Josef Friedrich Limmer (* 21. Oktober 1892 in Kelheim; † 30. Juni 1967 in München) war ein deutscher Maler, Bildhauer und Pädagoge. Sein künstlerisches Werk, das stilistisch teils dem Expressionismus, dem Surrealismus und dem Magischen Realismus zugeordnet wird, umfasst insbesondere gesellschafts- und regimekritische Arbeiten aus der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus.
Leben und Beruf Josef Friedrich Limmer wurde als Sohn eines Lehrers in Kelheim geboren. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er ab 1905 die Präparandenschule in Deggendorf und das Lehrerseminar in Straubing. 1911 diente er als Einjährig-Freiwilliger in der Kaiserlichen Armee. Ab 1914 kämpfte er als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg in den Vogesen, wo er am 22. Juni 1915 schwer verwundet wurde. Nach seiner Genesung war er bis 1919 beim Generalkommando in Nürnberg tätig.
Ab März 1919 war Limmer als Lehrer an der Volksschule in Abensberg tätig und durchlief 1921 eine Ausbildung zum Gewerbelehrer in München. 1927 folgte die Versetzung nach Passau, wo er ab 1930 als hauptamtlicher Religions- und Hauptlehrer an der Innstadtschule wirkte. 1932 veröffentlichte er die reformpädagogische Schrift Das zeichnende Kind. Aufgrund seiner pädagogischen Ansätze und seiner religiösen Haltung geriet er ab 1933 in Konflikt mit dem NS-Lehrerbund, der ihn als „politisch unzuverlässig“ einstufte. Eine Bewerbung im städtischen Dienst in Regensburg wurde Ende 1938 abgelehnt. Am 6. Mai 1939 legte er seine Meisterprüfung als Bildhauer mit einem in Kupfer getriebenen Hausaltar ab.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Limmer im Oktober 1945 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler München und erhielt 1946 die Gewerbegenehmigung als Kunstmaler und Bildhauer. Er war weiterhin als Lehrer in Passau tätig, bis er 1958 als Oberlehrer in den Ruhestand versetzt wurde. Er verstarb 1967 in München.
Künstlerisches Schaffen Limmer war als Maler weitgehend Autodidakt, betätigte sich jedoch als künstlerischer Allrounder in der Malerei, Grafik (Aquarell, Holzschnitt und Linolschnitt) sowie in der plastischen Bildhauerei. 1933 wurde er Mitglied der Reichskulturkammer, was Voraussetzung für eine Ausstellungstätigkeit war. Nachweisbar sind Beteiligungen an der Großen Pädagogischen Ausstellung in München (1933–1935) sowie an den Jahresschauen des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg (1934 und 1935).
In seinem frühen Œuvre der 1920er und frühen 1930er Jahre thematisierte Limmer in sozial- und gesellschaftskritischen Werken oft die vermeintlichen Abgründe des Kleinbürgertums und der Bohème. Während der Zeit des Nationalsozialismus schuf Limmer im Verborgenen eine Reihe regimekritischer und apokalyptischer Werke, die stilistisch dem Magischen Realismus nahestehen und im internationalen Kunsthandel dokumentiert sind: Die Toten fluchen (1931): Eine subtile Kritik an den nationalistischen Gegnern der Weimarer Republik, dargestellt durch einen blinden Kriegsversehrten mit einem Bauchladen voller Totenköpfe. Wandervögel (1934): Eine symbolische Darstellung der Gleichschaltung der freien Jugendbünde in die Hitlerjugend, bei der zwei Figuren Särge statt Rucksäcke tragen, unter einer Hakenkreuz-Sonne am Horizont. Armageddon (1938): Ein kolorierter Holzschnitt, der ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Zerstörung von Industrieanlagen durch Luftangriffe visionär vorwegnimmt.
Sein nach 1945 entstandenes Spätwerk unterscheidet sich stark vom Frühwerk und wandte sich phantasmagorischen, harmonischen Motiven zu, darunter Darstellungen von Kindern, mythologischen Wesen (Faunen) und Naturgeistern. Werke des Künstlers befinden sich unter anderem in der Bottler & Pracher-Art Collection.
Weblinks Biographie auf der Webseite der Sammlung Die Kunst der Verschollenen Generation Auktionsdaten zu Josef Friedrich Limmer bei Artprice.com
Einzelnachweise Dokumentation des schriftlichen Nachlasses: Josef Friedrich Limmer – Ein Maler des künstlerischen Widerstands gegen das NS-Regime. In: Lost Generation Art, Karlsruhe. Abgerufen am 8. Juli 2026, von https://lostgen.art/limmer.html
Künstlerprofil: Josef Friedrich Limmer. In: Weltmalerei.de / Bottler + Pracher Art Collection. Abgerufen am 8. Juli 2026, von https://weltmalerei.de
Auktionslos 1856 (Begierde): Josef Friedrich Limmer. In: Kunstauktionshaus Schloss Ahlden, 182. Internationale Kunstauktion. Abgerufen am 8. Juli 2026, von https://schloss-ahlden.de
Auktionslos 1858 (Wandervögel): Josef Friedrich Limmer. In: Kunstauktionshaus Schloss Ahlden, 182. Internationale Kunstauktion. Abgerufen am 8. Juli 2026, von https://schloss-ahlden.de
Biografische Dokumentation: Limmer, Josef Friedrich – Original-Dokumente. In: 38. Antiquaria-Katalog (2024), S. 36. Abgerufen am 8. Juli 2026, von https://antiquaria-ludwigsburg.de
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