Das Remington-Lee Model 1879 ist ein Repetiergewehr für die Marine der Vereinigten Staaten, mit erstmals abnehmbaren Kastenmagazin, welches 1879 erstmals hergestellt wurde.

Entwicklungsgeschichte 1875 begann James Paris Lee mit der Entwicklung einem neuartigen Magazin für Repetiergewehre. Noch im gleichen Jahr gelang es ihm, sein Kastenmagazin in den USA patentieren zu lassen. Lee sah in diesem neuen Magazin eine sicherere und zuverlässigere Alternative zu den damals üblichen Röhrenmagazinen, bei denen es jedoch oftmals zu unbeabsichtigten Schussabgaben kam. Lee wandte sich mit dem Kastenmagazin an Remington Arms, um dort an der Weiterentwicklung und Verbesserung des Magazindesigns arbeiten zu können. Zusätzlich arbeitete er an einem neuen Repetiergewehr mit einem neuartigen Zylinderverschluss, welchen er 1878 patentieren konnte. Da Lee erkannte, dass Remington mit dem Remington-Keene vermutlich kein Interesse an einem weiteren Repetiergewehr haben würde, verließ er das Unternehmen und gründete ein eigenes mit dem Namen Lee Arms Co. um sein neues Gewehr zu vermarkten.

Im Jahr 1876 gab es für die US-Navy eine Ausschreibung, in der ein Repetierwaffe eingeführt werden sollte. Kurz nach der Ausschreibung wurden 2.500 Repetiergewehre von Hotchkiss et Cie, die Winchester Hotchkiss mit dem Standardkaliber von .45-70 Government beschafft. Weiterhin wollte man 250 Remington-Keene-Repetiergewehre kaufen, um auch diese zu erproben. Beide Gewehre nutzten ein Röhrenmagazin. Zudem wollte die US-Navy eine kleine Anzahl an Gewehren von Lee mit dem neuartigen Kastenmagazin beschaffen, um das neue Magazinsystem mit den alten vergleichen zu können. So bestellte die US-Navy im Jahr 1882 300 Gewehre des Modells 1879 von Lee mit dem Kaliber .45-70 Government. So wurde das neue Gewehr als Remington-Lee Model 1879 bekannt. Zu dieser Zeit handelte es sich um das modernste Gewehr weltweit und wurde erst 1886 durch das Lebel Modell 1886 vom Thron gestoßen.

Produktion Für die Produktion schloss Lee eine geschäftliche Vereinbarung mit der Sharps Rifle Manufacturing Company aus Bridgeport in Connecticut, um deren Büros und Produktionsanlagen nutzen zu können. Der damalige Fertigungsleiter bei Sharps war Hugo Borchardt, welcher später als Konstrukteur mehrerer bedeutender Waffen bekannt wurde, wie dem Vorläufer der berühmten deutschen Luger-Pistole, der Borchardt C93.

Während der Fertigung der 300 Gewehre vom Modell 1879 geriet die Sharps Rifle Manufacturing Company in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste den Betrieb einstellen. Aus diesem Grund wandte sich Lee erneut an Remington und traf mit dem Unternehmen eine Vereinbarung. So konnten die 300 teilfertigen Gewehre von Remington fertiggestellt werden, um den ursprünglichen Auftrag der US-Navy zu erfüllen. Nachdem die 300 Gewehre fertig waren, bestellte die US-Navy weitere 700 Stück, welche ebenfalls von Remington gebaut wurden.

Nachdem die Produktion der insgesamt 1.000 Gewehre fertiggestellt war, setzte Remington die Produktion für den Export weiter fort. So gingen 1884 4.000 Gewehre an die Qing-Dynastie im Kaiserreich China. Die Gesamtproduktion wird auf circa 7.500 Stück geschätzt.

Technische Beschreibung Das Remington-Lee Model 1879 ist ein Repetiergewehr mit Zylinderverschluss. Die große Neuerung war ein abnehmbares Kastenmagazin für fünf Patronen, welches wenige Jahre zuvor von Lee patentiert wurde. Das Gewehr hat einen 750 mm langen Lauf und mit dem Schaft eine Gesamtlänge von 1230 mm. Das Gesamtgewicht ohne Patronen liegt bei 3,8 kg. Der Kammerstängel ist gerade ausgeführt und der Zylinderverschluss verfügt über zwei Verriegelungselemente. Zum einen den Ansatz des Kammerstängel, sowie einen kleinen Vorsprung auf der linken Seite, welcher in eine Aussparung an der linken Gehäuseseite eingreift. Am hinteren Ende des Verschlusses befindet sich ein rundes Spannstück, welches es ermöglicht, den Schlagbolzen manuell zurückzuziehen. Weiterhin befindet sich an der linken Seite des Gehäuserings eine Gasaustrittsöffnung.

Einsatz Vereinigte Staaten Das Remington-Lee Model 1879 wurde auf mehreren Kriegsschiffen der US-Navy ausgegeben, unter andere an die Soldaten auf den geschützten Kreuzern USS Atlanta und USS Boston. Die Gewehre erwiesen sich im Allgemeinen als zufriedenstellend, jedoch mit einigen Kritikpunkten. So war die Visierung sehr anfällig für Beschädigungen, Federn leierten schnell aus, der Schlagbolzen war spröde und das verwendete Bajonett war nicht standardisiert. Dennoch blieben die Gewehre bis in die Mitte der 1890er Jahre auf den Schiffen im Einsatz.

Großbritannien Die Grundkonstruktion des Remington-Lee Model 1879 wurde von den britischen Entwicklern übernommen und floss in die späteren Entwürfe und Gewehre der Typen Lee–Metford und Lee-Enfield mit ein. Dadurch wurden das Gewehrdesign von Lee eines der am verbreitetsten des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts.

Kaiserreich China Im Jahr 1884 erwarb die Qing-Dynastie rund 4.000 Gewehre vom Typ Remington-Lee Model 1879 mit dem Kaliber .43 Spanish. Während des Chinesisch-Französischen Krieges erwiesen sich die Gewehre als äußerst wirksam gegen die französische Armee. Der Grund lag darin, dass die französische Armee noch alte Einzelladerbüchsen vom Typ Gras Modell 1874 nutze und so die Feuerrate deutlich geringer war als die der Chinesen.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Mehrladerbüchse