mini|François-Bernard Lépicié nach einem Gemälde von Jacques François Delyen: Porträt von Nicolas Bertin, 1740. Eremitage, Sankt Petersburg François-Bernard Lépicié (* 2. Oktober 1698 in Paris; † 17. Januar 1755 ebenda), auch Bernard Lépicié, L'Épicier oder L'Epicié genannt, war ein französischer Kupferstecher, Kunstschriftsteller und Maler.
Leben François-Bernard Lépicié wurde am 2. Oktober 1698 in Paris geboren, war mit der Kupferstecherin Élisabeth (Élisabeth Renée) Lépicié, geborene Marlié, verheiratet und der Vater sowie Lehrer des Malers Nicolas-Bernard Lépicié. François-Bernard Lépicié erlernte die Kupferstecherkunst bei Jean Mariette und Gaspard Duchange. Noch vor 1724 reiste er nach London, wo er zusammen mit Nicolas Tardieu, Claude Dubosc und Nicolas Dauphin de Beauvais an der Stichwiedergabe der von Raffael entworfenen Kartons der Apostelgeschichte in Hampton Court beteiligt war.
1734 wurde er als agréé an der Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen. 1737 wurde er auf Empfehlung der Maler und Stecher Charles-Antoine Coypel und Philibert Orry, dem Direktor der königlichen Gebäude, zum Secrétaire historiographe der Académie ernannt. Erst mit der Einreichung seines Aufnahmestücks, einem Stich nach einem Porträt von Nicolas Bertin nach Jacques-François Delyen, wurde er 1740 ordentliches Mitglied der Akademie. Ab 1748 verfügte er über ein Atelier im Louvre.
Zwischen 1737 und 1748 stellte er im Salon der Akademie überwiegend Kupferstiche und daneben einige Gemälde aus. In den späten 1740er Jahren wirkte er gemeinsam mit dem Direktor der königlichen Gebäude, Charles-François Le Normand de Tournehem, und dem Premier Peintre du Roi, Charles-Antoine Coypel, an der Reform der Académie royale mit und förderte die Historienmalerei. 1749 wurde er Professor für Geschichte und Geographie an der École royale des élèves protégés. 1752 berief ihn der Marquis de Marigny, der Nachfolger Le Normand de Tournehems, zu seinem persönlichen Kunstberater.
Élisabeth Lépicié (1714–1773) war seit 1732 mit Bernard Lépicié verheiratet und zugleich seine Schülerin und Mitarbeiterin. Nach seinem Tod führte sie das gemeinsame Atelier im Louvre weiter und signierte eigenständig Stiche nach Boucher (Vie champêtre, 1741), Jean-Siméon Chardin, Coypel, Noël Hallé, Carle van Loo (Le Contrat de mariage) und David Teniers d. J.
Werk mini|François-Bernard Lépicié nach einem Gemälde von Jean Siméon Chardin: La ratisseuse, 1742. National Gallery of Art, Washington D. C. François-Bernard Lépiciés Kupferstiche zeigen Bezüge zu den Werken Raffaels, Rembrandts, David Teniers d. J., Charles Coypels und Giulio Romanos, wobei die Nähe zu zeitgenössischen Künstlern wie Nicolas de Largillière, Hyacinthe Rigaud und Étienne Jeaurat größer ist. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen Stiche nach Werken von Jean-Siméon Chardin, François Boucher und Noël Hallé. Als Stecher nach Chardin, dessen meistbeschäftigter Interpret er wurde, schuf er unter anderem die Werke La Gouvernante (1739), La Mère laborieuse (1740), La Maîtresse d'école (1741), Le Château de cartes, Le Toton und La Ratisseuse (1742) sowie Le Bénédicité und Le Souffleur (1744). Zu seinen Porträtstichen zählen die Bildnisse von Nicolas Bertin (nach Jacques-François Delyen) und Louis de Boullogne d. J. (beide nach Hyacinthe Rigaud, entstanden 1740 als Aufnahmestücke für die Akademie), ferner Bildnisse von Charlotte Desmares (nach Coypel, 1733), Antoine de La Roque (nach Antoine Watteau), Molière (nach Coypel für die Werkausgabe von 1734), Philibert Orry (nach Rigaud, 1737) und Antoine Watteau (nach diesem, 1736).
Er wirkte zudem an den Illustrationen mehrerer größerer Publikationen mit, darunter die Pariser Don-Quijote-Ausgabe von 1723/24, das sogenannte Cabinet de Crozat (Recueil d'estampes, 1729–1742), die dritte Auflage der Histoire de France von Charles-Jean-François Hénault (1749) sowie die Grande Galerie de Versailles nach Charles Le Brun (1752).
Als Schriftsteller verfasste er die Vies des premiers peintres du roi (1752) sowie gemeinsam mit Charles-Nicolas Cochin und Claude-Olivier Galimard den zweibändigen Catalogue raisonné des tableaux du Roy (1752–1754), der unvollendet blieb. Eine deutsche Übersetzung erschien 1769 in Halle.
Literatur Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter 2009. Émile Bellier de la Chavignerie, Louis Auvray: Dictionnaire général des artistes de l'école française depuis l'origine des arts du dessin jusqu'à nos jours. Architectes, peintres, sculpteurs, graveurs et lithographes. Band 1, Paris 1882. Madame de Pompadour und die Künste. Ausstellungskatalog, München 2002. Claudia-Alexandra Schwaighofer: Von der Kennerschaft zur Wissenschaft. Reproduktionsgraphische Mappenwerke nach Zeichnungen in Europa 1726–1857. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München 2006; Berlin/München 2009.
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Einzelnachweise
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