mini|St. Ulrich Die Kirche St. Ulrich (auch Ulrichskirche) ist eine evangelische Pfarrkirche in Rietenau, einem Dorf und Ortsteil der Gemeinde Aspach im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die Kirchengemeinde Aspach gehört zum Kirchenbezirk Backnang der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die mehrfach umgebaute, gotische Chorturmanlage wurde 1262 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die denkmalgeschützte Kirche ist nach dem Heiligen Ulrich von Augsburg benannt.

Geschichte Im 11. und 12. Jahrhundert gehörte das kleine Dorf Rietenau den adligen Herren von Röttingen. 1103 trat Diemar von Röttingen als Mönch in das Kloster Hirsau ein und übertrug seinen ganzen Besitz im Dorf (zwanzig Huben und viel Wald) dem Kloster. Wahrscheinlich waren es die Mönche von Hirsau, die in der Folgezeit die Dorfkirche errichteten. 1262 veräußerte Abt Volland das Dorf an das Dominikanerinnen-Kloster Mariental in Steinheim an der Murr.

Mit der Rückkehr Herzog Ulrichs aus seinem hessischen Exil nach Württemberg wurde 1535 die Reformation eingeführt. 1559 erging Befehl des streng evangelischen Herzogs Christoph an das Kloster Mariental, dass alle Altäre in der Dorfkirche von Rietenau bis auf einen abzubauen seien. Trotz Protesten der Priorin musste sich das Kloster 1560 dem Herzogs unterwerfen; der Tabernakel wurde zugemauert. 1560 wurden auch noch alle Heiligenbilder der Kirche abgehängt und nach Marbach am Neckar überführt. mini|St. Ulrich im 17. Jahrhundert Im 16. Jahrhundert diente die Kirche als Grablege der Familie Minner. Die im Mannesstamm erloschene Familie stammte ursprünglich aus Kornwestheim und war in den Adelsstand erhoben worden. Von ihrem überaus großem Wohlstand zeugen noch vier bunt bemalte Epitaphien aus Sandstein und zwei schlichte Grabplatten an der südlichen Außenmauer der Kirche.

Das Kirchenschiff wurde 1881/82 durch Oberamtsbaumeister Christian Hämmerle in neugotischem Stil umgestaltet. 1910 wurde die Kirche erneut umgebaut und am bisherigen Platz eine neue Sakristei mit Kanzelzugang angebaut.

Architektur und Ausstattung Die ursprünglich gotische Kirche verfügte über Fresken, die allerdings übermalt wurden. In den Jahren 1967/1968 wurde die Kirche komplett renoviert und um einen Treppenanbau ergänzt. Dabei wurden die vier Epitaphe der Familie Minner in den Treppenanbau umgesetzt, ebenso Tafelbilder, die früher an der Empore angebracht waren. Die Bilder stammen aus dem 17. Jahrhundert. Der Fuß der Kanzel ruhte ursprünglich auf einem spätromanischen Kapitell. Dieses wurde 1967 entfernt.

Glasgemälde Der Sakristeianbau von 1910 erhält seine Beleuchtung durch ein Rundbogenfenster, in das eine rechteckige Farbverglasung eingesetzt ist. Sie wurde 1910 von Rudolf Yelin d. Ä. gestaltet.Carla Fandrey: Glasmalerei im Rems-Murr-Kreis. In: Kreissparkasse Waiblingen, Geschäftsbericht 1985, Waiblingen 1986, S. 10. Dargestellt ist der württembergische Herzog Christoph (1515–1568) im Gespräch mit dem Reformator Johannes Brenz (1499–1570). Brenz hatte wesentlichen Anteil an der Durchführung der Reformation in Württemberg und war ein Hauptratgeber des Herzogs in der Neuordnung des Kirchen- und Schulwesens. Im Hintergrund die Stuttgarter Bauten Altes Schloss, Stiftskirche und das Neue Lusthaus (das allerdings erst 1593 errichtet wurde!).

Ein weiteres Glasgemälde wurde 1968 im nordwestlichen Treppenhaus-Anbau eingesetzt.

Orgel Die barocke Orgel wurde 1870 vom Kloster Lichtenthal (bei Baden-Baden) angekauft und 1968 von der Firma Walcker (Ludwigsburg) umgebaut.

Glocken Im Kirchturm hängen drei verschiedene Glocken. Die älteste Glocke ist die Kreuzglocke, die 1616 von Hans Miller in Esslingen am Neckar gegossen wurde.Günther Grundmann (Hrsg.): Deutscher Glockenatlas Württemberg und Hohenzollern. Hamburg 1959, S. 228. +Übersicht der Glocken von St. UlrichGlockeName GlockengießerGussortGussjahrSchlagtonGewichtDurchmesserInschriftGlockenzierI.Betglocke (Vater-Unser-Glocke)Heinrich KurtzStuttgart1951as'511 kg94,8 cmDEIN REICH KOMME / RIETENAU 1951Heiligste Dreifaltigkeit, Christusmonogramm, Kreuz, Alpha, Omega, Fisch-SymbolII.KreuzglockeHans MillerEsslingen1616b'330 kg81 cmM(AGISTER) ZACHARIAS NOCKER PF(ARRER) / LENHART FEHL S / IACOB SCHAD HP / HANS MILLER ZV ESSLINGEN GOS MICHFries aus Ranken und BlumenIII.TaufglockeHeinrich KurtzStuttgart1952des''206 kg70,3 cmDEIN WILLE GESCHEHE / DURCH BESONDERE BEIHILFE VON GOTTLOB KRESS BESCHAFFT / DEM GEDÄCHTNIS UNSERER GEFALLENEN UND VERMISSTEN / RIETENAU 1952Kreuzigungsgruppe

Literatur Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 293f. Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg. Verlag Paul Neff, Stuttgart 1889, S. 61. Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band I. In: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. (Hrsg.) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983; S. 161–170.

Weblinks

Website der Kirchengemeinde Aspach, ohne Kirchengebäude-Informationen

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Bauwerk in Aspach (bei Backnang) Kategorie:Kulturdenkmal in Aspach (bei Backnang) Kategorie:Ulrichskirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Geläut