August Friedrich Wilhelm Thorbecke (* 7. Oktober 1839 in Meiningen; † 24. August 1912 in Heidelberg) war ein deutscher Historiker und Pädagoge.
Leben August Thorbecke wurde als Sohn eines Bürgers und Tabakkaufmanns geboren, sein Bruder war Heinrich Thorbecke. Er besuchte die Volksschule in Mannheim. Nachdem sein Vater 1846 gestorben war, ging er von 1848 bis 1854 an die Salzmannsche Erziehungsanstalt in Schnepfenthal. Danach ging er bis 1857 auf das Lyzeum in Mannheim. Nach seinem Abschluss studierte er klassische Philologie, Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte in Erlangen, Göttingen und Heidelberg. Während seines Studiums wurde er 1857 Mitglied der Burschenschaft Bubenruthia Erlangen. 1860 bestand er in Karlsruhe sein philologisches Staatsexamen. Am Lyzeum in Mannheim absolvierte er sein Probejahr und war von 1861 an als Hauslehrer tätig für die deutsch-englische Familie Dörr in Baden-Baden und in Nizza. Eine schwere Krankheit kurierte er in Schnepfenthal aus. In den Jahren 1864 und 1865 studierte er wieder in Heidelberg, wo er 1865 zum Dr. phil. promoviert wurde.
Thorbecke wurde Lehrer am Lyzeum in Heidelberg, wo er 1867 zum Professor ernannt wurde. 1872 unternahm er mit seinem Freund Karl Mendelssohn Bartholdy eine Reise nach Griechenland und Konstantinopel. 1873 bis 1911 war er Mitglied des Bürgerausschusses der Stadt Heidelberg. Er war zeitweise Vorstand des Heidelberger Parteiausschusses. 1874 wurde er Herausgeber der Nationalliberalen Korrespondenz. 1877 wurde er Rektor der neu errichteten Höheren Töchterschule, dem heutigen Hölderlin-Gymnasium Heidelberg, sowie der daran angegliederten Lehrerinnenbildungsanstalt, die er als erste derartige Anstalt im Großherzogtum Baden entwickelt hatte. 1886 habilitierte er sich an der Universität Heidelberg als Privatdozent für geschichtliche Quellenkunde und neuere Geschichte, wo er bis 1893 wirkte.
Er leitete den Verein akademisch gebildeter Lehrer Badens und den Deutschen Verein für das höhere Mädchenschulwesen. August Thorbecke war Verwalter und ehrenamtlicher Konservator der Städtischen Sammlungen Heidelbergs sowie Mitglied der Kommission für die Geschichte der Stadt und Schriftleiter des Neuen Archivs. Er veröffentlichte Artikel in der Allgemeinen Deutschen Biographie.
Er wurde zum Geheimen Hofrat ernannt.
Sein Sohn Paul Thorbecke (1882–1928) war Oberbürgermeister von Singen.
Veröffentlichungen (Auswahl) Cassiodorus Senator. Ein Beitrag zur Geschichte der Völkerwanderung. Heidelberg 1867. Ueber gesta Theodorici. Heidelberg 1875. Geschichte der Universität Heidelberg. Heridelberg 1886. als Herausgeber: Gotthold Ephraim Lessing: Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie. Bielefeld, Leipzig 1889. als Herausgeber: Friedrich Schiller: Wilhelm Tell. Bielefeld, Leipzig 1889. Statuten und Reformationen der Universität Heidelberg vom 16. bis 18. Jahrhundert. Leipzig 1891. als Herausgeber: Gotthold Ephraim Lessing: Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück. Bielefeld, Leipzig 1899. als Herausgeber: Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti. Bielefeld 1904. Deutsches Lesebuch für höhere Mädchenschulen. Herausgegeben mit Ernst Keller, Leipzig 1908. als Herausgeber: Johann Heinrich Pestalozzi: Lienhard und Gertrud, im Auszuge zum Gebrauch an Seminaren. Bielefeld 1914.
Literatur Otto Wilhelm Beyer: Deutsche Schulwelt des neunzehnten Jahrhunderts in Wort und Bild. Leipzig und Wien 1903, S. 322–323. Online Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 6: T–Z. Winter, Heidelberg 2005, ISBN 3-8253-5063-0, S. 31–32.
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