Karl-Heinz Klopf (* 1956 in Linz) ist ein österreichischer Künstler und Filmemacher. Er lebt und arbeitet in Wien.
Leben und Wirken Karl-Heinz Klopf absolvierte 1977 die Höhere Technische Bundeslehranstalt (HTL) im Fachbereich Hochbau. 1977–1982 studierte er an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung bei Laurids Ortner (Visuelle Kommunikation) und Helmut Gsöllpointner (Meisterklasse Metall). Nach einem Seminar bei dem deutsch-mexikanischen Architekten, Maler und Bildhauer Mathias Goeritz über Skulptur im öffentlichen Raum reiste Klopf 1979 nach Mexiko-Stadt, wo er die großdimensionierten Arbeiten von Goeritz im urbanen Kontext studierte. 1981 wurde er eingeladen, zusammen mit Gerhard Knogler den Zigarettenturm (1982) für den Neubau der Austria Tabakwerke in Linz zu gestalten. Seine Diplomarbeit zum Thema „Objekt für meinen Wohnraum“ (Wasserkla4, 1982) stellte ein transdisziplinäres Werk dar, in dem er einen Flügel umgestaltete, und dabei Readymade, Installation, Zeichnung, Sound und Performance verknüpfte. Performances mit dem Wasserkla4 fanden u. a. 1983 in der Neuen Galerie der Stadt Linz und im Rahmen der Ars Electronica 1984 in der Stadtwerkstatt Linz statt. 1984 zog er nach Wien um.
1985 fand Karl-Heinz Klopfs erste Museumspersonale mit Zeichnungen in der Neuen Galerie der Stadt Linz statt. Zwischen 1986 und 1988 verbrachte er längere Arbeitsaufenthalte in New York. Dort realisierte er neben Super-8-Filmen und Zeichnungen auf Kartons, die er auf den Straßen sammelte, kleine Objekte aus gefundenen Materialien und Bildpostkarten (Works for a Suitcase, 1987). Der Einzelausstellung Conceilings (1992) im Österreichischen Kulturinstitut New York folgte die Personale Planen (1993) in der Wiener Secession. Mit einem Stipendium arbeitete Klopf an dem umfangreichen Video Splace (1996) über Architekturen und urbane Bedingungen in Tokio. Splace und das Video Environments (1998), eine Gegenüberstellung urbaner und digitaler Räume, wurden in der von Hou Hanru und Hans Ulrich Obrist kuratierten internationalen Wanderausstellung Cities on the Move (1997–1999) präsentiert. Für die 9. Istanbul Biennale realisierte er die In-Situ-Arbeit Mind the Steps (2005), in der er informell gebaute Strukturen im öffentlichen Raum mit performativer Aneignung verknüpfte. In seiner umfangreichen Museumsausstellung From/To (Landesgalerie Linz, 2006) entwickelte Klopf einen raumbezogenen Parcour, in dem er seine verschiedene Werkgruppen vereinte. Auf Einladung der Liverpool Biennale schuf er das filmische Stadtportrait They (2010) über bauliche, soziale und soziologische Transformationen und Verwerfungen in Nordliverpool, das bei der Liverpool Biennale 2010 ausgestellt und bei der Diagonale 11 in Graz als bester Kurzdokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Sein experimenteller Langfilm Tower House (2013) über das gleichnamige Haus in Tokio wurde bei den 38. Duisburger Filmwochen mit einer lobenden Erwähnung bedacht. 2016 widmete ihm das BAFICI (Buenos Aires Internationales Festival des Independent-Films) eine umfangreiche Werkschau. Nesting Endless (2021), ein Film über Friedrich Kieslers Nesting Table, feierte bei der Viennale 2021 seine Premiere.
Kunst im öffentlichen Raum: Karl-Heinz Klopf realisierte zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum, wie den Mondplatz (Volksschule Engerwitzdorf, 2003) oder Dribbling (Stadion Wals-Siezenheim, Salzburg, 2004), die er in Zusammenarbeit mit seiner Partnerin, der Künstlerin Sigrid Kurz, umsetzte. Für den Erweiterungsbau des Bundesrealgymnasiums in Kufstein (Architektur: Johannes Wiesflecker) entwarf er die Zerknitterte Wand (2012). Weitere Beispiele sind das Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit (Linz, 2017) oder Ried (Salzburg, 2020).
Ausstellungsarchitektur: Für zahlreiche Ausstellungen schuf er skulpturale Displays, in denen er eine Wechselbeziehung von der Architektur des Ausstellungsraums mit den ausgestellten Exponaten herstellte; wie in den Ausstellungen Stiftersphäre (Galerie im Stifterhaus, Linz, 2000; mit Sigrid Kurz), Proposals for Venice (Landesgalerie Linz, 2011) oder De Sculptura (Salzburg Museum, 2013).
Architektur: Im Jahr 2000 wurde Klopf für die Erstellung eines Entwurf für eine umfangreiche Revitalisierung und Neugestaltung eines kleinen Stadthauses in Hohenems eingeladen. Das sogenannte R-Haus wurde im Frühjahr 2004 fertiggestellt und wird sowohl für private als auch kulturelle Aktivitäten genutzt.
Karl-Heinz Klopf ist Mitglied der Wiener Secession.
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen und monographische Filmpräsentationen 1985: Zeichnungen, Neue Galerie der Stadt Linz, Linz 1990: Kaschierungen, Galerie Bob van Orsouw, Zürich; Knoll Galéria, Budapest 1991: Kaschierungen, Galerie Knoll, Wien 1992: Conceilings, Austrian Cultural Institute New York, New York 1993: Planen, Secession, Wien 1996: Splace, Galerie Stadtpark, Krems 2000: Expand, Galerie Grita Insam, Wien (mit Sigrid Kurz) 2003: By Way of Display, Galerie Grita Insam, Wien 2006: From To, Landesgalerie Linz, Linz 2010: You‘re Having a Laugh, Liverpool Biennial, Static Gallery, Liverpool 2010: Big Blackboard: Beijing, CU Space, Peking 2014: The Andra Matin House and Other Structures, Sewon Art Space, Yogyakarta 2015: Inhabitations, MUMOK-Kino, Wien 2016: Foco Karl-Heinz Klopf, BAFICI, Buenos Aires 2018: Property Liberty, Kunsthandel Gril & Neffe, Wien 2019: Karl-Heinz Klopf, Blickle Archive Series, Blickle Kino, Belvedere 21, Wien 2022: Eine Stufe mehr, museumORTH, Orth an der Donau 2024: Komplex, Fotogalerie Wien, Wien
Gruppenausstellungen 1980: Intelligenz der Hand, Museum des 20. Jahrhunderts, Wien 1985: Internationale Triennale der Zeichnung, Kunsthalle Nürnberg, Nürnberg 1986: Blaas, Klopf, Ströhle, Akademie der bildenden Künste, Budapest 1987: Inaugural, Onetwentyeight Gallery, New York 1987: Europalia, Museum van Hedendaagse Kunst, Gent 1988: Savremi Austrijski Crtez, Galerie Novi Hram, Sarajevo; Velika Galerija, Novi Sad 1988: Art Actuel d’Autriche, Musée de l’Etat; Galerie Lea Gredt, Luxemburg 1989: 60 Tage Österreichisches Museum des 21. Jahrhunderts, Wien 1989: Begegnung Ost-West, Ulmer Museum, Ulm 1990: Vision Wien, Galerie van Esch, Eindhofen 1991: Kunst, Europa, Hamburger Kunstverein, Hamburg 1993: Spiel ohne Grenzen, Mücsarnok, Budapest 1993: Reise zu den Quellen, museum in progress, Wien (mit Sigrid Kurz) 1996: Kunst aus Österreich 1886–1996, Bundeskunsthalle, Bonn 1997–1999: Cities on the Move, Secession, Wien; CAPC, Bordeaux; PS1, New York; Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek; Hayward Gallery, London; Kiasma Museum of Contemporary Art, Helsinki; Stadträume in Bangkok 1998: Archiv X, O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz 1999: I (as in India), Shankara Art Centre, Bangalore 1999: Plug In, Salon3, London 1999: Fotoprofile, Kunsthaus Bregenz, Bregenz 1999: 3. Medien- und Architektur-Biennale Graz, Graz 2001: Re:Location, O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz 2003: Re:Considering Crossings, Parasite Art Space, Hong Kong (mit Sigrid Kurz) 2003: Sight.Seeing, 4. Österreichische Triennale zur Fotografie, Graz 2003: Performative Installation, Galerie im Taxispalais, Innsbruck (mit Sigrid Kurz) 2005: Istanbul, 9th International Istanbul Biennial, Istanbul 2005: Wayward Economy, Main Trend Gallery, Taipeh 2006: Postmediale Kondition/Post-Media Condition, Neue Galerie Graz, Graz; MediaLab Madrid (mit Sigrid Kurz) 2009: Normalzustand, Festival der Regionen/Festival of Regions, Linz 2010: City States, Liverpool Biennial, Liverpool 2013: Zeit(lose) Zeichen, Künstlerhaus, Wien, Austrian Cultural Forum London 2013: Loos. Zeitgenössisch, MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien 2015: Piano Pieces, Salzburg Museum, Salzburg 2015: Display of the Century – Frederick Kiesler and Contemporary Art, Austrian Cultural Forum New York, NY 2024: Kiesler heute – Werkdialoge, Kunsthaus Zug, Zug 2024: Works from Suitcases, Exile, Wien
Filme und Videos (Auswahl) Stadt (1986), 6:40 min. Typing on the Windy Film Set (1987), 9:30 min. Postkarten (1991), 4:50 min. Platz (#1) (1992), 4 min. Sky Trace (1993), 8:30 min. Stop Over (1994), 30 min. First Floor Shot (1996), 25 min. Splace (1996), 63 min. Environments (1998), 86 min. Flying High (1999), 5:30 min. Studio (2000), 8 min. (mit Sigrid Kurz) Jet Lag (2001), 5 min. Wawel (2001), 6:50 min. Fake a City – Sell a City (2002), 4:20 min. (mit Sigrid Kurz) Me, We and the Cities (2002), 8 min. (mit Sigrid Kurz) By Way of Display (2003), 37 min. Teşvikiye (2005), 5:10 min. They (2010), 35 min. Plan (2011), 30 min. Tower House (2013), 62 min. A Tropical House (2015), 51 min. Testa (2018), 18 min. Nesting Endless (2021), 26 min. Attic Mystery Tour (2022), 5 min.
Werke im öffentlichen Raum Zigarettenturm, Austria Tabakwerke, Linz (Fertigstellung 1982 / mit Gerhard Knogler) Platzgestaltung, Hollabrunn/Niederösterreich (Fertigstellung 1994) Lichtwand, Landeskinderklinik, Linz (Fertigstellung 1997) Emoticon, Sozialpädagogisches Zentrum, Salzburg (Fertigstellung 1998 / mit Sigrid Kurz) Doppelblitz, Wohnhausanlage „Leben im Park“, Leonding/Oberösterreich (Fertigstellung 2002) Mondplatz, Volksschulel Engerwitzdorf-Mittertreffling/Oberösterreich (Fertigstellung 2003 / mit Sigrid Kurz) R-Haus, Hohenems/Vorarlberg (Fertigstellung 2004) Drippling, Stadion Salzburg Wals-Siezenheim / Red Bull Arena, Salzburg (Fertigstellung 2004 / mit Sigrid Kurz) Einmal Vierzig, Mondsee Land Art (Fertigstellung 2005) Dialekt, Bezirkshauptmannschaft Rohrbach/Oberösterreich. (Fertigstellung 2008) Halm, Kurresort Raxblick, Prein an der Rax/Niederösterreich (Fertigstellung 2010) Zerknitterte Wand, Bundesrealgymnasium, Kufstein/Tirol (Fertigstellung 2013) Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit, Linz (Fertigstellung 2017) Zahlenstütze und Ziffernwand, Berufsschule Rohrbach/Oberösterreich (Fertigstellung 2019) Portalgestaltung, Museum Lauriacum, Enns/Oberösterreich (Fertigstellung 2019) Ried, Quartier Riedenburg, Salzburg (Fertigstellung 2020) Linsenalphabet, Schulzentrum Gallneukirchen/Oberösterreich (Fertigstellung 2026)
Öffentliche Sammlungen Albertina, Wien; Generali Foundation, Wien, Salzburg; Kunsthaus Bregenz; Kunsthalle Nürnberg; Lentos Kunstmuseum Linz; mumok, Wien; Ursula Blickle Video Archiv, Wien; Wiener Secession; Fotosammlung des Bundes; Sammlung des Bundes; Sammlung des Landes Niederösterreich; Sammlung des Landes Oberösterreich; Sammlung der Stadt Wien; Sammlung der Stadt Linz
Auszeichnungen Lobende Erwähnung für Tower House und A Tropical House, SAH Award for Film and Video, Chicago (2017) Lobende Erwähnung für Tower House, 38. Duisburger Filmwoche, Duisburg (2014) Preis für They, beste Kurzdokumentation, Diagonale, Graz (2011) Kulturpreis für interdisziplinäre Kunstformen des Landes Oberösterreich, Linz (2011) Preis für By Way of Display in der Kategorie „Urban Research“, 6. Medien- und Architektur-Biennale Graz (2003) Erster Preis, Europäischer Wettbewerb für einen Kreisverkehr in Vilvoorde, Senneberg Foundation, Vilvoorde, Belgien (1998) Erster Preis, Römerquelle Kunstwettbewerb, Wien (1987) Zweiter Preis, Internationale Triennale für Zeichnung, Nürnberg (1985)
Weblinks
Website von Karl-Heinz Klopf Splace Filme und Videos von Karl-Heinz Klopf Sixpackfilm Karl-Heinz Klopf, IMDb
Einzelnachweise
Kategorie:Künstler (Wien) Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1956 Kategorie:Mann