mini|hochkant|alt=|Richard Wagner, 1840, gezeichnet von Ernst Benedikt Kietz Die Sinfonie in C-Dur, WWV 29, aus dem Jahre 1832 ist die einzige fertige Sinfonie Richard Wagners.
Wagner begann zwar 1834 eine unfertige Sinfonie in E-Dur (WWV 35), von der nur der erste Satz und ein Teil des zweiten fertiggestellt wurdenBarry Millington (Hrsg.): The Wagner Compendium. 2001, ISBN 0-500-28274-9, S. 310.. Die Sinfonie wurde in ihrer Form und Orchestrierung stark von Beethovens Sinfonien beeinflusst.
Struktur Die Sinfonie ist in vier Sätzen komponiert:
Sostenuto e maestoso - Allegro con brio (475 Takte) Andante ma non troppo, un poco maestoso (208 Takte) Allegro assai (447 Takte) Allegro molto e vivace (442 Takte) Eine Aufführung dauert ungefähr 35 Minuten.
I. Sostenuto e maestoso – Allegro con brio Der erste Satz steht in Sonatensatzform und wird durch eine kurze Einleitung begonnen.
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II. Andante ma non troppo, un poco maestoso Der zweite Satz steht in A-Moll; die grundlegende Form ist A + B + B + A + Coda, wobei zwischen den lyrischen A-Sektionen und den fanfarischen B-Sektionen ein starker Kontrast besteht. Der Satz beginnt mit einem Motiv aus der Coda des ersten Satzes.
seite=1006|rahmenlos|hochkant=2 III. Allegro assai Der dritte Satz steht als Scherzo und Trio mit der üblichen Form A + B + A + B + A + Coda. Das Scherzo zeichnet sich durch einen dynamischen Rhythmus aus, während das Trio (un poco meno allegro) eine kontrastierende weiche Melodie enthält.
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IV. Allegro molto e vivace Der vierte Satz steht in der gleichen Sonatensatzform wie der Erste. Wagner beschleunigt das Stück (più allegro) nach etwa der Hälfte der Coda, um die Spannung auf den Höhepunkt des Stückes zu erhöhen.
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Instrumentierung Die Sinfonie wurde für 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten in C, 2 Fagotts, Kontrafagott, 4 Hörner in C, 2 Trompeten in C, 3 Posaunen, Pauken und Streicher komponiert.
Komposition Wie Wagner selbst in einem Brief an einen Freund schrieb, komponierte er die Sinfonie in gerade einmal sechs Wochen am Anfang des Sommers 1832. Die Komposition zeigt klar den Einfluss der Sinfonien Ludwig van Beethovens (speziell der Nummern 3, 5 und 7) und auch der späten Sinfonien MozartsBarry Millington (Hrsg.): The Wagner Compendium. 2001, ISBN 0-500-28274-9, S. 309.. Die Orchestrierung ist Weber und Beethoven nachempfunden. Emanuel Overbeeke zufolge zeigt das Werk die mangelnde Erfahrung des Komponisten (er war 19 Jahre als, als er die Sinfonie schrieb), besonders an der sogenannten Weitschweifigkeit der ersten beiden SätzeEmanuel Overbeeke: Richard Wagner: Symphonies in C and E / Huldigungsmarsch / Kaisermarsch / Overture to ‘Rienzi’. 2012, 6–7.. Für John Deathridge hingegen zeigt die Sinfonie bereits die Fähigkeiten des damals noch jungen KomponistenJohn Deathridge: Wagner: Beyond Good and Evil. 2008, S. 191..
Frühe Aufführungen Die erste Aufführung fand bei einer Probe des Studentenorchesters im Prager Konservatorium im November 1832 statt und wurde von Dionys Weber dirigiert. Wagner wohnte der Aufführung bei. Die erste öffentliche Aufführung fand am 15. Dezember beim Euterpe Orchesterverein in Leipzig statt, dirigiert von Wagners Dozent Christian Gottlieb Müller.John Deathridge: Wagner: Beyond Good and Evil. 2008, S. 180. Clara Wieck beschrieb die Aufführung in einem Brief an ihren späteren Ehemann Robert Schumann, datiert auf den 17. Dezember 1832:Ernest Newman: The Life of Richard Wagner. Band 1: 1813–1848. 1976, S. 96.
Die zweite öffentliche Aufführung fand im Leipziger Gewandhaus am 10. Januar 1833 als Teil der Saisonkonzerte statt. Das Werk wurde auch am 27. August desselben Jahres in Würzburg aufgeführt.Grove’s Dictionary of Music and Musicians. 5th ed., 1954.
Die Partitur wurde lange verloren geglaubt, nachdem Wagner die Partitur im Jahr 1836 Felix Mendelssohn präsentierte (siehe unten), aber die Noten der Prager Aufführung wurden 1877 in Dresden gefunden. Sie befanden sich in einer von Wagner bei seiner Flucht 1849 zurückgelassenen Truhe. Die nächste Aufführung erfuhr das Stück Weihnachten 1882, zwei Monate vor Wagners Tod, zum Geburtstag seiner Frau Cosima im La Fenice Theater in Venedig; es dirigierten Wagner selbst und Engelbert Humperdinck.Ernest Newman: The Life of Richard Wagner. Band 1: 1813–1848. 1976, S. 96, n. Wagner überarbeitete die Sinfonie für diese Aufführung grundsätzlich.Emanuel Overbeeke: Richard Wagner: Symphonies in C and E / Huldigungsmarsch / Kaisermarsch / Overture to ‘Rienzi’. 2012, 7. In einem danach veröffentlichten Aufsatz schrieb er: „(...) wenn etwas darin vom Richard Wagner zu erkennen sein würde, so durfte dieß höchstens die grenzenlose Zuversicht sein, mit der dieser schon damals sich um nichts kümmerte, und von der bald nacher aufkommenden, den Deutschen so unwiderstehlich gewordenen Duckmäuserei sich unberührt erhielt.“
Mendelssohn und Wagners Sinfonie Ebendieser Aufsatz von 1882 enthält eine Passage, in welcher Wagner impliziert, Mendelssohn habe vergeblich versucht, seine Sinfonie niederzuhalten.John Deathridge: Wagner: Beyond Good and Evil. 2008, S. 181. Tatsächlich überreichte Wagner die Partitur als Geschenk an Mendelssohn, wie ein Brief Wagners vom 11. April 1836 zeigt; Wagner hegte möglicherweise einen Groll darüber, dass Mendelssohn die Sinfonie nachträglich nicht dirigierte.Ernest Newman: The Life of Richard Wagner. Band 1: 1813–1848. 1976, S. 95 n.2. 1874 berichtete er Cosima, dass er dachte, Mendelssohn habe die Partitur zerstört, „vielleicht, weil er darin ein Talent entdeckte, das ihm unangenehm war“. Diese Erfindung stand im Einklang mit Wagners antisemitischer Haltung gegenüber Mendelssohn.John Deathridge: Wagner: Beyond Good and Evil. 2008, S. 182–187.
Version für Klavierduo Es existieren Fragmente einer Version für Klavierduo der Sinfonie, möglicherweise 1832 oder 1833 arrangiert. Der Großteil des ersten Satzes befindet sich in der Stefan Zweig Collection in der British Library; andere Sätze in der Library of Congress in Washington, D.C.Arthur Searle: The British Library Stefan Zweig Collection: Catalogue of the Music Manuscripts. 1999, S. 129–130.
Weblinks Symphony in C major (Wagner) im International Music Score Library Project
Einzelnachweise
Quellen John Deathridge: Wagner: Beyond Good and Evil University of California Press, Berkeley 2008. Barry Millington (Hrsg.): The Wagner Compendium (revised edition) Thames & Hudson, London 2001, ISBN 0-500-28274-9. Ernest Newman: The Life of Richard Wagner. Band 1: 1813–1848. Cambridge University Press, Cambridge 1976, ISBN 0-521-29094-5. Emanuel Overbeeke: Richard Wagner: Symphonies in C and E / Huldigungsmarsch / Kaisermarsch / Overture to ‘Rienzi’. 2012, in Chandos Records, 6–9. Arthur Searle: The British Library Stefan Zweig Collection: Catalogue of the Music Manuscripts. The British Library, London 1999, ISBN 0-7123-4600-7.
Kategorie:Musikalisches Werk von Richard Wagner Kategorie:Richard Wagner Kategorie:Sinfonie Kategorie:Romantik (Musik) Kategorie:Komposition (Musik)