Der Wilsonwassertreter (Phalaropus tricolor, Syn.: Steganopus tricolor) ist eine Vogelart aus der Familie der Schnepfenvögel. Die Erstbeschreibung stammt von Louis Pierre Vieillot und ist dem amerikanischen Ornithologen Alexander Wilson gewidmet.

In Mitteleuropa ist der Wilsonwassertreter ein seltener Irrgast. So wurden beispielsweise in den Niederlanden zwischen 1966 und 2003 insgesamt zwanzig Mal einzelne Individuen gesehen.Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2, S. 488

Systematik Der Wilsonwassertreter wurden früher zusammen mit dem Odinshühnchen und dem Thorshühnchen als eigene Familie Phalaropodidae (oder Phalaropidae) innerhalb der Regenpfeiferartigen angesiedelt. Hier nahm man eine Verwandtschaft mit den Säbelschnäblern an. Heute besteht aufgrund mehrerer morphologischer und molekulargenetischer Analysen kein Zweifel daran, dass Wassertreter zu den Schnepfenvögeln gehören. Aufgrund ihrer abweichenden Merkmale werden sie aber noch immer innerhalb der Schnepfenvögel oft als eigene Unterfamilie Phalaropodinae geführt. Für den Wilsonwassertreter oder Amerikanisches Odinshühnchen (Steganopus tricolor), der gelegentlich der Gattung der Wassertreter (Phalaropus) zugerechnet wird, ist mittlerweile die Zuordnung zur Gattung Steganopus üblich.

Verbreitung mini|Verbreitungsgebiet (orange Brutgebiete), (gelb Zugwege), (blau keine Brutgebiete) des Wilsonwassertreters Der Wilsonwassertreter brütet in den Prärielandschaften Nordamerikas und kommt vor allem im westlichen Kanada und den USA vor. Er zählt zu den Zugvögeln und überwintert in Südamerika. Gelegentlich kommt es vor, dass Vögel dieser Art während ihres Zuges auch nach Europa vertrieben werden.

Der Wilsonwassertreter ist während seiner Zugzeit häufig an Brackwasser- und Salzseen wie dem Mono Lake in Kalifornien und dem Großen Salzsee in Utah zu beobachten. Während dieser Zeit ist er häufig mit dem Odinshühnchen vergesellschaftet.

Erscheinungsbild mini|Kopf des Wilsonwassertreters, Illustration von 1891 Die Körperlänge des Wilsonwassertreters ist etwa 23 Zentimeter. Er zeichnet sich durch einen geraden, feinen schwarzen Schnabel aus. Das Weibchen ist in seinem Prachtkleid auf der Körperoberseite überwiegend grau und braun gefärbt. Die Körperunterseite ist weiß; der Hals ist rötlich und auch auf den Flanken befinden sich rötliche Flecken. Das Männchen ähnelt dem Weibchen; die Farben sind jedoch weniger leuchtend.

Lebensweise Ähnlich wie bei den Wassertretern ist die bei Vögeln übliche Rollenverteilung vertauscht. Die Weibchen werben aktiv um die Männchen, kämpfen um Brutreviere und verteidigen aggressiv ihre Nester sowie den gewählten Geschlechtspartner. Sobald die Weibchen ihre Eier gelegt haben, beginnen sie mit dem Zug nach Süden. Die Männchen bebrüten dann das aus drei bis vier Eiern bestehende Gelege.

Während der Nahrungssuche schwimmen Wilsonwassertreter häufig schnell in kleinen, engen Kreisen und bilden dabei eine Art kleinen Whirlpool. Dieses Verhalten wird im Allgemeinen so interpretiert, dass es dem Vogel so gelingt, Futter an die Oberfläche zu bringen. Es sind vor allem Kleintiere und darunter Insektenlarven, die aus dem Wasser genommen werden.

Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung der Wilsonwassertreter erfolgte 1819 durch Louis Pierre Vieillot unter dem Namen Steganopus tricolor. Bei seiner Beschreibung bezog er sich auf Chorlito del tarso comprimidoFélix de Azara (1805), S. 327–329. von Félix de Azara. Als Verbreitungsgebiet gab er Paraguay an.Louis Pierre Vieillot (1819), S. 136–137. 1760 führte Mathurin-Jacques Brisson die für die Wissenschaft neue Gattung Phalaropus ein.Mathurin-Jacques Brisson (1760), Band 1 S. 50, Band 6 S. 12. Der Begriff ist ein Wortgebilde aus und .Phalaropus in The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname tricolor hat seinen Ursprung in und .tricolor in The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keine Bälge zur Verfügung. Er betrachtete den Wilsonwassertreter als Wintergast und sah nur in Azaras Beschreibung einen Nachweis für das Land.Alfred Laubmann (1939), S. 78. Phalaropus lobata , 1814Alexander Wilson (1814), S. 72–74, Tafel 73 Abbildung 3., Phalaropus wilsoni , 1823Joseph Sabine (1823), S. 691–692., Phalaropus fimbriatus , 1825Coenraad Jacob Temminck (1825), Tafel 370 & Text. Phalaropus frenatus , 1825Louis Pierre Vieillot (1825), S. 178–179, Tafel 271., Lobipes incanus & , 1827William Jardine, 7. Baronet of Applegarth u. a. (1827), Tafel 16 & Text. und Phalaropus stenodactylus , 1831Johann Georg Wagler (1831), S. 523. werden alle als Synonyme zur Nominatform betrachtet. Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte stellte die Art 1838 in die neue Gattung Holopodus.Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1838), S. 54.

Belege Literatur

Weblinks

Einzelbelege

Kategorie:Schnepfenvögel