1899Karte „Magdeburg“ der Königlich Preußische Landesaufnahme. Kartographische Abtheilung

Politik

Bürgermeister & Ortschaftsrat Die letzte Ortschaftsratswahl in Theeßen fand am 9. Juni 2024 statt.

Amtierender Ortsbürgermeister ist Dieter Kaupke (CDU). Er hat dieses Amt bereits seit 2014 inne und befindet sich somit aktuell in seiner dritten Amtszeit.

Der Ortschaftsrat besteht des Weiteren aktuell aus Ronny Vietmeyer (CDU), Frank Joachim Graetsch (CDU), René Spill (CDU), Aline Baisch (CDU) und Uwe Müller (WG Pro Theeßen). Die Sitzungen des Ortschaftsrat finden regelmäßig im Multifunktionalen Zentrum in Theeßen statt.

Ehemalige Bürgermeister

Ellen Sommerfeldt – Sie war die letzte Bürgermeisterin der eigenständigen Gemeinde Theeßen.

Wappen mini|Wappen Das Wappen wurde am 29. November 2007 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Silber ein grüner Eibenzweig mit fünf roten Früchten, unten in einem schrägen roten Schild das goldene Hugenottenkreuz.“

Das Wappenbild nimmt Bezug auf zwei wesentliche und prägende Gegebenheiten – auf den slawischen Wortstamm, der Eibe bedeutet bzw. auf die Eibe hinweist und auf die Einwanderung der Hugenotten, die die Wirtschaft des Ortes wie der Region außerordentlich belebten. Ihr Symbol war das sogenannte Hugenottenkreuz. Am 8. Oktober 2007 beschloss der Gemeinderat in einer Diskussion, dieses Wappen zu führen und zur Genehmigung einzureichen.

Der Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch übernahm die Gestaltung des Wappens.

Flagge Die Flagge ist grün-weiß (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Territoriale und administrative Zugehörigkeit von Theeßen ZeitraumStaat / EpocheTerritorium / Provinz / LandLandkreis / KreisGemeindestatus1296 – 1648Heiliges Römisches ReichErzbistum MagdeburgZugehörig zum Kloster Jerichow, später ritterschaftlicher Besitz (von Arnim)Eigenständiges Dorf (ab 16. Jh. auch Gutsbezirk)1648 – 1701Kurfürstentum BrandenburgHerzogtum MagdeburgJerichowscher KreisDorf und Gutsbezirk1701 – 1806Königreich Preußen1807 – 1813Königreich Westphalen (Rheinbund)Departement der ElbeDistrikt Magdeburg1814 – 1815Königreich PreußenZivilgouvernement zwischen Weser und Elbe(Übergangsverwaltung)1815 – 1871Provinz SachsenLandkreis Jerichow ILandgemeinde und Gutsbezirk1871 – 1918Deutsches Kaiserreich1918 – 1928Weimarer RepublikFreistaat Preußen, Provinz Sachsen1928 – 1933Landgemeinde (Zusammenlegung mit Gutsbezirk am 30. Sept. 1928)1933 – 1944Deutsches Reich (NS-Staat)Land Preußen, Provinz SachsenEigenständige Gemeinde1944 – 19451945 – 1947Sowjetische Besatzungszone (SBZ)Provinz Sachsen1947 – 1949Land Sachsen-Anhalt1949 – 1950Deutsche Demokratische Republik (DDR)1950 – 1952Kreis Burg1952 – 1990Bezirk Magdeburg1990 – 1994Bundesrepublik DeutschlandLand Sachsen-Anhalt1994 – 2008Landkreis Jerichower LandEigenständige Gemeinde (verwaltet über Verwaltungsgemeinschaft Möckern)Seit 19. Jan. 2008Ortsteil der Stadt Möckern

Gedenkstätten

Grabstätte für unbekannten polnischen Kriegsgefangenen Auf dem Ortsfriedhof befindet sich eine Grabstätte für einen namentlich nicht bekannten polnischen Kriegsgefangenen, der während des Zweiten Weltkrieges ein Opfer von Zwangsarbeit wurde. mini|Gedenktafel für den Arzt Friedrich Wolf

Gedenktafel für Friedrich Wolf Am Osteingang zum Dorfpark befindet sich an der Parkmauer eine Gedenktafel für den deutschen Arzt, Schriftsteller und Revolutionär Friedrich Wolf. Wolf selbst hatte keinerlei Verbindung zum Ort und hat Theeßen auch nie besucht. Vor der Gedenktafel befindet sich ein kleiner gepflasterter Platz, der zu DDR-Zeiten als Versammlungsplatz diente.

Gedenkstein an der Feuerwehr An der Freiwilligen Feuerwehr in Theeßen befindet sich ein Gedenkstein mit der Aufschrift:

Der Gedenkstein wurde von Elke und Erhard Mielke gestiftet.

Denkstein In einer Karte der Königlich Preußischen geologischen Landesanstalt mit dem Titel „Agronomische Bohrungen zu Sect. Theessen“ von 1891 wird im Wald bei Theeßen ein „Denkstein“ verzeichnet. Laut dem letzten Schulleiter der Theeßener Grundschule wurde der Stein zu DDR-Zeiten im Rahmen eines Schulprojekts in den Schulgarten gebracht um die Inschrift zu entziffern und den Stein aufzuarbeiten.