Die drei Brücken Dschisr alMadschamiʿ über den Jordan in Gescher, Israel, und al-Baqura, Jordanien, bilden ein Ensemble zweier paralleler Straßen- und einer nahen Bahnbrücke. Seit der Neugliederung der umliegenden Gebiete 1923 sind die Flussquerungen Grenzbrücken. Im Krieg um Israels Unabhängigkeit beschädigten seine Verteidiger 1948 Bogensegmente der Grenzbrücken, die seither unbefahrbar sind. Die drei Brücken im Jordangraben waren mit −257 Meter unter dem Meeresspiegel die tiefstgelegenen befahrenen Brücken der Welt. Mit −375 Meter unter See ist die 1997 erbaute Straßenbrücke Sohar bei Newe Sohar nahe dem Toten Meer derzeit die tiefstgelegene befahrene Brücke der Welt.

Name Nach der islamischen Eroberung der Levante im 7. Jahrhundert bildete Dschisr alMadschamiʿ (, , umgangssprachlich auch: ) sich als arabischer Name der Römerbrücke über den Jordan. Diese arabische Bezeichnung bedeutet Brücke der Zusammenkunft.Claude Reignier Conder und Horatio Herbert Kitchener, The Survey of Western Palestine: 3 Bde., London: Committee of the Palestine Exploration Fund, 1881–1883, Bd. II ‹Samaria›, S. 132. Man nimmt an, dass damit der Zusammenfluss von Jordan und Jarmuk gemeint sei, ab wo die vereinten Wasser dann als Jordan gut drei Kilometer weiter stromaufwärts zu den Brücken mäandern. Mit dem Bau der Bahnbrücke 50 Meter weiter südlich 1904Vgl. Survey Department of Palestine, Palestine – 1:20 000 Series Topocadastral: 180 Blatt, Tel Aviv: Survey Office, 1929–1930, Revision letzter Stand 1942, Blatt 20/22 ‹Jisr al-Majāmiʿ› (1942). und der modernen, belastbaren Straßenbrücke von 1925 gleich an der Südostseite der Römerbrücke, die diese vom motorisierten Verkehr befreite, übertrug sich der arabische Name auch auf diese beiden. Pierre Jacotin überlieferte in seiner Karte der Ägyptischen Expedition Napoléons im Jahre 1799 die Brücke unter der Bezeichnung Pont de Magama.

Für das Trio der Flussquerungen hat sich die hebräische Bezeichnung Drei [Jordan]Brücken [des] Dschisr alMadschamiʿ eingebürgert (). Außer den Brücken trugen den Namen Dschisr alMadschamiʿ zunächst die weitere Ortslage rund um den örtlichen Chan der Mamlukenzeit () sowie dessen Ländereien beiderseits des Jordans. Diese Flurnamen gingen verloren, als die Grundeigentümer aus Beirut ab 1920 Ländereien an neue Bewohner verkauften, die der Ortslage westlich des Jordans den Namen Gescher Nechalim (heute Gescher) gaben, wobei im hebräischen für das unmittelbare Bahnhofsviertel, wo vor allem arabischsprachige Bürger wohnten, die Bezeichnung im hebräischen Dschisr alMadschamiʿ blieb. Als 1923 die Abtrennung des Mandatsgebiets Palästina östlich des Jordans folgte durch eine neue Staatsgrenze zum jüngst geschaffenen Transjordanien, blieb zunächst auch hier noch die Benennung Dschisr alMadschamiʿ erhalten, bis es im Zuge des Baus (1927–1933) des Wasserkraftwerks dort 1929 den neuen Ortsnamen Naharajim () erhielt.

Lage Die drei Brücken queren den Jordan auf – 257 Metern unter See im sehr tief gelegenen Jordangraben, der hier zur Beit-Scheʾan-Senke () zählt. Die Römerbrücke ist Teil der römischen Altstraße zwischen Bostra im Hauran und Caesarea Maritima am Mittelmeer, nach Verfall der Staat ersetzt durch Akkon und Jaffa. Die Handelsstraße bestand fort zu Zeiten des Osmanischen Reichs und der britischen Mandatsverwaltung, die 1925 die Verkehrslasten der Römerbrücke auf eine benachbarte, belastbare neue Betonbrücke überführte. Die Landstraße war Teil der neuen Haifa-Baghdad Axis im Britischen Weltreich zwischen Mittelmeer und Persischem Golf. Die Bahnbrücke von 1904 vermittelte den Verkehr der Jesreʿeltalbahn zwischen Haifa an der See (etwa 77,05 Kilometer westlich der Bahnbrücke) und Darʿa im Hauran. Eben 550 Meter südlich der Bahnbrücke lag der Bahnhof Dschisr alMadschami, dessen Bezeichnung ebenfalls vom Brückennamen herrührt, die nächstgelegene Station.

Die Eroberungen durch Militär der Triple Entente im Ersten Weltkrieg schlugen 1918 den Jordangraben der britischen Besatzungszone im Osmanischen Reich (Süd) zu. Daraus erschuf der Völkerbund 1922 das Mandatsgebiet Palästina als völkerrechtliche Gebietseinheit. Bei der Teilung Palästinas 1923 trat die britische Mandatsmacht das östliche palästinensische Gebiet jenseits des Jordans als arabischen Staat ab, zunächst Emirat Transjordanien genannt. Seit 1923 bildet somit der Jordan hier die Grenze, zunächst zwischen Transjordanien (seit 1950 Jordanien) und dem restlichen westlichen Palästina (am nordwestlichen Jordangraben seit 1948 Nordbezirk (Israel)). Dadurch wurde Gescher Nechalim (seit 1939: GescherAvraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übers.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, Seite wie gesondert angegeben.) Grenzort.

Nach dem Krieg um Israels Unabhängigkeit (1948/1949) wurde das zerstörte Gescher ab 1950 weiter westlich oben am Hang in sicherer Lage vor möglichen Infiltranten neu errichtet, die Umgebung der drei Brücken stark verändert. Seit 1948 ist jeder Grenzverkehr, per Bahn oder Straße, hier eingestellt. Seit 1994 besteht 15 Kilometer weiter südlich, überwiegend per Kvisch verbunden, der israelisch-jordanische Grenzübergang Scheich Hussein. Eine neue Bahnverbindung zwischen Bahnhof Beit Scheʾan und Irbid ist seit 2006 angedacht,NN, “Jezreel Valley railway plan approved – and frozen” (9. Juli 2006), auf: Globes; abgerufen am 12. Juni 2026. aber nicht weiter fortgeschritten.

Geschichte Die drei Brücken Dschisr alMadschamiʿ queren den Jordan zwischen Gescher und al-Baqura. Die älteste der drei Brücken, zu datieren auf die Zeit des Zweiten Tempel Herodes’ unter römischer Vorherrschaft um die Zeit vor Jesu Geburt, entstand an einem wichtigen Übergangspunkt zwischen Küstenebene (heute zu Israel) und dem Binnenland östlich des Jordans (heute zu Jordanien). Im Laufe der Geschichte suchten Menschen auf dem Weg zwischen Phönikien am Mittelmeer und dem vorderasiatischen Mesopotamien nach geeigneten Wegen, mit Querverbindungen zur Via Maris. Aus Hafenstädten wie Jaffa, Akkon und Caesarea Maritima suchten Reisende einen sicheren Übergang über den Jordan. Es war zwar möglich, durchs Wasser den Jordan zu queren, aber bei starker Strömung unsicher oder gar unmöglich.

Römische Bauexperten fanden eine Stelle mit stabilem Steingefüge, das hier auf Basaltfelsen dem Flusslauf standhält und so den Bau der Römerbrücke erlaubte, heute Dschisr alMadschamiʿ genannt. Nach Verlegung des Verkehrs 1925 auf die neue britische Betonbrücke, die das Public Works Department (P.W.D.) errichtete, untersuchte die Antikenverwaltung Mandatspalästinas die alte Brücke und entdeckte Bauformen, deretwegen sie Römer als ihre ersten Bauherren ansehen, die sie in ihr weitverzweigtes Straßennetz der Antike integrierten. Dies wird durch Funde wie ein Miliarium in der Nähe der Brücke untermauert, das auf eine römische Flussbrücke verweist. Dass der Dschisr alMadschamiʿ erst auf eine mamlukische Konstruktion zurückgehe, widerlegte als erster Keppel Archibald Cameron Creswell, als ihm auffiel, dass der Hauptbogen in der gesamten Unterseite aus Keilsteinen und nicht im Innern aus Bruchstein besteht, wie es aber bei vergleichbaren mamlukischen Bauten (vgl. Brücke der Töchter Jakobs des Erzvaters [Dschisr Banāt Yaʿqūb] im Golan oder Dschisr Dschindās in Lod) der Fall ist.Andrew Petersen, A Gazetteer of Buildings in Muslim Palestine, Council for British Research in the Levant (CBRL; Hrsg.), (=British Academy monographs in archaeology; Nr. 12), Oxford (Engl.): Oxford University Press, 2001, Seite wie gesondert angegeben. ISBN 978-1-73973-020-8. Die obere Ebene Spitzbögen stammt vermutlich aus der Zeit des Königreichs Jerusalem (ab 1099).

Die Brücke, über die Zeiten durch Erdbeben und Baufälligkeit erneuerungsbedürftig, bauten Kreuzritter zu Beginn des zweiten Jahrtausends wieder auf. Möglicherweise wurde die Brücke bereits in einigen historischen Quellen des 10. oder 11. Jahrhunderts erwähnt. In frühislamischer Zeit beschrieb Schams ad-Dīn al-Muqaddasī (945–nach 1000) eine große Brücke nahe dem südlichen Auslauf des Sees Genezareth, über die die Straße nach Damaskus führt.Schams ad-Dīn al-Muqaddasī, (transl.: Aḥsan al-Taqāsīm fī Maʿrifat al-Aqālīm, ), Michael Jan de Goeje (Hrsg.), Leiden: Brill, 1906 (2. Aufl.), S. 16.Schams ad-Dīn al-Muqaddasī, Descryption of Syria, Guy Le Strange (Übers.), London: Adelphi, 1886, S. 27.Guy Le Strange, Palestine under the Moslems. A Description of Syria and the Holy Land from A. D. 650 to 1500: Translated from the Works of the Mediæval Arab Geographers, Committee for the Palestine Exploration Fund (Hrsg.), London: Alexander P. Matt, 1890, S. 335. Der Archäologe Andrew Petersen vermutet jedoch, dass sich al-Muqaddasī auf den weiter nördlich gelegenen Dschisr al-Sidd (, ) beziehtSchams ad-Dīn al-Muqaddasī, (transl.: Aḥsan al-Taqāsīm fī Maʿrifat al-Aqālīm, ), André Miquel (Übers. und Kommentator), Damaskus: Institut Français, 1963, S. 176, Fußnote 137. (bei Degania Beit) oder gar eher auf eine andere Römerbrücke in der Gegend.

mini|Kamele einer Kara­wane passieren die Römerbrücke, frühes 20. Jahrhundert Mitte des 12. Jahrhunderts ließ der französische Adlige Velos, Vasall des Fürsten von Galiläa in Tiberias, die Burg Belvoir zwei Kilometer südwestlich der Römerbrücke zu deren Schutz errichten. Usāma al-Ḥalabī (), ab 1174 ein Emir Saladins al-Ayubi (1137/1138 bis 1193), besorgte eine frühe (Wieder-)Herstellung der Römerbrücke.Jean Sauvaget, Alep: Essai sur le développement d’une grande ville syrienne, des origines au milieu du XIXème siècle: 2 Bde., Paris: Paul Geuthner, 1941, S. 73, Fußnote 291. Den Kreuzfahrern war die Brücke daher als Dschisr Usāma bekannt. Während des Kreuzzugs von Damiette versuchten Kreuzritter die Truppen al-Adils I. im Lande Gilead und dem Golan zu stellen und überquerten am 10. November 1217 den Jordan über die Brücke namens Pont du Gidir (Die im 13. Jahrhundert überlieferte Namensform Gidir geht auf den semitischen Wortstamm mit den Radikalen «G-D-R» zurück. Das konsonantisch ausgesprochene G im Anlaut soll den levantinischen Laut [ʒ] (Zeichen gemäß IPA) darstellen, der im Laufe der Entwicklung der Aussprache in manchen semitischen Sprachen aus dem [g] entstand, wie im Levantinischen Arabischen, weshalb die Umschrift der DMG dafür das Zeichen [ǧ] nutzt. Im vom Französischen geprägten Idiom der Kreuzfahrer wurde das G vor e oder i wie dsch gesprochen.), die Jeschua Prawer mit dem Dschisr alMadschamiʿ gleichsetz.Jehoschuʿa Prawer (), : 2 Bde., Jerusalem: , 5723/Jüd. Kal. (29.9.1962–18.9.1963), S. 130.

Nach Eroberung weiter Teile im Königreich Jerusalem beauftragte der siegreiche mamlukische Sultan Baibars I. 1266/1267 (664 H.) den Baumeister Dschamal al-Din