mini|Corvinuskirche, Ansicht von Nordwesten (2009) Die Corvinuskirche ist die 1967 eingeweihte Kirche der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Corvinus in der niedersächsischen Stadt Göttingen, Grotefendstraße 36, Ecke Georg-Dehio-Weg.
Geschichte
Baugeschichte Die Corvinuskirchengemeinde war ursprünglich eine Ausgliederung der Muttergemeinden St. Jacobi und St. Albani in der Göttinger Innenstadt, wobei eine 1956Ev.-luth. Corvinuskirche Göttingen. Festschrift zur Einweihung der Evangelisch-Lutherischen Corvinuskirche in Göttingen 12. November 1967. Hrsg.: Pastor B. Moderegger im Auftrage des Kirchenvorstandes der Corvinusgemeinde, S. 17. (Digitalisat auf wir-e-production.fra1.digitaloceanspaces.com, abgerufen am 14. Juli 2026) eigens eingerichtete Pfarrstelle für den nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend besiedelten Bereich im Norden und Nordosten der Innenstadt zuständig war. Gottesdienste für die dortigen Gemeindemitglieder fanden zunächst in der Brüder-Grimm-Schule statt, seit 1964 im Collegium Albertinum statt. Treibende Kraft zur Bildung einer neuen eigenen Kirchengemeinde mit Bau von Kirche und Gemeindezentrum war Pastor Bernhard Moderegger (1914–2005), der seit 1957 an St. Jacobi amtierte und erster Pastor der neuen Corvinusgemeinde wurde. Die offizielle Gründung der Gemeinde erfolgte zum 1. Oktober 1966, mitten in der bereits angelaufenen Bauphase zum neuen Gemeindezentrum.
Die beiden Muttergemeinden Albani und Jacobi einigten sich 1962 zu einer Tochtergemeinde, die sie nach Antonius Corvinus benannten; den Bauplatz gab die Albanigemeinde.Ev.-luth. Corvinuskirche Göttingen. Festschrift zur Einweihung der Evangelisch-Lutherischen Corvinuskirche in Göttingen 12. November 1967. Hrsg.: Pastor B. Moderegger im Auftrage des Kirchenvorstandes der Corvinusgemeinde, S. 18. (Digitalisat auf wir-e-production.fra1.digitaloceanspaces.com, abgerufen am 14. Juli 2026) In einem auf drei Teilnehmer beschränkten Architektenwettbewerb für den Neubau von 1963 setzte sich der Stuttgarter Architekt Erwin Rohrberg durch.Corvinuskirche mit Glockenturm, im Denkmalatlas Niedersachsen, abgerufen am 14. Juli 2026. Die anspruchsvolle Tragwerksplanung besorgte Franz Krauss (Stuttgart), die Prüfstatik Fritz Leonhardt (Stuttgart). Die örtliche Bauausführung leitete die Göttinger Architektin Guntwig Nierhaus. Die Grundsteinlegung der Kirche war am 27. September 1965, das Richtfest am 6. Juli 1966 und die Kirchenweihe am 12. November 1967.
Architektur, Ausstattung, Turm Die Corvinuskirche mit ihrem separat stehendem Turm ist das zentrale Gebäude des Gemeindezentrum-Ensembles. Den Grundriss der Kirche bilden „zwei aneinander gelehnte Rauten in Drachenform, die in kongenialer Weise auf das Dach Bezug nehmen, das aus zwei zusammengefügten, hyperbolisch-paraboloid geformten HP-Holzschalendächern besteht und das außen von nur zwei Strebepfeilern aus Stahlbeton gestützt wird.“ Die nicht tragenden Außenwände umhüllen im Innern einen in Altar-Richtung höher werdenden Kirchenraum, der sein natürliches Licht über gestaffelte Betonlamellen und ein gläsernes Oberlichtband erhält. In dem nach Westen ausgerichtete Kirchenraum ist die bauzeitliche Ausstattung (Bodenplatten, Altartisch, Gestühl, Taufständer, Orgelprospekt usw.) nach Entwurf von Erwin Rohrberg erhalten. Das Altarkreuz schuf 1981 Siegfried Zimmermann (Hannover), den Orgelbau übernahm Albrecht Frerichs (Diemarden bei Göttingen). Im Untergeschoss der Kirche befindet sich ein Gemeindesaal mit Bühne und Nebenräumen.
Einen besonderen architektonischen und städtebaulichen Akzent bildet der südlich frei neben der Kirche stehende Glockenturm. Er erhebt sich auf einem Dreiecksgrundriss in die Höhe spitz zulaufend. Das vierstimmige Bronzegeläut von 1967 stammt aus der Glockengießerei Bachert (Karlsruhe).
Baudenkmal Das Ensemble „Corvinuskirche und Gemeindebauten“ besteht außer der Kirche auch aus Pfarrhaus (1970), Küsterhaus (1968), Kindergarten (1970) sowie Treppen- und Freiflächen und ist denkmalgeschützt. Als Denkmalbegründung führt das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege zur Kirche an: „Die geschichtliche Bedeutung im Rahmen der Ortsgeschichte beruht sowohl auf dem Zeugnis- und Schauwert für die Baugeschichte des 1960er-Jahre-Kirchen- und Kirchengemeindebaus, was hier auch eine beispielhafte Ausprägung gefunden hat. Die Bauten sind Entwürfe des überregional bekannten Architekten Erwin Rohrberg aus Stuttgart. Eine bautechnikgeschichtliche Bedeutung besteht hinsichtlich der von dem Stuttgarter Tragwerksplaner Franz Krauss mitverantworteten, besonderen und seltenen Dachkonstruktion der Kirche, die aus zwei hyperbolisch-paraboloiden Holzschalen besteht. Künstlerische Bedeutung hat die gelungen in die Hangtopographie gestaffelte Gebäudegruppe und vor allem der wirkungsvolle Kirchenbau mit bauzeitlicher Innenausstattung. Schließlich ist das Kirchenensemble von städtebaulicher Bedeutung wegen ihres prägenden Einflusses auf das Ortsbild des oberen Ostviertels der Stadt Göttingen, wo der Campanile wahrzeichenhaft wirkt, sowie auf das Straßenbild von Grotefendstraße, Georg-Dehio-Weg und Ernst-Curtius-Weg.“
Ungewisse Zukunft Mitte Dezember 2023 wurden Bauschäden an den Holzschalen der Dachkonstruktion bemerkt, was umgehend und vorsichtshalber zur Schließung des Kirchenraums führte. Seitdem werden die Gottesdienste der Corvinusgemeinde provisorisch im Gemeindesaal des Untergeschosses oder anderswo gefeiert.Peter Krüger-Lenz: "Stützenwald" soll Corvinuskirche vor dem Aus bewahren. Lösungen für 500.000 Euro teure Dachsanierung weiter gesucht. In: Göttinger Tageblatt, 24. Juli 2025, S. 10. Im Jahr 2024 zählte die Corvinusgemeinde knapp 1250 Mitglieder.
Pastoren
1969–1982: Bernhard Moderegger aktuell (2026): Anke Well
Literatur
Ev.-luth. Corvinuskirche Göttingen. Festschrift zur Einweihung der Evangelisch-Lutherischen Corvinuskirche in Göttingen 12. November 1967. Hrsg.: Pastor B. Moderegger im Auftrage des Kirchenvorstandes der Corvinusgemeinde. (Digitalisat auf wir-e-production.fra1.digitaloceanspaces.com [PDF, 18 MB], abgerufen am 14. Juli 2026) Corvinus-Kirche. In: Göttingen, Planung und Aufbau, Sonderdruck der Bauinformation, Heft 2, 1966. Hrsg. Verlag Edgar Hartmann, Osterode (Harz), (o. S.).
Weblinks
Corvinusgemeinde Göttingen, Offizielle Website der Kirchengemeinde Göttingen, Corvinus, auf kirchengemeindelexikon.de Corvinuskirche mit Glockenturm, im Denkmalatlas Niedersachsen
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude in Göttingen Kategorie:Corvinuskirche Kategorie:Erbaut 1967 Kategorie:Kirchengebäude der Moderne Kategorie:Bauwerk der Moderne in Göttingen Kategorie:Kirchengebäude des Kirchenkreises Göttingen-Münden Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Baudenkmal in Göttingen