mini|Paul Delaroche (1797–1856) – Portrait de Jean-Frédéric Schall à 70 ans (Zeichnung, 1822). Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg Jean-Frédéric Schall (* 14. März 1752 in Straßburg; † 24. März 1825 in Paris), auch Challe oder Chall sowie Frédéric-Jean genannt, war ein französischer Genre-, Porträt- und Illustrationsmaler. Er wurde vor allem durch galante Szenen des späten Ancien Régime sowie durch Bildnisse von Schauspielerinnen und Tänzerinnen bekannt. Nach der Französischen Revolution schuf er zudem patriotische Allegorien und Illustrationen zu literarischen Werken. Seine Gemälde wurden bereits zu seinen Lebzeiten in großer Zahl reproduziert und fanden europaweite Verbreitung. Nach seinem Tod griffen Künstler der französischen Romantik, insbesondere Achille Devéria, Motive wieder auf. Ein erheblicher Teil seines Œuvres befindet sich heute in Privatbesitz.

Leben mini|Jean-Frédéric Schall – L’Amour frivole (um 1780). Musée Cognacq-Jay, Paris Jean-Frédéric Schall wurde am 14. März 1752 in Straßburg geboren. Um 1768 besuchte er die École publique de dessin seiner Heimatstadt, wo er bei Pierre und Henri Haldenwanger ausgebildet wurde. Ab 1771 hielt er sich in Paris auf. Zunächst arbeitete er im Atelier des Schlachtenmalers Francesco Casanova, anschließend studierte er an der Académie royale de peinture et de sculpture bei Nicolas-René Jollain und Nicolas-Bernard Lépicié. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Johann Georg Wille, dem Bildhauer Jean-Baptiste Lemoyne sowie dem Straßburger Bankier und Kunsthändler Johann Heinrich Eberts. In seinen frühen Werken signierte Schall häufig mit Challe oder Chall. Diese Signaturen führten später mehrfach zu Verwechslungen mit dem Maler Charles-Michel-Ange Challe.

Bereits in den 1770er Jahren etablierte sich Jean-Frédéric Schall als Maler galanter Szenen. Seine Auftraggeber stammten überwiegend aus den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft. Zu seinen Mäzenen gehörten unter anderem Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken, Louis René Édouard de Rohan-Guéméné, Charles de Rohan-Soubise und Augustin-Gabriel Godefroy. Später wurde er auch von Lucien Bonaparte unterstützt.

1783 nahm Jean-Frédéric Schall am Salon de la Correspondance teil. 1787 heiratete er. Während der Französischen Revolution wandte er sich zeitweise patriotischen und allegorischen Themen zu. Obwohl er kein Mitglied der Académie war, durfte er in den Salons von 1793, 1795, 1798 und 1806 ausstellen. Das 1806 im Salon gezeigte Gemälde Pensée sur la brièveté de la vie entstand im Gedenken an seine früh verstorbene Tochter Palmyre. Jean-Frédéric Schall starb am 24. März 1825 in Paris.

Werk

Galante Szenen mini|Jean-Frédéric Schall – Toilette du soir. Rijksmuseum Twenthe Jean-Frédéric Schalls frühes Werk steht in der Tradition von Antoine Watteau, François Boucher und Jean-Honoré Fragonard. Ebenso wirkten die erotischen Kabinettstücke von Pierre-Antoine Baudouin auf seine Bildsprache ein.

Seine kleinformatigen galanten Szenen zeigen Begegnungen von Liebespaaren, Boudoir-Szenen, Toiletten oder Parklandschaften. Neben ihrem dekorativen Charakter gelten sie als wichtige Bildquellen für Mode, Möblierung und höfische bzw. großbürgerliche Lebensformen des späten 18. Jahrhunderts.

Zu den bekanntesten Werken dieser Schaffensphase zählen:

L'Offrande à l’Amour (1776, Privatbesitz), Toilette du matin und Toilette du soir (Rijksmuseum Twenthe), Les Trois Grâces (Musée du Louvre).

Viele seiner Kompositionen wurden durch kolorierte Kupferstiche weit verbreitet. Zu den bedeutendsten Stechern nach seinen Vorlagen gehörten Louis-Marin Bonnet, François Guérin, Alexandre Chaponnier, Charles-Melchior Descourtis, Nicolas Schencker und Augustin-Claude-Simon Legrand.

Porträts mini|Jean-Frédéric Schall – La Sultana Valida. Museum of Fine Arts, Boston Jean-Frédéric Schall schuf zahlreiche Bildnisse, insbesondere von Schauspielerinnen und Tänzerinnen des Pariser Theaters. Charakteristisch sind elegante Freiluftdarstellungen mit aufwendiger Kleidung und modischen Posen.

Zu seinen Porträtierten zählen unter anderem:

Sophie Arnould Louise Contat Madame Dugazon Joseph Dazincourt

Zu den bekanntesten Porträts gehört das Bildnis von Christine Boyer (1799/1800, Musée Magnin, Dijon).

Revolutionszeit und Spätwerk mini|Jean-Frédéric Schall – Vénus entourée d’une ronde d’amours près d’un buisson de roses avec Cupidon lui décochant une flèche. Privatsammlung Mit Beginn der Französischen Revolution änderte sich Frédéric Schalls Themenwahl vorübergehend. Es entstanden patriotische Allegorien und Historienbilder wie L’Allégorie à la liberté (Musée d’arts de Nantes) und L’Héroïsme de Guillaume Tell (1793, Musée des Beaux-Arts de Strasbourg).

Später kehrte er zu weiblichen Akten, bukolischen Szenen und Genrebildern zurück. Gleichzeitig arbeitete er verstärkt als Illustrator literarischer Werke. Er schuf unter anderem Vorlagen zu folgenden Werken:

Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierre: Paul et Virginie John Milton: Das verlorene Paradies Jean de La Fontaine: Les Amours de Psyché et Cupidon Jean-Jacques Rousseau: Les Confessions Jean-Jacques Rousseau: Émile Jean-Jacques Rousseau: Julie, ou, La Nouvelle Héloïse

In seinem Spätwerk zeigen sich stilistische Annäherungen an Nicolas Antoine Taunay, Philibert-Louis Debucourt, Martin Drolling und Pierre-Paul Prud’hon.

Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl) Eremitage, Sankt Petersburg Musée des Beaux-Arts de Strasbourg Musée d’arts de Nantes Musée du Louvre, Paris Musée d’Orsay, Paris Musée Magnin, Dijon Palazzo Barberini, Galleria Nazionale d’Arte Antica, Rom Rijksmuseum Amsterdam Staatliche Kunsthalle Karlsruhe Puschkin-Museum, Moskau New Orleans Museum of Art

Literatur Emmanuel Bénézit: Dictionnaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Band 12. Paris 1999. André Girodie: Un peintre de fêtes galantes. Jean-Frédéric Schall. Strasbourg 1927. Jean-François Heim, Claire Béraud, Philippe Heim: Les salons de peinture de la Révolution française 1789–1799. Paris 1989. Dominique Jacquot: Cinq siècles de peinture. Le Musée des Beaux-Arts de Strasbourg. Ausstellungskatalog. Strasbourg 2006. Pierre Rosenberg, Dominique Mandrella: Französische Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts in deutschen Sammlungen. Bonn/München 2005. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.

Weblinks

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Einzelnachweise

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