mini|hochkant|St. Ulrich in Birkmannsweiler mini|hochkant|Blick auf den Altar Die Kirche St. Ulrich (auch Ulrichskirche) ist eine evangelische Pfarrkirche in Birkmannsweiler, einem Stadtteil der Stadt Winnenden im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde Birkmannsweiler-Höfen-Baach gehört zum Kirchenbezirk Waiblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Kirche ist nach dem Heiligen Ulrich von Augsburg benannt. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen.
Geschichte Kirchlich gehörte Birkmannsweiler zunächst zu Winnenden. 1840 wurde eine eigene Pfarrei errichtet, der 1910 auch die beiden Filialkirchengemeinden Höfen und Baach, die bis dahin zu Winnenden gehörten, zugeordnet wurden, und 1851 ein eigener Friedhof außerhalb des Dorfs angelegt. Die evangelische Pfarrkirche Birkmannsweiler ist die ehemalige Ulrichskapelle, die erstmals 1524 bezeugt ist. 1697 wurde das rechteckige Schiff vom Winnender Steinmetz Johann Michael Groß (1673–1760) um mehrere Meter nach Westen verlängert.
1851 wurde das Kirchenschiff bei Erhalt der Umfassungsmauern abgebrochen und diese anschließend auf das Doppelte erhöht. Dadurch wurden der Einbau einer zweiten Empore sdowie eine größere Orgel ermöglicht. 1870 wurde der alte, 1767 erbaute Kirchturm abgebrochen und nach Plänen des dann verstorbenen Ulmer Münsterbaumeisters Ferdinand Thrän (1811–1870) durch einen Neubau ersetzt. Die Arbeiten wurden durch Oberamtsbaumeister Waelde fortgeführt und kosteten etwa 4500 Gulden. Der Sandstein für den Turm wurde bei Bretzenacker gebrochen. Weiterhin wurde eine neue Sakristei gebaut.
Architektur und Ausstattung Die Chorturmkirche hat ein verhältnismäßig kurzes, aber hohes, rechteckiges Schiff mit neugotischen Öffnungen. Die Sakristei ist an der Nordseite angebaut.
Kanzel Der hölzerne Kanzelkorb an der südlichen Chorbogenwand ist neugotisch auf früherem Pfeiler. Er enthält jedoch in den Brüstungsfeldern vier spätgotische Figurenreliefs eher ländlicher Herkunft und Qualität, die mit Figuren von vier Propheten in Ast- und Laubwerk und mit unbeschrifteten Spruchbändern verziert sind. Der Darstellungstypus, die Gestik, die Kleidung und die Spruchbänder weisen die vier Halbfiguren als Propheten aus. Da individuelle Attribute und Inschriften fehlen, können sie nicht näher bezeichnet werden. Möglicherweise sind die vier „großen“ Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel gemeint. Die fünfte Brüstungstafel ist mit einer in Flachschnitttechnik ausgeführten Topfpflanze, wohl von 1851, gestaltet.Karl Halbauer: Predigstül. Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation. In der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132; Stuttgart 1997, S. 362–365. Die ursprüngliche Position der spätgotischen Predigtkanzel im Kirchenraum ist nicht bekannt.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 239, 273.
Taufstein und Kruzifix Das Taufbecken ist aus Sandstein gefertigt und wurde 1849 von zwei Bürgerinnen gestiftet. Der Kruzifixus stammt von einem unbekannten Meister aus dem 17. Jahrhundert.
Glasgemälde Wolf-Dieter Kohler schuf mit der Stuttgarter Glaswerkstatt Saile 1955 ein Chorfenster mit den neutestamentlichen Bildthemen Christi Geburt, Taufe Jesu, Fußwaschung, Kreuzigung Jesu, Christi Auferstehung und Christus als Weltenherrscher.Oliver Kohler (Hrsg.): Licht und Farbe - Wolf-Dieter Kohler 1928-1985. Herausgegeben im Selbstverlag, Stuttgart 1988. Im Jahre 2001 schuf Hans Gottfried von Stockhausen ein Gleichnisfenster, ebenfalls bei der Werkstatt Saile.Werkverzeichnis Stockhausen , abgerufen am 6. Juli 2026.
Orgel Die erste Orgel wurde 1851 für 499 Gulden von der Firma Laukhuff (Pfedelbach) beschafft. Sie verfügte über sechs Register und war ein Geschenk von König Wilhelm I. von Württemberg. 1966 wurde dieses Instrument durch eine Serienorgel der Firma Walcker des Typs E8 mit 11 Registern auf zwei Manualen und Pedal ersetzt.
2005 erbaute die Orgelbaufirma Link als opus 1089 eine neue Orgel, die sich an der ersten Orgel von 1851 orientiert und in die erhaltenes historisches Pfeifenmaterial integriert wurde. Die neue Orgel erhielt 12 Register auf einem Manual und Pedal. Die alte Walcker-Orgel wurde an eine Kirchengemeinde auf Malta verkauft.
Die Disposition der Link-Orgel lautet: Manual C−f31. Principal 8′2. Großgedeckt 8′3. Salicional 8′4. Octave 4′5. Kleingedeckt 4′6. Spitzflöte 4′7. Quinte ′8. Oktave 2′9. Mixtur III–IV ′ Pedal C–f110. Subbass 16′11. Violonbass 8′12. Fagott 8′
Koppel: I/P
Glocken Im Kirchturm hängen drei Glocken. Die älteste stammt von Carl Friedrich Blüher und wurde im 18. Jahrhundert in Stuttgart gegossen. +ÜbersichtGlockeGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonDurchmesserHöheGewichtInschriftI.BachertKochendorf1951a′91 cm410 kgIch künde: Der Helden Tod, des Reiches Not. Ich rufe: zurück zu Gott.II.Heinrich KurtzStuttgart1958h′80,8 cmVon oben kling ich; ins Herze dring ich; vom Kreuze sing ich; zu Gott Dich bring ich. Gestiftet von der Kirchengemeinde Birkmannsweiler 1958III.Carl Friedrich BlüherStuttgart1780d″63,5 cm51 cmHerr Joh.Phil. Daniel, Oberamtmann; Herr M. Georg Chr. Scharfenstein PF; Abraham Hartmann Schulth.; Joh. Georg Dobler; Matthias Fischer Bürgerm; Abrahan Hartmann Heiligenpfleger; Umgegossen von C.F. Blüher in Stuttgart 1780
Literatur Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 2. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 1549f.
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Birkmannsweiler-Höfen-Baach
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Bauwerk in Winnenden Kategorie:Kulturdenkmal in Winnenden Kategorie:Ulrichskirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Bauwerk aus Sandstein Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Baden-Württemberg Kategorie:Ersterwähnung 1524 Kategorie:Geläut Kategorie:Disposition einer Orgel