Die Industrie- und Handelskammer Breslau (kurz: IHK Breslau, ursprünglich Handelskammer Breslau) war eine deutsche Industrie- und Handelskammer mit Sitz in Breslau.

Geschichte In Breslau bestand eine Korporation der Kaufmannschaft, in der allerdings nur etwa ein Fünftel der Unternehmer Mitglied waren. Mit der Königlichen Verordnung vom 11. Februar 1848 über die Errichtung von Handelskammern wurden in Preußen die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Errichtung von Handelskammern neu gefasst.

Am 30. und 31. Mai 1848 wählten die Kaufleute der Stadt eine provisorische Handelskammer, die sich am 13. Juni 1848 konstituierte. Diese erarbeitete einen Satzungsentwurf, der über die gesetzlichen Regelungen hinausging. Mit Allerhöchstem Erlaß vom 30. Mai 1849, die Errichtung einer Handelskammer in Breslau betreffend, wurde jedoch festgelegt, dass exakt die Bestimmungen des Handelskammergesetzes anzuwenden seien. Die Kammer sollte 15 Mitglieder haben und konstituierte sich am 2. Juli 1849 nach den erfolgten Wahlen. Die Ältesten der Korporation der Breslauer Kaufmannschaft erklärten, dass ihre bisherigen Aufgaben und Rechte auf die neue Handelskammer übergehen sollten. Dazu zählte vor allem der Betrieb und die Überwachung der Börse Breslau.

Die Handelskammer verfügte nicht über den Status einer rechtlichen Person (diese erhielten die Kammern erst mit dem Gesetz vom 19. August 1897). Daher gründete sie den Börsen-Aktien-Verein, der das Gebäude „Neue Börse“ errichtete, in dem auch die Kammer ab 1867 ihren Sitz hatte.

Die Handelskammer war lediglich für die Stadt Breslau zuständig gewesen. 1903 wurde der Kammerbezirk um den Landkreis Breslau erweitert, 1909 kamen noch 13 weitere Kreise hinzu, und zwar Stadt und Landkreis Brieg, Guhrau, Militsch, Namslau, Neumarkt, Öls, Ohlau, Steinau, Strehlen, Trebnitz, Groß-Wartenberg und Wohlau. Der Rest des Regierungsbezirks Breslau wurde der Handelskammer Schweidnitz zugeteilt.

Die Zahl der Mitglieder der Kammer betrug 1870 24 und wurde in dem Wahlstatut von 1897 auf 27 erhöht, 1909 wieder auf 24 gesenkt und im Jahre 1919 auf 31 heraufgesetzt.

Die Handelskammer Breslau gab Mitteilungen und seit 1922 die Ostdeutsche Wirtschaftszeitung heraus.

Durch die Notverordnung des preußischen Handelsministers vom 1. April 1924 erhielten alle Handelskammern in Preußen die Bezeichnung Industrie- und Handelskammer, entsprechend wurde aus der Handelskammer Breslau die Industrie- und Handelskammer Breslau.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden auch die Industrie- und Handelskammern gleichgeschaltet. Es erfolgte 1933 zunächst eine „Neuwahl“ als Einheitsliste.Für die neu bestimmten Mitglieder siehe Ostdeutsche Wirtschaftszeitung vom 18. Mai 1933, S. 57, Digitalisat. Der Präsident wurde nun ernannt und ernannte nach dem Führerprinzip seinerseits die Kammermitglieder. 1943 wurde die IHK aufgelöst und zusammen mit der Handwerkskammer in die Gauwirtschaftskammer Niederschlesien mit Sitz in Breslau überführt.

1945 wurde Breslau von der Roten Armee erobert und unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben, die IHK Breslau stellte ihre Arbeit ein.

Personen Präsidenten Theodor Molinari (1849–1861) Johann August Franck (1861–1869) Isidor Friedenthal (1869–1886) Leo Molinari (1886–1903) Philipp von Eichborn (1903–1919) Bernhard Grund (1920–1935) O. Pfitzner (1935–1942) Friedrich Freiherr von Gregory (Präsident der Gauwirtschaftskammer 1942–1945) Mitglieder Karl Wilhelm Laßwitz Karl August Milde Leopold Schoeller Salomon Kauffmann

Mitarbeiter Hermann Weigel Alexander Meyer Georg Gothein

Literatur Hermann Freymark: Die Handelskammer Breslau 1849–1924, Digitalisat. Heinrich Oelrichs: Die Breslauer Handelskammer; in: Tradition: Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie, 6. Jahrg., H. 3. (Juni 1961), S. 133–143.

Einzelnachweise

Breslau Kategorie:Historische Organisation (Breslau) Kategorie:Verbandsgründung 1849 Kategorie:Aufgelöst 1942