mini|Mehdi Mousavi (2022) Seyed Mehdi Mousavi (; geb. 2. Oktober 1976 in Teheran) ist ein iranischer Dichter, Schriftsteller, Literaturkritiker und Apotheker. Internationale Bekanntheit erlangte er, nachdem er gemeinsam mit der iranischen Dichterin Fatemeh Ekhtesari wegen seiner literarischen Tätigkeit im Iran zu einer langjährigen Haftstrafe und 99 Peitschenhieben verurteilt worden war. Der Fall löste weltweit Proteste von Schriftstellern und Menschenrechtsorganisationen aus.

Seit 2017 lebt Mousavi im norwegischen Lillehammer als Exilschriftsteller im Rahmen des International Cities of Refuge Network (ICORN). Er nimmt regelmäßig an internationalen Literaturveranstaltungen und Projekten zur Förderung der Meinungs- und Kunstfreiheit teil.

Leben

Mousavi wurde 1976 in Teheran geboren und wuchs in Karadsch auf. Er studierte Pharmazie an der Mashhad University of Medical Sciences und promovierte in diesem Fach. Bereits während seines Studiums veröffentlichte er Gedichte und literaturkritische Texte und organisierte literarische Workshops.

Mehrere seiner Gedichtsammlungen erhielten im Iran keine Druckgenehmigung und wurden stattdessen im Ausland oder über Untergrundnetzwerke verbreitet. Mousavi gilt als einer der prägenden Vertreter der postmodernen Ghazal in der persischen Literatur.

Werk

Mousavis literarisches Werk verbindet klassische Formen der persischen Dichtung mit zeitgenössischen Themen wie Zensur, Gewalt, Exil und individueller Freiheit. Seine Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Norwegisch, Deutsch, Niederländisch, Spanisch und Hebräisch.

Er gilt als eine der prägenden Persönlichkeiten der postmodernen Ghazal und spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung dieser literarischen Strömung im Iran. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit leitete er über viele Jahre Literatur- und Schreibwerkstätten, organisierte Literaturfestivals und veröffentlichte literaturtheoretische Beiträge zur zeitgenössischen persischen Dichtung.

Mehrere seiner Gedichtbände wurden im Iran verboten. Zahlreiche Texte erschienen deshalb zunächst im Internet oder bei Verlagen im Ausland. Sein Werk beschäftigt sich häufig mit gesellschaftlichen Tabus, politischer Unterdrückung und den Folgen von Zensur und Exil.

Verfolgung und Exil

Im Dezember 2013 wurden Mousavi und die Dichterin Fatemeh Ekhtesari vor einer geplanten Reise in die Türkei festgenommen. Nach ihrer Freilassung auf Kaution wurden beide 2015 wegen ihrer literarischen Tätigkeit und weiterer Anklagepunkte zu mehrjährigen Haftstrafen sowie 99 Peitschenhieben verurteilt. Der Fall wurde international bekannt und führte zu Solidaritätsbekundungen von Schriftstellerverbänden und Menschenrechtsorganisationen.

Nach seiner Flucht aus dem Iran gelangte Mousavi 2017 im Rahmen des International Cities of Refuge Network (ICORN) nach Norwegen. Seither lebt er in Lillehammer und setzt dort seine literarische Arbeit sowie sein Engagement für die Meinungs- und Kunstfreiheit fort.

2021 erschien im Verlag Das Wunderhorn seine Lyrik in der zweisprachigen Anthologie Kontinentaldrift: Das Persische Europa (hrsg. von Daniela Danz und Ali Abdollahi). Die Anthologie versammelt Gedichte von 35 persischsprachigen Lyrikerinnen und Lyrikern, die in verschiedenen europäischen Ländern leben und schreiben.

2024 war er Writer in Residence des internationalen Literaturhauses Passa Porta in Brüssel.

Weblinks

Einzelnachweise

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