Der Sechsfachmord von Stade vom 29. Juni 2026 bezeichnet einen Schusswaffenangriff in einer Mutter-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade.

Tatverdächtig ist der in Deutschland geborene 45-jährige Türke Fatih G., der im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit zu einem Hilfeplangespräch in der Einrichtung erschienen war und dort insgesamt sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erschoss. Neben drei Angestellten des privaten Trägers befanden sich auch drei Mitarbeitende des Jugendamts der Region Hannover unter den Todesopfern. Der Tatverdächtige floh nach den Schüssen vom Tatort und wurde kurze Zeit später in einem Pkw gestoppt und von Polizeikräften festgenommen. Das Amtsgericht erließ daraufhin Haftbefehl gegen den 45-Jährigen. Der Tatverdächtige starb im Juli 2026 in Untersuchungshaft durch Suizid.

Hintergrund und Tathergang Am 22. April 2026 wurde die wenige Wochen alte Tochter des 45-jährigen Tatverdächtigen in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wegen Hirnblutungen infolge eines möglichen Schütteltraumas notfallmedizinisch behandelt. Nach dem Befund soll der Mann gegenüber den Ärzten der MHH aggressiv aufgetreten sein und ihnen verbal gedroht haben.

Daraufhin leitete das Jugendamt am 15. Mai die Inobhutnahme des Kindes ein. Die Staatsanwaltschaft Hannover nahm Ermittlungen gegen die Eltern wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen auf. Später ordnete ein Familiengericht an, den Säugling wieder mit der 34-jährigen Kindsmutter zusammenzuführen. Mutter und Kind bezogen daraufhin am 26. Mai 2026 eine Mutter-Kind-Einrichtung in Stade.

Am Tattag, dem 29. Juni 2026, erschien der 45-Jährige zu einem Hilfeplangespräch in der Einrichtung. Im Verlauf des Gesprächs eröffnete er das Feuer und tötete sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe und des Jugendamts. Nach Recherchen vom NDR handelte es sich bei der Tatwaffe um eine Pistole des Typs Beretta Modell 70 mit 21 Schuss Munition, die der Tatverdächtige wenige Tage zuvor am Berliner Kurfürstendamm illegal erworben haben soll. Der mutmaßliche Händler wurde am 1. September fest- und in Untersuchungshaft genommen. Gegen 12:10 Uhr wurde die Polizei wegen der Schüsse alarmiert. Wenig später stoppten Einsatzkräfte den Fluchtwagen und nahmen den mutmaßlichen Täter als Beifahrer eines Mercedes-AMG GLE 43 fest. Auch die 65-jährige Fahrerin des Fahrzeugs, die sich selbst als Patentante des Kindes bezeichnete, wurde vorläufig festgenommen.

Der Tatverdächtige wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt gebracht, nachdem das zuständige Amtsgericht Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte. Die Staatsanwaltschaft Stade wirft ihm sechsfachen Mord vor. Insbesondere die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe sieht sie als erfüllt an. Später teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass auch gegen die 65-jährige Fluchtwagenfahrerin sowie gegen die Kindesmutter wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord ermittele.

Zur Aufklärung der Tat richtete die Polizei eine Mordkommission ein.

Nach Recherche der Bild-Zeitung laufen in der Türkei gegen den Tatverdächtigen mehrere Strafverfahren unter anderem wegen des Verdachts eines schweren Sexualdelikts in Kahramanmaraş im Mai 2007 sowie wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs seiner eigenen Tochter im Juni 2022 in Gaziantep. Die Staatsanwaltschaft stellte diesbezüglich eine offizielle Anfrage bei den türkischen Kollegen.

Rolle der Fluchtwagenfahrerin Die 65-jährige Fluchtwagenfahrerin war mehreren Medienberichten zufolge bereits vor der Tat im Sorgerechtsstreit involviert. Am Freitag, dem 26. Juni, habe sie ein 20-seitiges Dokument an diverse Medienstellen versandt, um den Konflikt zwischen den Eltern und den Behörden in der Region Hannover öffentlich zu machen. Zusätzlich warf sie den behandelnden Ärzten vor, der Version des Vaters, das Kind im Schlaf versehentlich verletzt zu haben, keinen Glauben geschenkt und hierdurch eine Eskalationsspirale gefördert zu haben. Nach Recherchen der HAZ arbeitet die 65-jährige Frau für eine Lobbyorganisation, die binationale Ehepaare berät und sich selbst als „Schnittstelle von Familien-, Bildungs- und Migrationspolitik“ versteht.

Am 2. Juli 2026 wurde bekannt, dass die 65-jährige Fahrerin des Fluchtwagens die Schwiegermutter des niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku (SPD), ist. Kurku erklärte, er habe die familiäre Verbindung nach Bekanntwerden unverzüglich den Ermittlungsbehörden und den zuständigen Stellen in seinem beruflichen Umfeld mitgeteilt und keine Kenntnis von der Tat gehabt. Die SPD-Fraktion sowie Ministerpräsident Olaf Lies stellten sich öffentlich hinter ihn.

Auch nach dem Tod des mutmaßlichen Haupttäters liefen die Ermittlungen weiter gegen zwei Frauen wegen Mordes. Die Mutter des Kindes und die Fahrerin des Fluchtautos stehen weiter unter Verdacht. Es gibt die Forderung von Politikern zur Aufarbeitung des Todes des mutmaßlichen Haupttäters.

Mutmaßlicher Suizid Am 21. Juli 2026 teilte das Niedersächsische Justizministerium mit, dass der Beschuldigte bei einer routinemäßigen Haftraumkontrolle um 6:05 Uhr von einem Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Bremervörde tot aufgefunden worden sei. Der hinzugezogene Notarzt stellte um 6:29 Uhr den Tod infolge Strangulation fest. Die anfangs durchgehende Kameraüberwachung war auf Anraten einer Gefängnispsychologin am Tag vor dem Suizid vollständig eingestellt worden.

Reaktionen Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb: „Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark. […] Viele Menschen, die helfen und schützen wollten, haben ihr Leben verloren oder wurden verletzt.“ Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ministerpräsident Olaf Lies und Innenministerin Daniela Behrens sprachen den Betroffenen ihre Anteilnahme aus.

Am 30. Juni 2026 kehrten rund 700 Menschen zu einer Trauerandacht in die St.-Wilhadi-Kirche ein.

Einzelnachweise

Kategorie:Geschichte (Stade) Kategorie:Kriminalfall 2026 Kategorie:Kriminalfall in Deutschland Kategorie:Niedersächsische Geschichte (21. Jahrhundert)