mini|Prunkschrank in der Galleria Colonna mit Elfenbeinarbeiten von Dominicus und Franz Stainhart Dominicus Stainhart (auch Dominikus Stainhart, Stainhard und Stainhardt; getauft 29. September 1655 in Weilheim; begraben 18. Juli 1712 in München) war ein bayerischer Bildhauer und Elfenbeinschnitzer des Barock. Er entstammte einer in Weilheim ansässigen Bildhauerfamilie und wirkte gemeinsam mit seinem Bruder Franz Stainhart zeitweise in Rom, bevor er sich in München als kurfürstlicher Hofkünstler etablierte. Zu seinem Werk zählen Elfenbein- und Holzschnitzereien, unter anderem für Lorenzo Onofrio Colonna sowie für den bayerischen Kurfürstenhof.
Leben Herkunft und Ausbildung Dominicus Stainhart wurde als Sohn des Bildschnitzers Matthias Stainhart (gestorben 1672) geboren, der seit 1639 in Weilheim ansässig war und unter anderem Aufträge des kurbayerischen Hofs ausführte, so für den Skulpturenschmuck des kurfürstlichen Prunkschiffs „Bucentaur“ am Starnberger See. Weilheim war zu dieser Zeit ein überregionales Zentrum der Bildhauerei. Über seine Mutter liegen keine gesicherten Angaben vor. Dominicus hatte mit Franz und Joseph zwei Brüder, die ebenfalls als Bildhauer in Weilheim tätig waren. Die Söhne wurden vermutlich in der väterlichen Werkstatt in Weilheim ausgebildet.
Italienaufenthalt Von etwa 1674 bis 1682 hielt sich Dominicus Stainhart gemeinsam mit seinem Bruder Franz in Italien auf, seit etwa 1677/1678 nachweislich in Rom. Dort standen die Brüder zeitweise in Diensten des Fürsten Radziwiłł.Bavarikon: Stainhart (Stainhardt, Steinhard, Steinhart), Dominicus. Online: https://www.bavarikon.de/object/bav:UBR-BOS-0000P760XTB00032?view=meta.
Ihr Hauptwerk aus dieser Zeit ist das umfangreiche Dekor eines von dem Architekten Carlo Fontana entworfenen Prunkschranks für die Galleria Colonna. Auftraggeber der Galerie und damit auch des Schranks war Lorenzo Onofrio Colonna (1637–1689), der das Bauprojekt gemeinsam mit seinem Onkel, Kardinal Girolamo Colonna, seit den 1650er Jahren vorantrieb. In die Front des Schranks sind neben ornamentalen Elementen 28 Elfenbeinreliefs mit biblischen und mythologischen Darstellungen eingefügt, im Zentrum eine Nachbildung von „Michelangelos Jüngstem Gericht“.
Rückkehr nach Weilheim und München Nach der Rückkehr aus Italien konnte Dominicus dem jungen bayerischen Kurfürsten Max Emanuel 1682 ein heute verschollenes Elfenbeinrelief „Belagerung Jerusalems durch Titus und Weissagung des Basilides“ für 200 Gulden verkaufen. Im Januar 1683 bewarben sich die Brüder um eine Anstellung am kurfürstlichen Hof in München. Da die Bewerbung trotz Fürsprache von Hofbauamt und Hofkammer erfolglos blieb, zogen beide nach Weilheim. Dort heiratete Dominicus im selben Jahr Rosina Carl; aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.
1690 übersiedelte Dominicus Stainhart nach München, wo er 1705 als Beisitzer der Bildhauerzunft genannt wird.Objektkatalog des Germanischen Nationalmuseums: Anbetung der Heiligen Drei Könige (Pl.O.2967). Online: https://objektkatalog.gnm.de/objekt/Pl.O.2967. Die längere Abwesenheit des Kurfürsten Max Emanuel – zunächst als Statthalter der Spanischen Niederlande in Brüssel (1692–1701), dann im Exil (1704–1715) – erschwerte in dieser Zeit die Auftragslage für Münchner Hofkünstler. Dennoch gelang es Stainhart, lohnende Aufträge vom Hof zu erhalten, so 1702 für sechs Reliefs mit der Geschichte Moses zu je 600 Gulden, von denen er im selben Jahr zwei Stücke vollendete; die übrigen wurden erst 1715, drei Jahre nach seinem Tod, von seiner Witwe ausgehändigt. Ein Gönner beider Brüder war Korbinian von Prielmair, für den Dominicus unter anderem Reliefs der Verkündigung (erworben 1702) und der Taufe Christi schuf.
Werk Stainhart arbeitete mit Holz und – für ihn charakteristisch – Elfenbein, daneben auch Perlmutt, Koralle und Bernstein. Zu den erhaltenen Werken zählen kleinformatige Passionsreliefs wie „Beweinung Christi“, „Geißelung Christi“ und „Entkleidung Christi“ (Anfang 18. Jahrhundert), die sich heute in der Kaiserlichen Schatzkammer Wien befinden.Kunsthistorisches Museum Wien: Beweinung Christi. Online: https://www.khm.at/kunstwerke/beweinung-christi-89698.Kunsthistorisches Museum Wien: Entkleidung Christi. Online: https://www.khm.at/kunstwerke/entkleidung-christi-90194. Sein Hauptwerk – gemeinsam mit seinem Bruder Franz geschaffen – ist das Dekor des Prunkschranks für Fürst Colonna in der Galleria Colonna in Rom.
Literatur Karl Feuchtmayer: Stainhart, Dominicus. In Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 31: Verlag von E. A. Seemann, Leipzig 1937, S. 450 f. Repozytorium Politechniki Krakowskiej - Online
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Kategorie:Elfenbeinschnitzer Kategorie:Bildhauer des Barock Kategorie:Bildhauer (Bayern) Kategorie:Bildhauer (Rom) Kategorie:Geboren 1655 Kategorie:Gestorben 1712 Kategorie:Mann