mini|hochkant|Selbstporträt Mülhardts, 1965 Carl Albin Mülhardt (* 1. Oktober 1884 in Arendsee; † 10. Februar 1976 in Hesseldorf) war ein deutscher Kunstmaler und Porträtist.
Leben Carl Albin Mülhardt wurde als Carl Albin Wilhelm Müller, Sohn des Amtsgerichtsdirektors Karl Bernhard Müller und seiner Ehefrau Ida Mathilde Alma Müller, geb. Breymann, in Arendsee geboren. Seine akademische Ausbildung erhielt er an der Kunstakademie in Düsseldorf. Sein erster Lehrer war Edmund Schwarzer.
Anders als der dort nun gelehrte expressionistische Malstil wollte Mülhardt aber seine Motive in überkommener Weise realistisch abbilden (wie E. Schwarzer), deshalb wechselte er zur Akademie der bildenden Künste nach München. Aber auch hier fand gerade eine Abkehr von der akademischen Malerei der Gründerzeit statt. Mülhardt wechselte nochmals die Akademie und ging zuerst nach Königsberg und dann zur Kunsthochschule Kassel."Die Lebens-Palette des Kunstmalers Carl Albin Mülhardt" ( Heimo Karsch) - Samml. Gesch. Wächtersbach 9.2.6"Erfrischende Natürlichkeit - Erinnerungen an den Maler C.A.Mülhardt" - Gelnhäuser Neue Zeitung 19. Juli 2010
Nach seiner Ausbildungszeit siedelte er sich in Hilden bei Düsseldorf an. Er entwickelte sehr gute Fähigkeiten als Kinderporträtist und Landschaftsmaler. Um den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern, richtete er in seinem Haus eine Malschule ein. Zu dieser Zeit änderte er seinen Nachnamen. Nachdem er nach seiner Heirat mit dem Doppelnamen Müller-Mannhardt signiert hatte, änderte er den Namen in einen kombinierten Namen aus Müller und Mannhardt: Mülhardt (Mül-hardt). Der Name wurde ab 1920 auch zum Familiennamen.
Professuren in München und Heidelberg lehnte er ab, weil er als Künstler frei von regelmäßigen Verpflichtungen sein wollte. Dazu gehörte auch, dass er der "Lebensreform-Bewegung" nahe stand."Aus dem Leben des Malers Carl Albin Wilhelm Müller genannt Mülhardt" (Eckehard Schwarz) - Altmark-Blätter 24. September 2011 Ökologische Landwirtschaft, vegetarische Ernährung, Alkohol-Abstinenz, Reform-Kleidung, Freikörperkultur und Naturheilverfahren gehörten zur Reformbewegung, die er bis zum Lebensende konsequent beibehielt.
Von 1914 bis 1918 war er als Soldat im Ersten Weltkrieg. Durch einen Granateneinschlag in der Nähe erlitt er ein Knalltrauma und wurde schwerhörig."Die Lebens-Palette des Kunstmalers Carl Albin Mülhardt" ( Heimo Karsch) - Samml. Gesch. Wächtersbach 9.2.6
mini|hochkant|Wohnhaus mit Atelier in Hesseldorf, erbaut 1934
1934 zog er in das Dorf Hesseldorf in die ruhige Mittelgebirgslandschaft am Rande des Vogelsberges im hessischen Kinzigtal. Am Waldrand baute er sein markantes Holzhaus mit dem geschwungenen Dach, das man schon von weitem erkennen konnte. In dieser Zeit war er als Porträtist gefragt und bekam Aufträge von adeligen Familien der Umgebung, aber auch von Reichspolikern in Berlin, z. B. Graf Posadowsky-Wehner (1845–1932), den er als würdigen Reichsgrafen malte.
Die Landschaft seiner neuen Heimat hat ihn besonders fasziniert, denn es gibt viele Bilder mit dem Blick aus seinem Atelier ins Tal zu allen Jahreszeiten. Beliebt waren aber auch seine Kinderporträts. Er selbst beschrieb einmal, dass so ein Kinderbildnis aus der Summe von Augenblickseindrücken entsteht und keineswegs ein starres Modellsitzen sei."Vom Kinderbildnis" (C.A.Mülhardt) - Samml. Gesch. Wächtersbach 9.2.4
Wirken Carl Albin Mülhardt war bekannt für seine Kinderporträts, die meist in Pastell auf Karton gemalt wurden. Viele Kinder in Hesseldorf hat er porträtiert, vermutlich war die Entlohnung meist in Lebensmitteln oder Handwerksleistungen. Ein Beispiel für ein Kinderporträt ist das Bild des jungen Schornsteinfegers, der 1946 vor seiner Tür stand und spontan gemalt wurde."Porträts sind seine besondere Fähigkeit" - Gelnhäuser Tageblatt 4. März 2017
An der Schule von Kirchbracht und Ilnhausen (Vogelsberg) ist ein eindrucksvolles Werk von Mülhardt zu sehen, das den Segen der bäuerlichen Arbeit und den Wert der Heimatscholle verherrlicht."Wo sich Künstlerschaffen regt" (Friedr. Wilh. Schluckebier) - Samml. Gesch. Wächtersbach 9.2.2
Viele Bilder von Mülhardt sind auf Holz (Tafelbilder) oder Karton mit Tempera-Farben gemalt, es gibt aber auch Ölgemälde auf Leinwand. Die Rahmen für seine Gemälde hat Mülhardt oft selbst passend zum Bild angefertigt."Carl Albin Mülhardt - Eine Begegnung" (Karl W. Bleichert) - Samml. Gesch. Wächtersbach 9.2.3
Mülhardt fiel es schwer, sich von seinen Bildern zu trennen, deshalb fertigte er diese oft doppelt an und behielt eines für sich.
In einem Werkverzeichnis werden seine Ölgemälde, Temperagemälde, Zeichnungen, Holzschnitte, Exlibris, Karikaturen und Selbstporträts zusammenstellt. Es sind ca. 180 verschiedene Werke erfasst. Die tatsächliche Anzahl dürfte aber höher sein.
Familie 1909 heiratete Carl Albin Müller die aus Göttingen stammende Marie Mannhardt. Aus Zusammenfügen der beiden Nachnamen entwickelte Mülhardt seinen Künstlernamen, der seit 1920 auch Familienname ist. Aus der Ehe entstammen fünf gemeinsame Kinder: Knud *1910, Ingrid *1913, Gertrud *1920, Hadmod *1922 und Fromund *1924. Beide Söhne sind im Zweiten Weltkrieg gefallen. Das Paar trennte sich 1943.
1944 heiratete Mülhardt die Schwedin Emilie Aberle (* 1906). Sie verstarb 1958 und wurde in Hesseldorf beigesetzt. 1959 heiratete Mülhardt die Professorin und Kunsterzieherin Amalie "Lilly" Haller (1891–1990), die er bei einer Reise nach Argentinien kennengelernt hatte."Die Lebens-Palette des Kunstmalers Carl Albin Mülhardt" ( Heimo Karsch) - Samml. Gesch. Wächtersbach 9.2.6
Carl Albin Mülhardt verstarb am 10. Februar 1976 mit 91 Jahren und wurde unter großer Anteilnahme auf dem Friedhof in Hesseldorf beigesetzt. Das Grab ist als Erinnerungsstätte erhalten. Das markante Wohnhaus mit Atelier wurde verkauft.
Ausstellungen 1982 "Hessische Künstler" Gemäldeausstellung in der Raiffeisenbank Wächtersbach 1988 Gemäldeausstellung im Bürgerhaus Wächtersbach 1996 Mülhardt-Retrospektive und Ausstellung anlässlich 525-Jahr-Feier von Hesseldorf 2011 "Sonderausstellung zum Leben und Wirken des Malers Carl Albin Mülhardt" Gemäldeausstellung im Heimatmuseum Wächtersbach
Literatur
Der „Rembrandt vom Büdinger Wald“. In: Gelnhäuser Tageblatt. 10. März 2017, "Karl Albin Mülhardt" in: Sonderdruck der "Türmer" 1925 "Ein bergischer Maler" in: Bergischer Kalender 1927 S. 184
Einzelnachweise
Weblinks https://www.kunstpalast.de/wp-content/uploads/2023/07/2016_Kuenstlerliste_DM_-Einleitung_2016_2023.pdf - Künstler und Künstlerinnen der Düsseldorfer Malerschule (Auswahl, Stand: November 2016) PDF (Seite 80) http://www.gudrun-kauck.eu/HesseldorfA1.html – Private Website mit vielen Informationen über Mülhardt https://www.hgv-waechtersbach.de – Verschiedene Artikel in "Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach" https://kalliope-verbund.info/de/query?q=ead.creator.gnd%3D%3D%221164260340%22 – Handschrift von Mülhardt
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Porträtmaler Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1976 Kategorie:Mann