Tren de Aragua ist eine venezolanische, international tätige Verbrecherorganisation und ein Drogenkartell. Ihr Anführer Niño Guerrero wurde im Juni 2026 bei einem Luftangriff der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Venezuela getötet.
Ursprung
Die Verbrecherorganisation entstand im Centro Penitenciario de Aragua, einem Gefängnis in Tocorón im venezolanischen Bundesstaats Aragua. Als Gründer gelten Héctor Rusthenford Guerrero Flores (1983–2026), genannt „Niño Guerrero“, Larry Amaury Álvarez Núñez (* 1977), genannt „Larry Changa“, und Yohan José Guerrero, genannt „Johan Petrica“. Sie führten die Bande als Gefängnisgang von Mitte der 2000er Jahre an mehrere Jahre lang gemeinsam.
Während der von 1999 bis 2013 währenden Amtszeit des venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chávez schloss die Regierung ein Abkommen, in dessen Zuge in acht Gefängnissen des Landes die Verwaltung Verbrecherbanden übertragen wurde. Eines davon war das Gefängnis Tocorón, in dem in der Folge Tren de Aragua sein Hauptquartier einrichtete. Unter anderem gab es dort ein Schwimmbecken, einen Nachtclub und einen kleinen Zoo. Im September 2023, nun unter der Präsidentschaft von Chávez’ Nachfolger Nicolás Maduro, erlangten die Behörden unter Einsatz von 11.000 Soldaten die Kontrolle über das Gefängnis zurück. Angesichts der auffällig reibungslos verlaufenen Aktion wurden Vermutungen geäußert, die Regierung habe mit Tren de Aragua zuvor Absprachen getroffen.
Im Dezember 2016 wurde Niño Guerrero, der 2005 wegen Mordverdachts zum ersten Mal verhaftet worden war, 2012 aus dem Gefängnis geflohen und 2013 erneut ergriffen worden war, zu 17 Jahren Haft wegen mehrerer Verbrechen, darunter vorsätzlicher Tötung, Kriegswaffenbesitz, Drogenhandel und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, verurteilt. Da er allerdings das Gefängnis zu dieser Zeit schon kontrollierte, war seine Inhaftierung wenig effizient. Als die venezolanischen Behörden 2023 die Kontrolle über das Gefängnis zurückerlangt hatten, war Guerrero verschwunden; er blieb bis zu seinem Tod flüchtig.
Ausbreitung
Die Entwicklung von einer Gefängnisgang zu einer weitverzweigten Verbrecherorganisation begann nach der erneuten Inhaftierung Guerrero Flores’ 2013. Sie steht vermutlich im Zusammenhang mit der schweren humanitären und wirtschaftlichen Krise in Venezuela 2014. Tren de Aragua verbündete sich mit anderen Gangs und erlangte die Kontrolle über das Viertel San Vicente in Guerrero Flores’ Heimatstadt Maracay. Unter seiner Führung expandierte die Bande dann zu einer Organisation mit Aktivitäten in anderen Ländern Südamerikas, darunter Kolumbien, Ecuador, Peru und Chile. Zudem erweiterte sie ihre Tätigkeit auf die Erpressung von Migranten, Frauenhandel, Auftragsmorde und Entführungen.
Larry Changa, der 2015 aus Tocorón entwichen war, reiste Geheimdienstinformationen zufolge im Januar 2018 in Chile ein und baute anschließend die dortigen Aktivitäten von Tren de Aragua auf bzw. aus. Er soll in Chile diverse Geschäfte zum Zweck der Geldwäsche gekauft und betrieben haben. Zudem übernahm er die Kontrolle über diverse illegale Grenzübergänge zu Bolivien zum Zweck des Menschenschmuggels, eines aufgrund der hohen Zahl von Flüchtlingen aus Venezuela profitablen Geschäfts. Nachdem die chilenischen Behörden ab 2022 auf Changa aufmerksam geworden waren, verließ er das Land, wurde aber schließlich 2024 in Kolumbien gefasst.
In Kolumbien, in dessen Hauptstadt Bogotá die Bande seit 2018 bekanntermaßen aktiv ist und wo 2024 und 2025 mindestens 60 Angehörige der Bande verhaftet wurden, arbeitet Tren de Aragua mit Stand vom Juni 2026 mutmaßlich mit der Guerillaorganisation ELN zusammen, die unter anderem die Region Catatumbo an der Grenze zu Venezuela kontrolliert. Nach Angaben des venezolanischen Zweigs der nichtstaatlichen Organisation Transparency International ist Tren de Aragua auch in Brasilien und Costa Rica aktiv. Auch Behörden in Mexiko berichteten von der Festnahme mutmaßlicher Anführer und weiterer Mitglieder des Kartells. 2023 ermittelten Journalisten des amerikanischen Nachrichtensenders CNN, dass Tren de Aragua auch in den USA präsent sei. Im März 2024 wurde Niño Guerreros Bruder in Barcelona in Spanien verhaftet und später nach Venezuela ausgeliefert. Etwa ein Jahr später nahm die spanische Polizei 13 Personen fest, die sie als die erste bekannte Zelle von Tren de Aragua in ihrem Land bezeichnete.
Politik und Maßnahmen der Vereinigten Staaten
In den USA stufte im Juli 2024 der damalige Präsident Joe Biden Tren de Aragua als bedeutende transnationale Verbrecherorganisation ein. Nachdem Donald Trump mit seiner zweiten Amtszeit Biden abgelöst hatte, verschärfte er per Executive Order die Einstufung dahingehend, dass Tren de Aragua seither den USA als ausländische Terrororganisation gilt. Kurz darauf folgten Ecuador, Peru und Argentinien mit ähnlichen Klassifizierungen.
Mehrfach seit September 2025 griffen die US-Streitkräfte Boote an, die mutmaßlich für Drogenschmuggel verwendet wurden. Dabei kamen laut US-Medienangaben bis Juni 2026 über 200 Menschen ums Leben. Beweise dafür, dass es sich um Drogenboote gehandelt hatte, legten Militär und Regierung der USA allerdings nicht vor.
Präsident Trump beschuldigte die Bande, Ursache für Gewalt und illegalen Drogenhandel zu sein. Er behauptete – im Widerspruch zu Einschätzungen von US-Geheimdiensten –, dass Tren de Aragua von dem venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro kontrolliert worden sei. Maduro wurde von den USA unter Trump im Januar 2026 in die USA entführt und dort inhaftiert.
Niño Guerrero war in den USA unter anderem wegen organisierter Kriminalität und Terrorunterstützung angeklagt; für Hinweise, die zu seiner Festnahme führten, hatte das amerikanische Außenministerium eine Belohnung von bis zu fünf Millionen Dollar ausgelobt.
Tötung von Niño Guerrero mini |Video des Luftangriffs, veröffentlicht von Donald Trump am 12. Juni 2026 Im Juni 2026 führten die Streitkräfte der USA einen Luftangriff durch, bei dem Niño Guerrero getötet wurde. Dies erklärte der amerikanische Präsident Donald Trump am Freitag, dem 12. Juni 2026, auf sozialen Medien. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, der Luftschlag sei zu Beginn derselben Woche in Venezuela erfolgt, und bestätigte den Tod des Bandenchefs. Auch Venezuela erklärte kurz darauf, dass dieser bei einer „gemeinsamen Operation“ mit den Vereinigten Staaten im Süden Venezuelas getötet worden sei. Die auf die organisierte Kriminalität in Südamerika spezialisierte Nichtregierungsorganisation InSight Crime gibt als Ort der Aktion die Bergarbeitersiedlung Las Claritas in der Gemeinde Sifontes im Bundesstaat Bolívar an, wo Guerrero unter dem Schutz von Johan Petrica gelebt haben soll.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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