mini|Schuhspikes von Anton Berge, Sammlung des Universitätsmuseum Bergen Anton Berge (geb. 19. Februar 1881 in Herøy; gest. 2. November 1976 in Bergen) war ein norwegischer Schwimmlehrer, Sportfunktionär und Pionier der organisierten Bergrettung am Gullfjellet.
Leben Anton Berge wurde in Herøy geboren und zog 1899 nach Bergen, um die Unteroffizierschule in der Festung Bergenhus zu absolvieren, wo er nach dreijähriger Ausbildung eine Arbeit beim Zoll aufnahm. 1905 wurde er während der vorsorglichen Mobilmachung im Rahmen des Referendums über die Auflösung der Union Norwegens mit Schweden Kommandant der Festung Litlebergen. Ab 1916 war er als selbständiger Aktienhändler tätig.
Sport mini|Olympische Schwimmwettkämpfe 1912 Von 1902 an war Berge im Turn- und Schwimmsport aktiv und wurde Schwimmlehrer. 1910 gründete er den Bergens Svømme- og Livredningsklub (BSLK), der in den 1920er/30er Jahren zu den besten Schwimmvereinen Norwegens wurde und nahm im gleichen Jahr an der konstituierenden Sitzung des Norwegischen Schwimmverbandes teil, in dessen Vorstand er viele Jahre tätig war. Ebenfalls 1910 war er an der Einrichtung des Nordnes Sjøbad beteiligt. Bei den Olympischen Spielen in Stockholm 1912 war Berge Leiter der norwegischen Schwimmmannschaft.
Bergrettung mini|Rettungshütte am Gullfjellet im Jahr 2009 Berge rekrutierte ab 1926 aus bergerfahrenen Skiläufern eine Bergrettungsmannschaft, die in vier Gruppen eingeteilt war, denen für Einsätze jeweils ein bestimmtes Gebiet am Gullfjellet und dessen Gipfelrouten zugeteilt war. Nachdem im Winter 1928/29 eine Frau am Gullfjellet verunglückte und der Transport mittels Rettungsschlitten ins Tal sich sehr schwierig gestaltete, ergriff Berge die Initiative zur Errichtung einer Rettungshütte, wobei er seine Geschäftskontakte zur Finanzierung nutzte. Die erste aus Naturstein gemauerte Rettungshütte konnte bereits im Sommer 1929 eröffnet werden. Schon nach wenigen Jahren wurde Bedarf nach einer größeren Hütte deutlich, so dass 1935 ein Neubau eingeweiht wurde. Zu den weiteren Ausbauten im Gebiet gehörten sechs Stationen für Rettungsschlitten und die Errichtung von sieben Brücken.
Zudem wurden im Gebiet des Gullfjellet 162 Steindauben mit einer Höhe von etwa zwei Metern als Orientierungsmarken errichtet, die jeweils den Routenverlauf zum Gipfel und zur Rettungshütte angeben und so das Gullfjellet der breiteren Öffentlichkeit für Wanderungen erschlossen. Die Rettungshütte war daher nicht nur für die Bergrettung bedeutsam, sondern wurde in den folgenden Jahren ein zentraler Anlaufpunkt für Touristen und Einheimische. Für Familien und Jugendliche wurden ein- und mehrtägige pädagogische Wanderungen angeboten und teilweise besuchten mehrere tausend Menschen täglich das Gullfjellet. Berge war auch im Vorstand der Turistforeningen for Bergen tätig und langjähriger Herausgeber des Jahrbuchs der Gesellschaft.
Aufgrund seiner hohen Präsenz am Gullfjellet, seinen langjährigen Bemühungen um Erschließung und Ausbau des Wandergebiets und der Teilnahme an einer Vielzahl von Rettungsaktionen wurde Anton Berge als Gullfjellskongen (dt. ‚der König des Gullfjells‘) bekannt. Noch im Alter von 85 Jahren brach er zu Wanderungen am Gullfjellet und zur Rettungshütte auf.
Politische Aktivität mini|Gefangenenlager Espeland Vor Beginn des 2. Weltkrieges war Berge Mitglied des Bergenser Stadtrates für die Partei Høyre. Obwohl er selbst nie mit den deutschen Besatzern sympathisierte, schmuggelte er nach dem Krieg Briefe inhaftierter NS-Kollaborateure aus dem Gefangenenlager Espeland zu ihren Familien, die so unzensierte Nachrichten erhalten konnten. Unter Bewachung wurde es Gefangenen zudem manchmal gestattet, die Rettungshütte am Gullfjellet zu besuchen und Berge organisierte dort „zufällige“ Treffen mit ihren Angehörigen.
Ehrungen Berge wurde 1923 Ehrenmitglied der Norwegischen Lebensrettungsgesellschaft und erhielt 1931 die Königliche Verdienstmedaille in Silber für seine Verdienste um Sport und Rettungswesen. Der Bildhauer Sofus Madsen fertigte 1935 ein Relief Berges an. Im offiziellen Werkverzeichnis wird auch eine Büste aus dem Jahr 1938 in der Rettungshütte angegeben.Madsen Werkverzeichnis, Nr. 94
Literatur Tormod Valaker: Gullfjellskongen Anton Berge. John Grieg Verlag, 2014, ISBN 9788253303215
Weblinks redningshytten.no
Einzelnachweise
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