Die Thuner Krimitrilogie besteht aus den drei Kriminalromanen Narrentod, Brahmsrösi und Scherbenhaufen von Stefan Haenni.gmeiner-verlag.deStefan Haenni. In: Franziska Streun, Jon Keller: Thun – Ein Lesebuch. Zytglogge Verlag, Bern 2014, ISBN 978-3-7296-0884-9, S. 100, 101. Sie nehmen Bezug auf historische Figuren und Persönlichkeiten, die einst in der Schweizer Stadt Thun gewirkt haben.
«Narrentod» mini|Fulehung beim Ausschiesset Der erste Thunkrimi Narrentod ist 2009 im Gmeiner-Verlag Messkrich erschienen.Narrentod. Neuausgabe 2024, ISBN 978-3-8392-0718-5. Stefan Haenni erzählt von der Ermordung der maskierten Leitfigur des Thuner Volksfestes Ausschiesset, die als Fulehung bekannt ist. Da anfänglich unklar ist, ob das Verbrechen der Figur an sich, quasi als Anschlag auf Tradition und Volkstum, oder als Mord am maskierten Darsteller Beat Dummermuth gegolten hat, bittet der Stadtpräsident Rolf von Siebenthal den Privatdetkeiv Hanspeter Feller um diskrete Unterstützung bei den polizeilichen Untersuchungen durch Hauptmann Geissbühler. Noch bevor der Fall gelöst wird, gibt es ein weiteres Todesopfer zu beklagen. Feller sieht zwei Hauptverdächtige: Herr Weibel, Korpsleiter der Kadetten und Frau Barben-Bigler, Rektorin der Schule Progymatte. Aber auch die Thuner Stadthostess Murer, Radomir Vascovic, einer der Bodyguards des Fulehungs und Gemeinderätin Akert sind noch nicht aus dem Schneider. Haenni präsentiert damit ein Panoptikum charakteristischer Berner Oberländer Figuren. Schließlich entpuppt sich sein Krimidebüt als Drama um Rache und Eifersucht.
Haenni verwebt eine fiktive Story mit historischen Erkenntnissen zum Fulehung. Die Teufelsmaske am Thuner Ausschiesset wird 1864 erstmalig schriftlich erwähnt. Der Legende nach stammt sie aus der Burgunderbeute der Thuner, die im Kampf in Murten 1476 den Hofnarren von Karl dem Kühnen entführt und in einer Hetzjagd um das Schloss Thun gejagt haben sollen, bis der Narr tod zusammenbrach. Die Originalmaske befindet sich im Schloss Thun.
«Brahmsrösi» mini|Brahmsrösi Auch im zweiten Band der Thunertrilogie ermittelt Privatdetekiv Hanspeter Feller. BrahmsrösiBrahmsrösi. Neuausgabe 2022, ISBN 978-3-8392-0222-7. ist als Musikkrimi 2010 im Gmeiner-Verlag erschienen. Er hat die Thuner Sonate von Johannes Brahms zum Thema. Erneut verbindet Haenni historische Begebenheiten mit einem Kriminalfall.
Moritz Auf der Maur, dem Präsidenten der Thuner Brahms-Gesellschaft, wird die verschollen geglaubte Originalpartitur der Thuner Sonate zum Kauf angeboten. Allerdings nicht nur ihm. Weitere Angebote ergehen an eine Krakauer Biblothek sowie an die Brahms-Archive in Baden-Baden und Lübeck. Misstrauisch geworden, beauftragt der Präsident den Thuner Privatdetektiv Hanspeter Feller, die Echtheit der Noten zu prüfen. Wie sich herausstellt, ein tödlicher Auftrag, der ihn sowohl nach Baden-Baden als auch, in Begleitung von Stefan, dem Sohn seines Assistenten Jürg Lüthi, nach Krakau führt.
Haenni hat mit dem Titel Brahmsrösi die im Volksmund gleichnamige Bronzefigur von Hermann Hubacher gewählt, die am Brahmsquai steht und an mehrere Aufenthalte Brahms am Thunersee erinnert.
«Scherbenhaufen» mini|Das Kleist-Denkmal in Thun Haennis dritter Thun-Krimi ScherbenhaufenScherbenhaufen. 4. Auflage. ISBN 978-3-8392-1193-9. ist 2011 erstmalig erschienen. Er kann als zeitgenössische Anlehnung an Heinrich von Kleists Der zerbrochne Krug gelesen werden. Im Schlossmuseum Thun geht bei einem Handgemenge ein kostbarer Tonkrug zu Bruch. Beschuldigt wird der junge Töpfer Niklaus Weihermann. Seine Freundin Eva, die ihn entlasten könnte, schweigt beharrlich. Privatdetekiv Hansperter Feller bemüht sich einmal mehr um Aufklärung und entlarvt den wahren Täter. Seine Leiche wird kurz darauf am Ufer einer Halbinsel beim Ausfluss des Thunersees geborgen. Wieso führt ein relativ harmloser Bruch eines Kruges zu einem Mord? Fellers Ermittlungen gehen weit in die Vergangenheit und zu einem Verbrechen, das nie gesühnt wurde.
Haenni erinnert mit seinem Text an die Tatsache, dass sich Heinrich von Kleist wiederholt in Thun aufgehalten und hier sein wohl populärstes Bühnenstück Der zerbrochne Krug verfasst hatte. Er bewohnte 1802 und 1803 ein Haus auf einer kleinen Aareinsel in Thun, die heute als Kleist-Inseli bekannt ist. Eine Bronzefigur, die den Prinzen von Homburg darstellt, erinnert zusätzlich an Kleist. Der Protagonist aus seinem letzten Drama Prinz Friedrich von Homburg sitzt, wie er in der Eröffnungsszene beschrieben wird, «mit bloßem Haupt und offner Brust» sich einen Lorbeerkranz windet. Haenni integriert das Kleist-Denkmal in seinen Krimi und verbindet es mit der Ausgangslage einer rasanten Verfolgungsjagd. Mit dem Krug im Schlossmuseum nimmt Haenni zudem auf die tourisitsche Töpfertradition der Heimberger- und Thuner Majolika Bezug.
Fellers weiteren Fälle Privatdetektiv Hanspeter Feller ermittelt nach der Thunertrilogie noch in zwei weiteren Fällen. In Interlaken klärt er einen Mord an den TellspielenTellspielopfer. (Gmeiner, 2020) ISBN 978-3-8392-2594-3. im Rugenwald und in Bern geht er den Spuren eines kostbaren Gemäldes von Ferdinand Hodler nach, das im Versteck einer renommierten Berner Galerie aufgestöbert wird.Berner Bärendreck. (Gmeiner, 2019) ISBN 978-3-8392-2484-7.
Einzelnachweise
Kategorie:Buchreihe Kategorie:Kriminalliteratur Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Kultur (Thun) Kategorie:Literatur (Schweiz) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland)