mini|Rowan Atkinson als Mr. Bean 2007 neben dem Manneken Pis in Brüssel Mr. Bean ist eine fiktive Figur aus der britischen Comedy-Fernsehserie Mr. Bean, ihrer animierten Fortsetzung und zwei Realfilmen. Die Figur wurde von Rowan Atkinson und Richard Curtis geschaffen und von Atkinson dargestellt. Ihren ersten Fernsehauftritt hatte sie in der Pilotfolge, die am 1. Januar 1990 erstmals ausgestrahlt wurde.
Überblick Mr. Bean lebt in Wohnung 2, 12 Arbour Road, Highbury, London, England. Sein Vorname und sein Beruf, sofern er überhaupt einen hat, werden nie genannt; er stellt sich lediglich als „Bean“ vor. In der ersten Verfilmung Bean – Der ultimative Katastrophenfilm steht unter „Vorname“ „Mr.“ in seinem Reisepass, außerdem arbeitet er dort als Wachmann in der Londoner National Gallery. Als Geburtsdatum zeigt der Film den 6. Januar 1955 an, das tatsächliche Geburtsdatum von Rowan Atkinson.Mel Smith: Bean: The Ultimate Disaster Movie. PolyGram Filmed Entertainment, 1997.
Ab der zweiten Folge der Serie fällt Mr. Bean zu Beginn aus einem Lichtstrahl vom Himmel, begleitet von einem Chor, der Ecce homo qui est faba („Siehe, der Mann, der eine Bohne ist“) singt; die Aufnahme stammt vom Chor der Southwark Cathedral. Atkinson räumte ein, dass Mr. Bean „etwas Außerirdisches an sich“ habe. In der Zeichentrickserie wird er in der Folge Double Trouble an Bord eines Raumschiffs gebracht, in dem sich „Außerirdische“ befinden, die genauso aussehen wie er und sogar eigene Plüschtiere besitzen. Als Hommage schicken ihn die Außerirdischen in einem Lichtstrahl und zu einer Musik zurück nach Hause, die dem Vorspann der ursprünglichen Realserie ähnelt.
Kleidung Mr. Bean trägt üblicherweise ein braunes Tweedsakko, ein weißes Hemd, eine schmale rote Krawatte, eine braune Hose, schwarze Schuhe und eine schwarze digitale Taschenrechneruhr. Gelegentlich passt er seine Kleidung der jeweiligen Situation an.
Persönlichkeit Mr. Bean ist unreif, selbstbezogen und äußerst wettbewerbsorientiert und bringt bei alltäglichen Aufgaben verschiedene ungewöhnliche Pläne und Vorrichtungen zum Einsatz. Er spricht nur selten, und wenn er es tut, handelt es sich gewöhnlich nur um einige gemurmelte Worte mit einer komisch tiefen Stimme. Mr. Bean scheint grundlegende Aspekte der Funktionsweise der Welt häufig nicht zu beachten, und die Serie zeigt typischerweise seine Versuche bei Tätigkeiten, die allgemein als einfach gelten würden, etwa schwimmen zu gehen, einen Fernseher zu benutzen, eine Wohnung neu zu gestalten oder einen Gottesdienst zu besuchen. Der Humor entsteht größtenteils aus seinen originellen und häufig absurden Lösungen für meist selbst verursachte Probleme, aus seiner völligen Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen sowie seiner Kleinlichkeit und gelegentlichen Bösartigkeit.
Atkinson selbst äußerte sich in verschiedenen Interviews zur Figur. Er beschrieb Bean als „ein Kind, das im Körper eines Mannes gefangen ist“, mit dem Egoismus, der Rachsucht und der potenziellen Boshaftigkeit eines Kindes. In einem weiteren Interview bezeichnete er die Figur als geborenen Anarchisten, der egoistisch und selbstbezogen sei.
Entstehung Die Figur des Mr. Bean wurde entwickelt, als Rowan Atkinson am The Queen’s College in Oxford seinen Masterabschluss in Elektrotechnik machte. Ein Sketch mit Bean wurde Anfang der 1980er Jahre beim Edinburgh Festival Fringe aufgeführt. Robert Box, eine ähnliche und ebenfalls von Atkinson gespielte Figur, tritt in der einmalig ausgestrahlten ITV-Sitcom Canned Laughter aus dem Jahr 1979 auf.
Einer der frühesten Auftritte Beans fand 1987 beim Comedyfestival Just for Laughs in Montreal, Québec, Kanada statt. Als die Programmverantwortlichen seinen Auftritt in das Festivalprogramm einplanten, bestand Atkinson darauf, im französischsprachigen statt im englischsprachigen Programm aufzutreten. Da sein Auftritt keinerlei französische Dialoge enthielt, konnten die Programmverantwortlichen nicht verstehen, warum Atkinson im französischsprachigen Programm auftreten wollte. Wie sich herausstellte, diente Atkinsons Auftritt beim Festival als Test für seine Figur, da er herausfinden wollte, wie deren körperbetonte Komik auf einer internationalen Bühne vor einem nicht englischsprachigen Publikum funktionieren würde.
Der Name der Figur wurde erst festgelegt, nachdem die erste Folge bereits produziert worden war; zuvor wurden verschiedene andere von Gemüse inspirierte Namen erwogen.
Einflüsse Atkinson nannte die frühere, vom französischen Komiker und Regisseur Jacques Tati geschaffene Komödienfigur Monsieur Hulot als Einfluss auf die Figur. Außerdem verwies Atkinson auf den Einfluss von Peter Sellers, der zuvor ähnliche Figuren eines „tollpatschigen Narren“ gespielt hatte, insbesondere Hrundi Bakshi in Der Partyschreck (1968) und Inspektor Clouseau in den Rosaroter-Panther-Filmen. Stilistisch ähnelt Mr. Bean auch frühen Stummfilmen, da die Serie weitgehend auf Slapstick setzt und Mr. Bean nur sehr wenig spricht, obwohl wie in anderen Realfilm-Sitcoms dieser Zeit Lachkonserven verwendet wurden. Dadurch konnte die Serie weltweit in mehr als 245 Länder verkauft werden, ohne dass die Dialoge wesentlich verändert werden mussten. Im November 2012 erklärte Atkinson gegenüber The Daily Telegraph, dass er beabsichtige, die Figur nicht mehr zu spielen, da „jemand in seinen Fünfzigern, der sich kindlich verhält, ein wenig traurig wird“. 2016 änderte Atkinson jedoch seine Meinung und erklärte, er werde sich nie endgültig von der Rolle des Mr. Bean verabschieden.
Auftritte Mr. Bean ist sowohl die Hauptfigur der gleichnamigen Fernsehserie, ihres animierten Ablegers sowie der Kinofilme Bean – Der ultimative Katastrophenfilm (1997) und Mr. Bean macht Ferien (2007). Bean hatte außerdem Gastauftritte bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2012 in London und im chinesischen Film Top Funny Comedian: The Movie aus dem Jahr 2017. Atkinson spielte Bean zudem in mehreren Sketchen für Comic Relief.
Bean hatte außerdem Gastauftritte in Fernsehsendungen, die gewöhnlich nicht fiktional sind, etwa in Talkshows, häufig als Werbeaktionen für neue Folgen, VHS-oder DVD-Veröffentlichungen und Spielfilme. Darüber hinaus trat die Figur im Laufe der Jahre in zahlreichen Fernsehwerbespots auf, darunter Kampagnen für die Supermarktkette REMA 1000, M&M’s, Snickers, Fujifilm, den Nissan Tino und zuletzt 2019 für das Telekommunikationsunternehmen Etisalat.
Im Jahr 2020 war Mr. Bean während der COVID-19-Pandemie in seiner animierten Form Teil einer Aufklärungskampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die für Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus warb.
Rezeption und Wirkung
Weltweit rechts|mini|280x280px|Statue von Mr. Bean am Leicester Square in LondonDie Figur Mr. Bean entwickelte sich seit den 90er Jahren zu einem internationalen Comedyphänomen, das sich mit Auftritten in Filmen, digitalen Plattformen, Apps, Produktlinien oder Werbespots popkulturell weit über die ursprüngliche Serie hinausentwickelte. Im 21. Jahrhundert erzielte Mr. Bean zudem eine große digitale Reichweite über Social-Media-Plattformen wie YouTube. So entstanden zu einigen Szenen aus der Serie und den Filmen auch Memes.
In Deutschland Im deutschen Fernsehen trat die Figur erstmalig am 1. Januar 1991 auf, genau ein Jahr nach der britischen Premiere. Durch regelmäßige Wiederholungen von Serie und Filmen zu unterschiedlichen Anlässen blieb die Figur in Deutschland dauerhaft präsent. So strahlte Super RTL zum 20-jährigen Jubiläum 2010 ein Abendprogramm mit einem Best-of-Special und zwei anschließenden Serienfolgen aus. 2022 nahm der Sender zur Hauptsendezeit außerdem die Dokumentation Happy Birthday, Mr. Bean! mit fünf anschließend ausgestrahlten Folgen der Serie ins Programm.
Würdigung Im Februar 2020 wurde am Leicester Square im West End von London neben weiteren Statuen britischer Kulturikonen und -figuren eine Statue von Mr. Bean enthüllt.
Einzelnachweise
Kategorie:Fiktive Person