mini|Richard Küas (1888) Richard Johannes Küas (* 28. Oktober 1861 in Kempczowitz, Oberschlesien; † 7. Februar 1943 in Hamburg) war ein deutscher Kolonialbeamter, Schriftsteller und Übersetzer.

Leben und Werk Richard Küas wurde 1861 als Sohn eines katholischen Mühlenverwalters in der oberschlesischen Gemeinde Kempczowitz (Landkreis Beuthen) geboren. Er besuchte ein Gymnasium in Oberschlesien, das er aber ohne Abschluss verließ. Stattdessen absolvierte er 1877 eine Ausbildung zum Schiffsjungen an der Seemannsschule in Hamburg-Steinwerder. In dieser Funktion heuerte er an und fuhr nach Niederländisch-Indien, Frankreich, Großbritannien, Russland, Dänemark, Chile und an die Ostküste der USA. 1882 absolvierte er eine Ausbildung zum Steuermann und fuhr anschließend in viele Länder, lebte auch mehrere Jahre in Australien, Kalifornien und British Columbia sowie im Washington Territory.Elisabeth Hutter: Eskapade und Beherrschung. Brill, Paderborn 2024, ISBN 978-3-7705-6842-0, S. 211–222.

Nach seiner Rückkehr nach Hamburg war Küas mehrere Jahre als Ladungsinspektor beim Hamburger Zollinstitut beschäftigt. 1888 wurde ihm eine Stelle im Kolonialdienst angeboten, die er annahm. 1889 reiste Küas in das deutsche „Schutzgebiet“ Togo und übernahm das Zollamt, die Postverwaltung und die Lokalverwaltung in Lomé und Bagida. 1895 wurde er nach Kribi im Südbezirk der deutschen Kolonie Kamerun versetzt, wo er Bezirksamtsmann war. 1897 heiratete er bei einem Heimaturlaub die aus Leipzig stammende Clara Fanny Hofmann (1872–1950).Sterbeurkunde Clara Fanny Küas, geborene Hofmann vom 26. August 1950, Urkunde Nr. 397 C. In: Staatsarchiv Hamburg, Nr. 332-5, Standesämter 10012. Ihr Sohn Herbert Küas (1900–1983) wurde Kunsthistoriker und Archäologe, er steuerte 1940 das Vorwort zu Hart am Wind bei. 1900 erkrankte Richard Küas so schwer an der Malaria, dass er für tropendienstuntauglich erklärt wurde und 1901 aus dem deutschen Kolonialdienst ausscheiden musste.

Küas kehrte nach Deutschland zurück und lebte von 1901 bis 1929 in Leipzig,Küas ist ab 1901 unter verschiedenen Anschriften im Leipziger Adressbuch nachweisbar, von 1911 bis 1929 in der Sedanstraße 3 im Leipziger Waldstraßenviertel (heute Feuerbachstraße), siehe auch Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 41. Jahrgang (1924), S. 506 und Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 44. Jahrgang (1928), S. 634. dann ab 1930 bis an sein Lebensende in Hamburg-Alsterdorf.Küas wohnte in der Alsterdorfer Straße 191 in Hamburg, nachweisbar ab 1930 (Hamburger Adressbuch 1930, Teil IV (Straßenverzeichnis), S. 36.), auch 1934 (Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 47. Jahrgang (1934), S. 453) und bis zu seinem Tod 1943 (Meldeanschrift in der Sterbeurkunde) Er war von nun an als freier Schriftsteller tätig und verfasste zahlreiche Romane, Novellen, Erzählungen und Dramen. Fast alle seine Werke weisen eine koloniale Handlung auf, bei der Küas auf seine eigenen Seereisen und die Kolonialzeit zurückgriff. In seinen Togo-Erinnerungen (1939) vermischte er fiktionale Darstellung mit autobiografischer Selbstdarstellung. Neben der Selbstdarstellung als „erfolgreicher Kolonialpionier“ und Seemann stand bei seiner Tätigkeit als Schriftsteller der Erwerbszweck im Vordergrund, denn von der Kolonialverwaltung erhielt er nur eine kleine Pension. 1943 starb Küas im Krankenhaus Alsterdorf an Herzschwäche.Sterbeurkunde Richard Johannes Küas vom 8. Februar 1943, Urkunde Nr. 164 C. In: Staatsarchiv Hamburg, Nr. 332-5, Standesämter 9942.

Mit seinen eigenen Kolonialromanen hatte Küas trotz zahlreicher Titel keinen großen Erfolg auf dem Buchmarkt. Nach dem Verlust der deutschen Kolonien im Zuge des Versailler Vertrags stand das Thema ab den 1920er Jahren nicht mehr im Mittelpunkt des Leserinteresses. Dennoch erschienen viele seiner Bücher als Fortsetzungsromane in Zeitungen wie Neue Hamburger Zeitung, Hamburger Fremdenblatt,Im Hamburger Fremdenblatt erschienen die drei Fortsetzungsromane Der Zauberer und die Amazone (Abgedruckt in 36 Fortsetzungen zwischen 5. November und 18. Dezember 1931), Ein Kamerad wie du (Abgedruckt in 27 Fortsetzungen zwischen 29. Dezember 1932 und 30. Januar 1933) sowie Soldat und Tänzerin (Abgedruckt in 27 Fortsetzungen zwischen 19. September und 21. Oktober 1935), Leipziger Neueste Nachrichten und Berliner Lokal-Anzeiger. Die von Küas übersetzten Romane von Edgar Wallace erzielten im Gegensatz zu seinen eigenen Werken sehr hohe Auflagen. Ab 1925 übersetzte Küas für den Leipziger Goldmann Verlag mehrere Werke von Wallace. Das erste bei Goldmann erschienene Wallace-Buch war Sanders of the River in Küas’ Übersetzung, es folgten weitere Wallace-Bände aus dessen afrikanischem Sanders-Zyklus sowie ein Kriminalroman. Diese Übersetzungen trugen zum frühen Erfolg des Goldmann-Verlags mit den Werken von Wallace bei. Küas selbst stellte in einem Brief von 1927 seine langjährige Erfahrung in Afrika den lediglich aus Literatur und einem kurzen Aufenthalt gewonnenen Kenntnissen von Wallace kritisch gegenüber.

Rezeption Die neuere Forschung behandelt Küas’ Werke vor allem als Beispiele deutschsprachiger Kolonialliteratur. Untersucht werden insbesondere die Darstellung der afrikanischen Bevölkerung, die Konstruktion kultureller Fremdheit sowie das Verhältnis von persönlicher Erfahrung, kolonialen Deutungsmustern und Unterhaltungsliteratur. Als Fallbeispiel ist Küas besonders ergiebig, weil er selbst in zwei deutschen Kolonien im Kolonialdienst tätig war und seine Erfahrungen über mehrere Jahrzehnte hinweg in fiktionalen wie autobiografischen Texten verarbeitete. An seinen Veröffentlichungen aus dem Kaiserreich, der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus lassen sich damit Kontinuitäten und Veränderungen seiner kolonialen Selbstdeutung untersuchen.Vergleiche Gilbert Dotsé Yigbe (1997), Adjai͏̈ Paulin Oloukpona-Yinnon (1998), Daniel Schneider (2011) und Elisabeth Hutter (2024).

Veröffentlichungen Als Autor (Auswahl): Götzen. Vita, Berlin 1907, . („Kolonial-Drama“ in vier Akten, Uraufführung am Stadttheater GörlitzGörlitzer Theater: Götzen. In: Hamburger Fremdenblatt, 26. März 1907, S. 13. (Online)) Vom Baum der Erkenntnis. List, Leipzig 1911. („Deutscher Kolonialroman“, zuerst als Fortsetzungsroman unter dem Titel Fetisch erschienen 1910/11 in Kolonie und Heimat, dem zentralen Organ des Frauenbundes der deutschen Kolonialgesellschaft) Das zweite Gesicht und andere Erzählungen aus unseren Kolonien. Hillger, Berlin 1912. Die Wacht im fernen Osten. Scherl, Berlin 1915. Kinder vom Brühl. Phönix-Verlag, Berlin 1919. Togo-Erinnerungen. Vorhut-Verlag, Berlin 1939. Hart am Wind. E. A. Seemann, Leipzig 1940.

Als Übersetzer von Edgar Wallace aus dem Englischen (Auswahl): 15 Jahre bei den Kannibalen in Zentralafrika. W. Goldmann, Leipzig 1925. (Originaltitel: Sanders of the River, später auch unter dem deutschen Titel Sanders vom Strom) Sanders. W. Goldmann, Leipzig 1926. (Originaltitel: Sanders) Bosambo von Monrovia. W. Goldmann, Leipzig 1926. (Originaltitel: Bosambo of the River) Bones vom Strom. W. Goldmann, Leipzig 1927. (Originaltitel: Bones of the River) Die drei Gerechten. W. Goldmann, Leipzig 1927. (Originaltitel: The Three Just Men) Menschen. W. Goldmann, Leipzig 1927. („Ein autobiographischer Roman“, Originaltitel: People)

Literatur Elisabeth Hutter: Eskapade und Beherrschung. Krisen von Abenteuer und Männlichkeit in der deutschen Kolonialliteratur. Brill Fink, Paderborn 2024, ISBN 978-3-7705-6842-0. (Zugleich Dissertationsschrift an der Universität Konstanz, online verfügbar unter ) Daniel Schneider: Identität und Ordnung. Entwürfe des „Eigenen“ und des „Fremden“ in deutschen Kolonial- und Afrikaromanen von 1889 bis 1952. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-89528-792-3. (Zugleich Dissertationsschrift an der Universität Bonn. Schneider wertet und vergleicht neun Kolonialromane, darunter Vom Baum der Erkenntnis von Küas.) Gilbert Dotsé Yigbe: Fetischismus als Alterität. am Beispiel kolonialer Literatur über Togo: Richard Küas, Félix Couchoro und David Ananou. Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1997, ISBN 978-3-88939-439-2. (Zugleich Dissertationsschrift an der Universität Bayreuth) Adjai͏̈ Paulin Oloukpona-Yinnon: Richard Küas: ein Eckpfeiler der Kolonialliteratur. In: Ders.: Unter deutschen Palmen : die „Musterkolonie“ Togo im Spiegel deutscher Kolonialliteratur (1884-1944). Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1998, ISBN 978-3-88939-445-3, S. 142–198. (Zugleich: Habilitationsschrift an der University of Benin, Lomé)

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Einzelnachweise

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