Die Jakob und Emma-Windler-Stiftung ist eine Schweizer Stiftung mit Sitz in Stein am Rhein im Kanton Schaffhausen. Sie wurde am 21. Juli 1989 in das Handelsregister eingetragen. Mit einem Vermögen von fast 1,5 Milliarden Schweizer Franken gilt sie, gemessen an ihrem kleinen Wirkungsgebiet, als eine der einflussreichsten Stiftungen der Schweiz.
Tätigkeit der Stiftung Zweck der Stiftung sind Beihilfen an in wirtschaftliche Not geratene Einwohner und an Kleinunternehmen von Stein am Rhein, Beiträge zur Erhaltung und Verschönerung des Ortsbildes von Stein am Rhein und der städtischen Museen, Stipendien sowie Zuwendungen an gemeinnützige und kulturelle Organisationen im Kanton Schaffhausen. Gefördert werden ausschliesslich Projekte mit Bezug zum Kanton Schaffhausen.
2025 vergab die Stiftung 41,5 Millionen Franken an 307 Projekte, so viel wie nie zuvor. Die Stiftung besitzt mehrere Liegenschaften in der Steiner Altstadt, die sie aufgekauft und saniert hat, darunter das Kulturhaus Obere Stube. Sie betreibt das Museum Lindwurm und das Artist in Residence Chretzeturm.
Geschichte Das Stiftungsvermögen geht auf die Geschwister Jakob und Emma Windler aus Stein am Rhein zurück, deren Mutter eine Schwester des Chemikers Robert Gnehm war. 1944 erbten sie von ihrer Cousine Marie Gnehm einen Zwölftel von deren Vermögen samt dem Haus «Lindwurm», dem heutigen Museum Lindwurm. Beim Tod Emma Windlers 1988 umfasste der Nachlass rund 35 Millionen Franken, davon Sandoz-Aktien im Wert von etwa 30 Millionen.
Die Stiftung war bereits 1972 errichtet worden und wurde mit dem Tod Emma Windlers 1988 wirksam. Nach der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy zu Novartis 1996 stiegen die Dividendenerträge stark an: von rund einer Million Franken jährlich vor der Fusion auf über 20 Millionen im Jahr 2010. Das Stiftungsvermögen wuchs von 31 Millionen Franken (1989) auf rund 1,5 Milliarden Franken.
Während der Corona-Pandemie lockerte der Kanton den eng gefassten Stiftungszweck. 2025 übernahm die Juristin Janine Händel, zuvor Geschäftsführerin der Roger-Federer-Foundation, die Geschäftsführung und richtete die Stiftung auf eine «proaktive Fördertätigkeit» aus.
Der Einfluss der Stiftung auf öffentliche Aufgaben ist Gegenstand politischer Debatten: 2002 thematisierte die SP Stein am Rhein in einer Broschüre die fehlende demokratische Mitwirkung bei stiftungsfinanzierten Bauprojekten, 2026 kritisierte der Schaffhauser SP-Parlamentarier Matthias Frick, das Parlament verzichte im Gegenzug für Stiftungsgelder auf demokratische Kontrolle. Der Stiftungsexperte Georg von Schnurbein sieht dagegen kein Demokratiedefizit.
Struktur Die Stiftung wird von einem vierköpfigen Stiftungsrat geführt, dem statutengemäss zwei Kaderleute der Novartis und die Stadtpräsidentin von Stein am Rhein angehören. Die Geschäftsstelle befindet sich in der Steiner Altstadt und beschäftigt rund zwei Dutzend Mitarbeitende. Geschäftsführerin ist seit 2025 Janine Händel, ihre Stellvertreterin Alexandra Mayer.
Weblinks Website der Jakob und Emma Windler-Stiftung
Einzelnachweise
Kategorie:Stiftung (Schweiz) Kategorie:Stein am Rhein Kategorie:Stiftungsgründung 1972