hochkant|mini|1964 als Teil der gesamtdeutschen Mannschaft und 1968 erstmals als eigenständige Mannschaft, trat die DDR-Auswahl unter einer speziellen Olympiaflagge an. hochkant|mini|Ab 1972 trat die DDR unter der eigenen Staatsflagge an. Die Fußball-Olympiaauswahl der DDR beteiligte sich von 1959 bis 1988 an den Ausscheidungs- und bei erfolgreicher Qualifikation an den Endrundenspielen der olympischen Fußballturniere.

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war mit ihrer Fußballauswahlmannschaft, die bei einigen Turnieren mit der A-Nationalmannschaft identisch war, mit einer Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen wesentlich erfolgreicher als bei den Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften. Lediglich 1974 konnte die A-Nationalmannschaft bis in die 2. Finalrunde einer Weltmeisterschaft vorstoßen. Die Olympiaauswahl profitierte von dem Umstand, dass bis 1984 die Fußballspieler des europäischen Ostblocks vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) insgesamt als Amateure angesehen wurden und damit für die Turniere bei Olympischen Spielen spielberechtigt waren, während sich die Verbände mit Profifußball nur mit Amateurauswahlen beteiligen konnten. So trat die DDR-Auswahl schon 1959 bei den innerdeutschen Ausscheidungsspielen ganz offen als „Nationalmannschaft der DDR“ an. Auch die ab 1962 mehrfach angewandte Regelung, dass Spieler mit Einsätzen bei WM-Qualifikations- und Endrundenspielen nicht mehr für Olympia spielberechtigt waren, beeinträchtigte weder die DDR noch die übrigen Ostblockmannschaften wesentlich. Erst der Beschluss des IOC, ab 1984 auch Profispieler der Altersklasse U-23 zuzulassen, stellte ein gewisses Gleichmaß her. Das wirkte sich jedoch nicht sofort auf die DDR-Olympiaauswahl aus, sie konnte sich für das Turnier 1984 sportlich qualifizieren, nahm aber aufgrund des Olympiaboykotts der DDR nicht am Turnier in Los Angeles teil. 1988 scheiterte die Auswahl dagegen in der Qualifikation für die Endrunde des olympischen Fußballturniers.

Obwohl die DDR-Olympiaauswahl in den meisten Spielen mehrheitlich mit aktuellen Nationalspielern antrat, wurden nicht alle diese Begegnungen als offizielle Länderspiele gewertet. Lediglich die Spiele gegen Rumänien 1967 gingen in die Länderspielstatistik der FIFA ein, die Spiele der Endrunden von 1972 und 1976 wurden nachträglich wieder gestrichen. Der DFB zählt die acht gestrichenen Spiele jedoch weiterhin als DDR-Länderspiele, sie werden daher nachfolgend auch als solche gekennzeichnet. Die DDR-Olympiaauswahl bestritt von 1959 bis 1988 insgesamt 65 Qualifikations- und Endrundenspiele, von denen sie 42 gewann. Sie war in den Endrunden der Spiele von 1964, 1972, 1976 und 1980 vertreten und gewann dort jedes Mal eine Medaille: Gold 1976, Silber 1980, Bronze 1964 und 1972.

Siehe auch: Liste der Spieler der Fußballolympiaauswahl der DDR

Olympische Spiele 1960 Da das IOC bis einschließlich 1964 nur eine gesamtdeutsche Olympiamannschaft zuließ, musste bis dahin auch geklärt werden, welche Fußballmannschaft für die Olympischen Spiele nominiert werden sollte. Nachdem die DDR 1956 darauf verzichtet hatte, Fußballspieler in eine gesamtdeutsche Mannschaft zu entsenden, einigte sich der Deutsche Fußball-Verband (DFV) nach langwierigen Verhandlungen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und nach Intervention des IOC am 4. September 1959 darauf, für die Spiele in Rom 1960 zwei innerdeutsche Ausscheidungsspiele durchzuführen. Der DFB bestand jedoch darauf, die Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen. Unter strikter Geheimhaltung der Austragungsorte, angekündigt wurden nur Begegnungen im „Raum Berlin und Duisburg“, fanden die beiden Spiele gegen die DFB-Nationalmannschaft der Amateure schließlich am 16. September 1959 im Berliner „Walter-Ulbricht-Stadion“ und am 23. September im Düsseldorfer „Rheinstadion“ statt. Während in der DDR-Olympiaauswahl durchgehend Spieler aus der Nationalmannschaft eingesetzt wurden, musste die DFB-Auswahl Amateurspieler ohne jegliche Länderspielerfahrung aufbieten. Nur sieben der 15 Akteure spielten bei Vereinen der Oberliga, der höchsten DFB-Spielklasse. Trotz dieses Handikaps gewann die DFB-Auswahl die beiden Spiele mit 2:0 und 2:1 und versperrte damit der DDR-Olympiaauswahl den Gang nach Rom. Die DFB-Auswahl scheiterte dann aber in der Qualifikation an Polen, so dass in Rom keine deutsche Mannschaft am Fußballturnier teilnahm.

Spielstatistik 1959 1. 16. September 1959, Ostberlin (keine Zuschauer), DDR – Deutschland (Amateure) 0:2 DDR: Klaus Thiele (4*) – Bringfried Müller (17), Werner Heine (6), Hans-Dieter Krampe (3) – Dieter Fischer (2), Werner Unger (5) – Roland Ducke (5), Günter Schröter (27), Gerhard Vogt (4), Dieter Erler (3), Reinhard Franz (4) – Trainer: Heinz KrügelBR Deutschland: Manfred Eglin – Werner Olk, Jürgen Kurbjuhn – Matthias Mauritz, Herbert Schäfer, Willi Schulz – Willy Meyer, Günter Herrmann, Joachim Thimm, Günter Nauheimer, Gert Dörfel – Trainer: Georg GawliczekSchiedsrichter: Kornelus (ČSR)Torfolge: 0:1 Fischer (53., Eigentor); 0:2 Dörfel (83.) 2. 23. September 1959, Düsseldorf (keine Zuschauer), Deutschland (Amateure) – DDR 2:1 DDR: Karl-Heinz Spickenagel (16) – Hans-Dieter Krampe, Werner Heine, Martin Skaba (2) – Dieter Fischer, Werner Unger – Roland Ducke, Lothar Meyer (11), Gerhard Vogt, Günter Schröter, Wilfried Klingbiel (2) – Trainer: Heinz KrügelBR Deutschland: Manfred Eglin – Willi Gerdau, Werner Olk – Jürgen Neumann, Herbert Schäfer, Willi Schulz – Matthias Mauritz, Heinz Höher, Joachim Thimm, Horst Wilkening, Gert Dörfel – Trainer: Georg GawliczekSchiedsrichter: Joop Martens (Niederlande)Torfolge: 0:1 Schröter (14., Handstrafstoß); 1:1 Thimm (33.); 2:1 Wilkening (65.) (* bisherige A-Länderspiele)

Olympische Spiele 1964 mini|Von links nach rechts: Nöldner, Heinsch, Kleiminger, Pankau, Urbanczyk, Frässdorf, Stöcker, Nachtigall, Unger, Liebrecht und Wacker (22. September 1963)

Innerdeutsche Ausscheidung Auch für die Spiele von Tokio 1964 hatten sich beide deutschen Seiten auf Ausscheidungsspiele geeinigt, ohne jedoch vorher auf das politisch bedingte Vorgeplänkel verzichten zu können. Im Gegensatz zu 1959 fanden jedoch beide Begegnungen im normalen Rahmen statt: am 15. September 1963 im Ernst-Thälmann-Stadion der damaligen Karl-Marx-Stadt vor 50.000 ZuschauernMichael Horn/Gottfried Weise: Das große Lexikon des DDR-Fußballs. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-536-8, S. 407. und am 22. September 1963 im Niedersachsenstadion in Hannover vor 15.000 Zuschauern. Konnte die DDR-Olympiaauswahl 1959 noch mit der kompletten A-Nationalmannschaft antreten, musste sie diesmal aufgrund eines FIFA-Beschlusses auf die Nationalspieler verzichten, die zuvor in Qualifikationsspielen zur Weltmeisterschaft aufgeboten worden waren. Als Trainer fungierten Károly Sós und Hans Studener. Die DFB-Auswahl konnte wiederum nur mit Amateurspielern antreten. Nach dem frustrierenden Auftreten von 1959 zeigte sich die DDR-Olympiaauswahl diesmal hoch motiviert und stellte schon im ersten Spiel mit einem 3:0-Sieg die Weichen nach Tokio. Die 1:2-Niederlage eine Woche später konnte das Ergebnis nicht mehr korrigieren.

Spielstatistik 1963 3. 15. September 1963 Karl-Marx-Stadt (50.000) DDR – BR Deutschland (Amateure) 3:0 Tore: Kleiminger, Stöcker, Nöldner 4. 22. September 1963 Hannover (15.000) BR Deutschland (Amateure) – DDR 2:1 Tor: Stöcker

Qualifikationsspiele Nach dem Gewinn der innerdeutschen Ausscheidung war für die DDR-Olympiaauswahl der Weg für die eigentliche Olympiaqualifikation im ersten Halbjahr 1964 frei, in der sie auf die Amateurmannschaft der Niederlande und auf die Olympiaauswahl der Sowjetunion traf. Während die Niederländer ohne Schwierigkeiten mit 1:0 und 3:1 ausgeschaltet werden konnten, waren die Begegnungen mit der Sowjetunion von hoher Dramatik gekennzeichnet. Während die Spiele in Leipzig und in Moskau jeweils 1:1 geendet hatten, setzte sich die DDR-Olympiaauswahl im Entscheidungsspiel am 28. Juni in Warschau überraschend hoch mit 4:1 durch.

Spielstatistik 1964 Qualifikation 5. 14. April 1964 Den Haag (5.000) Niederlande – DDR 0:1 Tor: Fräßdorf 6. 28. April 1964 Rostock (20.000) DDR – Niederlande 3:1 Tore: Frenzel, Stöcker, Fräßdorf 7. 31. Mai 1964 Leipzig (80.000) DDR – Sowjetunion 1:1 Tor: Frenzel (1:0) 8. 7. Juni 1964 Moskau (80.000) Sowjetunion – DDR 1:1 Tor: Kleiminger (1:1) 9. 28. Juni 1964 Warschau (25.000) DDR – Sowjetunion 4:1 Tore: Kleiminger, Urbanczyk, Vogel, Fräßdorf

Endrundenturnier Tokio In der Vorrunde des olympischen Endrundenturniers musste sich die DDR-Olympiaauswahl, die in Tokio innerhalb der gesamtdeutschen Mannschaft als Deutschland antrat, mit dem Iran, Rumänien und Mexiko auseinandersetzen. Trainer Sós musste auf die verletzten bisherigen Stammspieler Liebrecht und Kleiminger verzichten, dafür rückten Rock, Engelhardt und Bauchspieß nach. Während sich die Iraner und Mexikaner als leichte Gegner erwiesen und mit 4:0 bzw. 2:0 bezwungen wurden, konnte gegen die Olympiaauswahl Rumäniens nur ein 1:1 erreicht werden. Es reichte jedoch zum Einzug in das Viertelfinale, wo der Olympiasieger von 1960 Jugoslawien wartete. Mit einer guten Leistung und einem frühen Tor von Mittelstürmer Frenzel spielte sich die deutsche Auswahl mit 1:0 in das Halbfinale. Im Spiel gegen die CSSR mussten die Deutschen das Handicap tragen, ab der 30. Minute nur noch mit zehn Akteuren zu spielen, da Verteidiger Urbanczyk nach einer schweren Knieverletzung ausscheiden musste (Auswechslungen waren damals nicht erlaubt). Obwohl Nöldner die deutsche Elf in Führung geschossen hatte, siegte die CSSR durch ein Tor in der letzten Spielminute am Ende mit 2:1. Im Spiel um die Bronzemedaille trafen die Deutschen auf Ägypten, die Überraschungsmannschaft des Turniers. Am 23. Oktober 1964 gab es vor 60.000 Zuschauern einen souveränen 3:1-Sieg durch Tore von Frenzel, Vogel und Stöcker. Nach 13 Spielen hatte die DDR-Olympiaauswahl für Deutschland die Bronzemedaille erkämpft. In dieser Begegnung wurde mit folgender Mannschaft gespielt:

Jürgen Heinsch – Peter Rock, Manfred Walter, Manfred Geisler – Herbert Pankau, Gerhard Körner – Hermann Stöcker, Otto Fräßdorf, Henning Frenzel, Jürgen Nöldner, Eberhard Vogel

Spielstatistik Endrunde 1964 10. 11. Oktober 1964 Vorrunde (15.000) DDR – Iran 4:0 Tore: Frenzel 2, Bauchspieß, Vogel 11. 13. Oktober 1964 Vorrunde (25.000) DDR – Rumänien 1:1 Tor: Frenzel (1:0) 12. 15. Oktober 1964 Vorrunde (13.000) DDR – Mexiko 2:0 Tore: Barthels, Nöldner 13. 18. Oktober 1964 Viertelfinale (10.000) DDR – Jugoslawien 1:0 Tor: Frenzel 14. 20. Oktober 1964 Halbfinale (20.000) DDR – CSSR 1:2 Tor: Nöldner (1:0) 15. 23. Oktober 1964 Spiel um Bronze (60.000) DDR – Ägypten 3:1 Tore: Frenzel, Vogel, Stöcker

Spieleraufgebot 1963–1964 (System 3-2-5, * bisherige A-Länderspiele) Name / Spiel Nr. 3456789101112131415 Jürgen Heinsch (1*)111111111-111 Horst Weigang (2)---------1--- Klaus Urbanczyk (13)222222222222- Werner Unger (6)3333-66--6--- Manfred Walter (-)----333333333 Konrad Wagner (4)44----------- Klaus-Dieter Seehaus (3)--444----5--- Peter Rock (-)---------4--2 Herbert Pankau (3)555--5555-555 Kurt Liebrecht (11)66106--------- Manfred Geisler (-)----64444-444 Gerhard Körner (11)--6558866-666 Rainer Nachtigall (8)77----------- Eberhard Vogel (2)----711111111-111111 Wolfgang Barthels (2)--77-----7--- Dieter Engelhardt (-)-------7----- Jürgen Nöldner (8)88------1010101010 Bernd Bauchspieß (1)-------88-8-- Otto Fräßdorf (1)99998771079788 Heino Kleiminger (1)101088-1010------ Klaus Lisiewicz (-)----10----8--- Henning Frenzel (11)---1099999-999 Hermann Stöcker (1)1111111111----11-77

Olympische Spiele 1968